Erst denken, dann posten! Private Kinderfotos im Netz: Experten warnen!

Urlaubsfotos vom Strand, beim Baden oder vom Kindergeburtstag: Das Smartphone ist schnell gezückt, das Bild noch schneller bei Instagram gepostet. Doch was, wenn die Bilder im Anschluss 1:1 auf anderen Seiten im Internet landen? Genau das ist jetzt Janni Hönscheid und Peer Kusmagk sowie Schauspielerin Nina Bott passiert. Experten warnen schon lange davor, Bilder der eigenen Kinder im Netz hochzuladen.

Eine Mutter fotografiert ihre liegende, mit falschen Augenbrauen und Schnurrbart verkleidete Tochter.
Peinlich oder lustig? Bildrechte: IMAGO

Auf Instagram gepostet, in Pädophilen-Netzwerk gelandet

Ihre Kinder lieben sie über alles - und wollen daran auch ihre Fans teilhaben lassen. Das mussten Peer Kusmagk und Janni Hönscheid sowie Schauspielerin Nina Bott jetzt bitter bezahlen. Schnappschüsse ihrer Kinder, einst bei Instagram hochgeladen, sind jetzt in einem Netzwerk für Pädophile aufgetaucht. Dort können die User sogar abstimmen, welches der Kinder ihnen am meisten zusagt.

Klar, dass die Promis umgehend Anzeige erstattet bzw. ihre Anwälte eingeschaltet haben. Doch selbst wenn sie damit erfolgreich sein sollten: Die Privatsphäre ihrer Kinder ist irreparabel geschädigt.

Oliver Pocher: Kinder gehören nicht ins Netz!

Comedian Oliver Pocher und Ehefrau Amira appelieren bereits des längeren an ihre prominenten Kollegen, die Kinder aus dem eigenen öffentlichen Leben herauszuhalten. So streitbar Pochers spitze Zunge auch sein mag: In diesem Fall hat er eindeutig recht.

Private Bilder verlassen den privaten Rahmen

Ein Dreijähriger als Wichtel verkleidet - so süß, finden auch die Follower privater Instagram-Accounts. Doch: "Bitte nicht!", sagen Polizei und Medienexperten. Es sind private Bilder, die viel zu schnell den privaten Rahmen verlassen können.

Alles, was für die Kinder (später) peinlich werden könnte und in die Intimsphäre hineingeht, sollten Eltern nicht posten. Sie denken meist nur an Familie und Bekannte, wenn sie die Bilder ins Netz stellen, vergessen aber, dass es auch Leute gibt, die damit nichts Gutes vorhaben.

Dr. Iren Schulz | Internet-Projekt "Schau hin"

Schnell außer Kontrolle

Sind die Bilder einmal in den sozialen Netzwerken hochgeladen, verlieren sowohl die Fotografen als auch die Abgebildeten schnell die Kontrolle darüber, wo die Fotos letztendlich landen. Kinderbilder vom Strand, aus der Wanne, im Urlaub, leicht bekleidet - solche Bilder können kostenpflichtig im Darknet auftauchen, warnt Mediencoach Dr. Iren Schulz vom Internet-Projekt "Schau hin". Manchmal hängen sogar Standort-Daten dran, die Aufschluss geben, wo die Bilder gemacht wurden.

So reicht die digitale Problematik bis ins analoge Privatleben hinein.

Iren Schulz vom Internet-Projekt "Schau hin"

Lieber einmal mehr überlegen

Schulz weiß, dass in einer hochmedialisierten Gesellschaft das Fotografieren und das Teilen von Inhalten nicht verboten werden kann oder sollte. Sie appelliert allerdings daran, nachzudenken und sich zu informieren. Eine gute innere Kontrolle sei, sich bewusst zu machen, wie peinlich es wäre, die Bilder an der Kaffeetafel mit Familien und Bekannten im klassischen Fotoalbum zu zeigen.

Wer die Bilder dennoch poste, zeige sie unter bestimmten Einstellungen bei Facebook & Co. jedermann immer öffentlich. Dabei seien Eltern dafür zuständig, dass ihre Kinder geschützt aufwachsen können - mit Schutz von Privatsphäre, Persönlichkeitsrecht und Recht am eigenen Bild. Je älter die Kinder werden, desto mehr kann man mit ihnen "aushandeln". Für jüngere Kinder sind die Eltern aber in der Pflicht, sagt Schulz.

Welche Bilder sollte man NICHT öffentlich posten?

  • Keine peinlichen und unangenehmen Bilder posten (die später vielleicht als Vorlage für Mobbing dienen)
  • Keine Standortdaten und keine "Kontext-Infos" preisgeben
  • Eigenes Profil bei Facebook und Instagram so privat wie möglich gestalten und Einstellungen nach Updates überprüfen
  • Kinder seitlich (mit Sonnenbrille) oder von hinten fotografieren, digitale Sticker übers Gesicht legen und sie so anonymisieren
  • Nicht immer alles fotografieren (Studien zeigen, Kinder wünschen sich Aufmerksamkeit und weniger Smartphone-Gebrauch der Eltern)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Juni 2020 | 17:15 Uhr

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