Eine Mutter fotografiert ihre liegende, mit falschen Augenbrauen und Schnurrbart verkleidete Tochter.
Peinlich oder lustig? Bildrechte: IMAGO

Vorher nachdenken und informieren Private Bilder und Videos im Netz: Experten warnen!

BRISANT | 15.03.2019 | 17:15 Uhr

Urlaubsfotos, Bilder vom Familienausflug und natürlich vom Kindergeburtstag: Immer und überall wird das Smartphone gezückt. Doch was, wenn die Bilder 1:1 im Internet landen? Experten warnen!

Eine Mutter fotografiert ihre liegende, mit falschen Augenbrauen und Schnurrbart verkleidete Tochter.
Peinlich oder lustig? Bildrechte: IMAGO

Ein Dreijähriger als Wichtel verkleidet - so süß für Instagram. Doch: "Bitte nicht!", sagen Polizei und Medienexperten. Es sind private Bilder, die schnell den privaten Rahmen verlassen.

Alles, was für die Kinder (später) peinlich werden könnte und in die Intimsphäre hineingeht, sollten Eltern nicht posten. Sie denken meist nur an Familie und Bekannte, wenn sie die Bilder ins Netz stellen, vergessen aber, dass es auch Leute gibt, die damit nichts Gutes vorhaben.

Dr. Iren Schulz | Internet-Projekt "Schau hin"

Schnell außer Kontrolle

Die Fotografen und die Abgebildeten verlieren schnell die Kontrolle, wo die Fotos landen. Kinderbilder vom Strand, aus der Wanne, im Urlaub, leicht bekleidet - solche Bilder können kostenpflichtig im Darknet auftauchen, warnt Mediencoach Dr. Iren Schulz vom Internet-Projekt "Schau hin". Manchmal hingen auch Standort-Daten dran, die Aufschluss geben, wo die Bilder gemacht wurden.

So reicht die digitale Problematik bis ins analoge Privatleben hinein

Iren Schulz vom Internet-Projekt "Schau hin"

Lieber einmal mehr überlegen

Schulz weiß, dass in einer hochmedialisierten Gesellschaft das Fotografieren und das Teilen von Inhalten nicht verboten werden kann oder sollte. Sie appelliert allerdings daran, nachzudenken und sich zu informieren. Eine gute innere Kontrolle sei, sich bewusst zu machen, wie peinlich es wäre, die Bilder an der Kaffeetafel mit Familien und Bekannten im klassischen Fotoalbum zu zeigen. Wer die Bilder dennoch poste, zeige sie unter bestimmten Einstellungen bei Facebook & Co. jedermann immer öffentlich. Dabei seien Eltern dafür zuständig, dass ihre Kinder geschützt aufwachsen können - mit Schutz von Privatsphäre, Persönlichkeitsrecht und Recht am eigenen Bild. Je älter die Kinder werden, desto mehr kann man mit ihnen "aushandeln". Für jüngere Kinder sind die Eltern aber in der Pflicht, sagt Schulz.

So geht's besser

  • Keine peinlichen und unangenehmen Bilder posten (die später vielleicht als Vorlage für Mobbing dienen)
  • Keine Standortdaten und keine "Kontext-Infos" preisgeben
  • Eigenes Profil bei Facebook und Instagram so privat wie möglich gestalten und Einstellungen nach Updates überprüfen
  • Kinder seitlich (mit Sonnenbrille) oder von hinten fotografieren, digitale Sticker übers Gesicht legen und sie so anonymisieren
  • Nicht immer alles fotografieren (Studien zeigen, Kinder wünschen sich Aufmerksamkeit und weniger Smartphone-Gebrauch der Eltern)

Kinder mit Laternen
Auch schön, aber anonymisiert: Die Kinder sind auf diesem Foto nicht zu erkennen. Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. März 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 19:45 Uhr

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