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Urlaubsgebiete in ganz Europa leiden aktuell unter Quallenplagen. Wir wissen, vor welchen Exemplaren Sie sich besser in Acht nehmen sollten. Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

Weltweite QuallenplageFerien am Strand geplant? Das sollten Sie über Quallen wissen

Stand: 07. August 2022, 18:08 Uhr

Mehr Quallen im Wasser als Badegäste am Strand. Was nach purer Übertreibung klingt, ist aktuell an vielen beliebten Urlaubszielen Realität. Ob Frankreich, Italien, Ostsee oder Spanien - 2022 tummeln sich Zehntausende Nesseltiere im Meer. Einige sind ganz harmlos, andere hochgiftig. Wir wissen, vor welchen Arten Sie sich in Acht nehmen sollten.

Abgesperrte Strände in Touristengebieten sind dieses Jahr kein seltener Anblick. Denn an Küsten kommt es immer öfter zu wahren Qualleninvasionen. Ob Italien, Frankreich, Kroatien, Ostsee oder Nordsee: Urlauber müssen sich wohl ab sofort an Quallenansammlungen gewöhnen. Denn leider handelt es sich bei den aktuellen Quallenblüten, wie man das massenhafte Auftreten der Tiere nennt, nicht um ein kurzfristiges Phänomen, sondern um den neuen Normalzustand.

Das steckt hinter der Quallenplage

Meeresbiologin Cornelia Jaspers weiß, warum sich Quallen mittlerweile in Küstennähe besonders wohlfühlen und sich immer weiter vermehren. Hier die wichtigsten Gründe auf einen Blick:

  • Klimawandel: Die steigenden Wassertemperaturen im Mittelmeer führen dazu, dass sich immer mehr Quallen in Küstennähe wohlfühlen und ansammeln. Denn die Tiere bevorzugen warme Gewässer. 

  • Überfischung: Wenn es weniger Fressfeinde gibt, können sich Quallen leichter vermehren. Außerdem gibt es weniger Wettbewerb um die Nahrungsquelle der Quallen.

  • Umweltverschmutzung: Plastikmüll und die von Menschen errichteten Bauten bieten neuen Lebensraum für Quallen.

Was tun bei Quallenverletzungen?

Ist man mit einer Qualle in Berührung gekommen, sollte man zuerst überprüfen, ob sich noch Tentakelreste auf der Haut befinden. Am besten spült man dafür die Haut mit Meerwasser ab. Die betroffene Stelle auf keinen Fall mit Süßwasser behandeln, denn dann würden eventuell übersehene Nesselkapseln platzen. Das Gift kann sich so weiter ausbreiten.

An vielen Stränden, die in gefährdeten Gebieten liegen, finden sich Kioske oder Restaurants. Dort bei Quallenstichen nach Essig fragen und die Wunde damit reinigen.

Abschließend die Wunde kühlen, das lindert die Schmerzen.

Immer mehr gefährliche Quallenarten im Anmarsch

In Zukunft kann es durchaus vorkommen, dass man sich vor neuen, giftigen Quallenarten vor den Küsten Europas in Acht nehmen muss. Durch den Suezkanal könnten diese aus dem roten Meer ins Mittelmeer gelangen und sich sprunghaft vermehren. Die Nomadenqualle beispielsweise kommt immer häufiger im Mittelmeer vor, obwohl sie eigentlich bislang in sehr viel tropischeren Regionen heimisch war.

Doch nicht jede Quallenart ist gefährlich. Wir erlären, vor welchen Arten Sie sich in Acht nehmen sollten und welche Quallen völlig harmlos sind.

Für sorglose Ferien am Strand: Diese Quallenarten sollten Sie kennen

Zehntausende Lungenquallen tummeln sich in Italien und Frankreich

Am Mittelmeer kam es bereits im Vorjahr zu riesigen Quallenansammlungen. Besonders in Italien an der Adriaküste rund um Triest trauen sich aktuell viele Urlauber gar nicht mehr an den Strand. Viel zu groß die Wahrscheinlichkeit, dass man auf Lungenquallen (Rhizostoma pulmo), eine der größten Quallenarten, trifft. 

Die Lungenqualle ist gut anhand ihres violetten Saums zu erkennen. Bildrechte: dpa

Die Tiere bevölkern seit April zu Zehntausenden die Küste. Je nach Strömung tauchen die Quallen auch im westlichen Mittelmeer, an der Amalfiküste in Italien und an der Côte d’Azur in Frankreich auf. Die Schirme einiger Exemplare können einen Durchmesser von bis zu eineinhalb Meter annehmen.

Doch es gibt Entwarnung: Die Tiere sind zwar auffallend groß, dafür aber weitestgehend ungefährlich. Kein Grund also, das Wasser zu meiden. Berührungen mit den Nesselzellen der Quallen können bei Nichtallergikern höchstens zu geringen Reizungen führen. 

Nein, dieses Foto ist kein Fake: Dieses Exemplar einer Lungenqualle ist geschätzte 1,50 Meter lang. Bildrechte: dpa

Besonders schmerzhaft: Begegnungen mit der Leuchtqualle

Anders sieht es bei der Leuchtqualle aus. Sie liebt es warm, weshalb man sie vor allem im Mittelmeer antrifft – zum Nachteil der dortigen Tourismusszene. In letzter Zeit mussten immer wieder ganze Strände gesperrt werden, weil die Tiere sich an der Küste ansiedeln. 

Die Leuchtquallen gehören zu den faszinierendsten Arten ihrer Gattung – aber auch zu den gefährlichsten. Sie sind daran zu erkennen, dass Schirm und Tentakel mit dunklen Warzen gesprenkelt sind, welche Giftnesseln tragen. Bei Erschütterungen leuchten die an sich transparenten Quallen auf.

Die Leuchtqualle ist mit dunklen Giftnesseln übersäht. Bildrechte: imago images/imagebroker

Die Berührung mit der Leuchtqualle schmerzt extrem, ihr Gift löst Hautrötungen und Juckreiz aus. In einigen Fällen können auch Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen aufkommen. In diesem Fall unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Achtung gefährlich: In Salento treibt die Feuerqualle ihr Unwesen

Besonders gefürchtet ist die Feuerqualle. Die tummelt sich dieses Jahr vor allem in der Region um Salento. Für einen gesunden Menschen ist der Kontakt mit einer Feuerqualle nicht gefährlich, dafür aber schmerzhaft. Bei empfindlichen Menschen oder Allergikern kann der Kontakt mit Feuerquallen jedoch zu ernsthaften Herz-Kreislauf-Beschwerden führen, die in einem Kollaps enden können.

Achtung gefährlich! Urlauber auf der italienischen Halbinsel Salento fürchten sich aktuell besonders vor den zahlreichen Feuerquallen, die sich immer näher an die Küste heranwagen. Bildrechte: dpa

Fühlt sich überall zuhause: Die Kompassqualle

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Kompassqualle (Chrysaora hysoscella). Diese Art hat vor allem von April bis Juli Saison und fühlt sich von Italien und Frankreich bis zur Nord- und Ostsee wohl. Man erkennt sie an den rot-braunen Streifen, die sich vom Zentrum des Schirmes bis zum Rand erstrecken. Die Optik gleicht einer Kompassrose, woher die Quallenart ihren Namen hat. 

Die Nesselzellen der Kompassqualle können die menschliche Haut durchdringen, weshalb man ihr lieber aus dem Weg gehen, oder besser schwimmen sollte. Denn das Gift ihrer Nesselzellen ist zwar nicht lebensgefährlich, kann aber zu starken Hautreizungen und Kreislaufbeschwerden führen. Nach spätestens 24 Stunden sollten die Beschwerden allerdings wieder abklingen. 

Ein Kontakt mit der Kompassqualle kann schmerzende Hautreizungen hervorrufen. Bildrechte: dpa

Schön, aber unangenehm: Die Blaue Nesselqualle 

Vor allem Personen, die gern in kühleren Gefilden urlauben, werden schon einmal Kontakt mit einer Blauen Nesselqualle (Cyanea lamarckii) gemacht haben. Der Name ist jedoch etwas irreführend, denn die Tiere können sämtliche Färbungen von Hellgelb bis hin zu Grau einnehmen. Die blaue Nesselqualle kann einen Durchmesser von bis zu dreißig Zentimetern erreichen, die Tentakel können bis zu einem Meter lang werden. 

Die Blaue Nesselqualle fühlt sich vor allem im hohen Norden heimisch. Bildrechte: IMAGO / McPHOTO

Blaue Nesselquallen finden sich vor allem in Skandinavien bis zum Atlantik, in der Nordsee und Ostsee. Ähnlich wie bei der Kompassqualle gilt: Ein Kontakt ist nicht wirklich gefährlich, jedoch führen die Nesseln zu Hautirritationen bis hin zu Hautausschlag. 

Vermehrt vor Mallorca gesichtet: Die Portugiesische Galeere

Der Name ist etwas irreführend, denn die Portugiesische Galeere wird nicht nur in Portugal immer mehr zum Problem, sondern auch auf Mallorca.

Mallorca-Urlauber sollten sich diesen Sommer besonders vor der portugiesischen Geleere in Acht nehmen. Bildrechte: imago images/imagebroker

Um genau zu sein, handelt es sich hier gar nicht um eine Qualle, sondern um eine Kolonie aus einzelnen kleinen Polypen. Die Portugiesische Galeere kann bis zu 50 Meter lange Tentakel entwickeln, deren Gift bei Kontakt rote, schmerzende Striemen auf der Haut hinterlässt. Im schlimmsten Fall löst es bei Betroffenen einen allergischen Schock aus, der unbehandelt tödlich enden kann.

Vorsicht im Australienurlaub: Die Seewespe ist die gefährlichste Quallenart der Welt

Sie sieht so unscheinbar aus, zählt aber zu den giftigsten Nesseltieren der Welt: Die Seewespe. Sie ist vor allem in tropischen Gewässern unterwegs, gern in Ufernähe. Jährlich werden bis zu 70 Todesfälle von Menschen verzeichnet, die beim Schwimmen (z. B. an der Nord- oder Ostküste Australiens) in Kontakt mit ihr kamen.

Sie ist eine der gefährlichsten Quallenarten der Welt: Die Seewespe. Bildrechte: dpa

BRISANT/ndr.de/rnd.de/dpa.de

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