Die Hand einer Frau hält die Hand eines älteren Mannes.
24-Stunden-Betreuung in den eigenen vier Wänden - eine sichere Alternative? Bildrechte: imago/Westend61

Ratgeber Altenpflege: 24-Stunden-Betreuung - ein Modell ohne Kontrolle?

Der mobile Pflegedienst überlastet, im Pflegeheim kein freier Platz - und der Familie fehlt die Zeit, sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Die 24-Stunden-Betreuung durch vorwiegend osteuropäische Pflegekräfte scheint die Lösung zu sein, alte Menschen gut und angemessen in den eigenen vier Wänden zu versorgen. Doch erste Negativ-Beispiele lassen aufhorchen: Wer vermittelt die willigen Helfer aus den Nachbarländern, wie ist es um ihre Qualifikation bestellt - und wer kontrolliert sie?

Die Hand einer Frau hält die Hand eines älteren Mannes.
24-Stunden-Betreuung in den eigenen vier Wänden - eine sichere Alternative? Bildrechte: imago/Westend61

Im eigenen Heim alt werden dank 24-Stunden-Betreuung

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Eine Pflegekraft, die sich rund um die Uhr um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert. Ihn bei der täglichen Hygiene, der Nahrungs- und Medikamentenaufnahme unterstützt und obendrein zu sozialen Aktivitäten oder zum Arzt begleitet. Für ihre Arbeit muss die Helferin beim Pflegebedürftigen einziehen. Dazu ist es wichtig, dass sich beide zunächst kennenlernen und verstehen.

Älteren Menschen gibt die 24-Stunden-Betreuung die Möglichkeit, länger und gut versorgt in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Und bezahlbar ist sie obendrein: Ab etwa 2.000 Euro pro Monat sind "Pflegekräfte" aus Osteuropa und anderen europäischen Ländern zu haben. Einen Teil der Kosten übernimmt die Pflegekasse. Doch ist der pflegebedürftige Angehörige damit wirklich in guten Händen?

Wer kontrolliert die 24-Stunden-Betreuungskräfte?

Das Problem: Wer kontrolliert die so genannten Pflegekräfte, kann besorgten Angehörigen über ihre Kompetenzen Auskunft geben? Zwar gibt es Agenturen, die angeblich geschultes Personal vermitteln, doch auch die zu beurteilen ist für Laien schwierig. Denn die meisten Agenturen arbeiten mit Partnerfirmen im Ausland zusammen, die die Pflegekräfte vor Ort anwerben und einstellen. Das Info-Portal pflege.de gibt folgende Tipps, um die richtige Agentur für die Vermittlung einer 24-Stunden-Betreuung zu finden:

  1. Haben Sie von positiven Erfahrungen mit einer bestimmten Agentur von Freunden oder Bekannten gehört?
  2. Hat Sie die Agentur ausführlich und umfassend informiert?
  3. Haben Sie einen positiven Eindruck von der Agentur (Sprache, Freundlichkeit, Qualifikation)?
  4. Geht die Agentur individuell auf Sie ein und nimmt sie sich Zeit, um alle relevanten Anforderungen für die optimale Betreuungskraft zu erfassen?
  5. Liegt der Preis einer Betreuungsperson bei ca. 2.000 Euro monatlich? Das ist ein erstes Zeichen für Legalität!
  6. Bietet die Agentur Unterstützung, falls die Betreuungskraft einmal ausfällt oder krank ist?
  7. Ist die Agentur jederzeit für Sie erreichbar?
  8. Setzt die Agentur einen schriftlichen Vertrag über die Vermittlung auf?
  9. Hat die vermittelte Betreuungsperson eine sog. A1-Bescheinigung und leistet damit in ihrem Heimatland Sozialabgaben?

Eine Pflegerin hilft einem Mann beim Hinsetzen und Aufstehen aus dem Bett.
Eine Alternative zur 24-Stunden-Betreuung sind Pflegeheim oder ambulanter Pflegedienst - doch die sind häufig ausgebucht Bildrechte: IMAGO

 Alternative I: Mobiler Pflegedienst

Auch mit ambulanter Pflege erhalten pflegebedürftige Menschen medizinische, pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung im häuslichen Umfeld. Die ambulante Pflege und die Betreuung von Pflegebedürftigen kann von einem ambulanten Pflegedienst oder auch pflegenden Angehörige übernommen werden. Im Gegensatz zur 24-Stunden-Betreuung werden bei den ambulanten Pflegediensten sowohl die Arbeitsabläufe als auch die Qualifikation der Mitarbeiter kontrolliert - und zwar durch den MDK, den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Der Haken: Den immens großen Bedarf an häuslicher Pflege können die ambulanten Dienste in Deutschland nicht mehr abdecken. Möchte man seine pflegebedürftigen Angehörigen gut versorgt wissen, müssen Alternativen gefunden werden - und die heißen immer häufiger: 24-Stunden-Betreuung.

Alternative II: Alten- und Pflegeheime

Im Alter ins Pflegeheim ziehen? Das wünschen sich die wenigsten Senioren und vielen mutet der Umzug in ein Heim wie eine "Reise ohne Wiederkehr" an. Doch ein Umzug in ein gutes Pflegeheim kann viele Vorteile für Betroffene und Angehörige mit sich bringen: Die älteren Menschen verbringen zusammen mit Gleichaltrigen ihren Lebensabend, werden rundum versorgt und können an vielen Veranstaltungen teilnehmen. Und auch für pflegende Angehörige verbessert sich die Lage: Sie müssen sich keine Sorgen mehr machen, können sich von der Belastung erholen und haben mehr Zeit für ein entspanntes Miteinander mit dem Pflegebedürftigen. Ein großes Plus: Prüfungsprotokolle mit den Bewertungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) geben eine objektive Bewertung einer Einrichtungen ab.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2019, 18:38 Uhr

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