Ratgeber Was tun nach einem Einbruch?

Wer Opfer eines Einbruchs wird, muss nicht nur mit materiellen Verlusten, sondern auch mit seelischen Beeinträchtigungen rechnen. Immerhin ist ein völlig fremder Mensch in die eigene Privatshäre eingedrungen. Trotz des ersten Schocks kommt es darauf an, einen klaren Kopf zu bewahren und ganz pragmatisch einige Dinge zu regeln: Polizei anrufen, Karten und ggf. Mobiltelefon sperren - und sich um das eigene Seelenheil kümmern.

Eine junge Frau entdeckt, dass in ihre Wohnung eingebrochen und die Zimmer durchwühlt wurden.
Was tun, wenn ein Fremder in die eigene Wochnung eingebrochen ist? Nicht nur der materielle, auch der seelische Schaden muss reguliert werden. Bildrechte: IMAGO

Polizei verständigen und Konfrontation mit dem Täter vermeiden

Wenn man nicht genau weiß, ob sich der Täter noch in den eigenen vier Wänden aufhält, ist es das Beste, draußen zu warten und von dort per Handy die Polizei zu verständigen. Die Polizei warnt davor, den Einbrecher selbst zu stellen oder aufhalten zu wollen. Wer sich beim Einbruch zu Hause aufhält, sollte versuchen, das Haus unbemerkt zu verlassen oder sich einzuschließen. Eine Konfrontation sollte möglichst vermieden werden.

Wichtig ist, die Wohnung zunächst im vorgefundenen Zustand zu belassen. Es kann passieren, dass die Polizei nicht zeitnah vor Ort sein kann oder die Anzeige nur telefonisch aufnimmt. Dann ist es sinnvoll, Schäden und Einbruchsspuren selbständig mit Fotos zu dokumentieren. Ab wann die Wohnung aufgeräumt werden kann, sollte von der Polizei erfragt werden.

Schaden minimieren: EC-, Kredit- und Mobilfunkkarten sperren, gestohlene Ausweispapiere melden

Bei Verlust von EC- oder Kreditkarten, Sparbüchern und Wertpapieren muss unverzüglich bei der Bank eine Sperrung veranlasst werden, um auszuschließen, dass ein Täter noch größeren Schaden verursacht. Das Gleiche gilt für Kundenkarten oder Online-Banking-Konten, vor allem wenn Passwörter oder PIN-Codes zugänglich waren. Für diese Zwecke gibt es den bundesweiten gebührenfreien Sperr-Notruf 116116.

Mobilfunkkarten müssen durch Anruf beim jeweiligen Anbieter gesperrt werden. Für die Fahndung eines Mobiltelefons braucht die Polizei dessen 15-stellige IMEI-Nummer. Diese Nummer lässt sich durch Drücken der Tastenkombination *#06# herausfinden und sollte für den Fall des Diebstahls notiert werden.

Gestohlene Ausweispapiere müssen schnellstmöglich der Personalausweisbehörde gemeldet werden. Sollte die Online-Ausweisfunktion beim Personalausweis aktiv sein, lässt sich diese ebenfalls über den Sperr-Notruf 116 116 deaktivieren.

Hausratversicherung informieren!

Formular "Antrag auf Hausratversicherung"
Schützt auch bei Einbruch: eine Hausratversicherung Bildrechte: IMAGO

Etwa drei Viertel aller deutschen Haushalte können im Falle eines Einbruchdiebstahls auf eine Hausratversicherung zurückgreifen. Doch ohne polizeiliche Anzeige wird der Versicherungsfall nicht bearbeitet. Wer sich auf schnellstem Wege bei seiner Versicherung meldet, vermeidet, etwaige Verhaltensregeln des Versicherungsvertrages zu missachten und so die reibungslose Regulierung zu gefährden.

Unbedingt sollte man sich vor den Aufräumarbeiten beim Versicherer erkundigen, ob eigene Bilder zur Schadensdokumentation ausreichen oder ob ein Gutachter zur Besichtigung kommen muss und welche Auskünfte für die Regulierung benötigt werden. Für die Schadensmeldung sollten sich Einbruchsopfer nach dem Einbruch schnellstmöglich einen Überblick über die entwendeten Gegenstände verschaffen. Die Versicherung möchte in der Regel die genaue Bezeichnung, das Alter, den Anschaffungsort und den Anschaffungspreis erfahren. Eine Liste mit diesen Informationen muss auch an die Polizei gegeben werden.

Um sicherzugehen, dass es die gestohlenen Gegenstände tatsächlich im Haushalt gegeben hat, kann die Versicherung dazu Nachweise einfordern. Dies sind in der Regel Kaufbelege oder Fotos. Im günstigsten Fall hat ein Versicherungsnehmer bereits Aufnahmen all seiner Wertgegenstände angefertigt. Als Nachweis können aber auch Bilder vorgelegt werden, auf denen der Hausrat erkennbar wird. Im Zweifel kann der Geschädigte auch eidesstattliche Versicherungen von Personen, die gut mit dem Haushalt vertraut sind, anführen. Die Hausratsversicherung kommt dann idealerweise für die versicherten Schäden auf.

Dazu gehören das gesamte entwendete Eigentum sowie nötige Reparaturmaßnahmen. Auch Sachen, die im Keller oder der Garage gelagert wurden, oder Leihgaben von Familie oder Freunden sind versichert. Bei Letzterem muss der Bestohlene allerdings belegen können, dass das Geliehene vorübergehend in seinem Besitz war. Wenn Schlösser ausgewechselt werden oder im Haushalt dringend benötigte Gegenstände nachgekauft werden müssen, sollten Geschädigte die Belege für die Versicherung aufbewahren.

Vor- und Nachsorge nicht vergessen: Fahrlässigkeit

Die Versicherung kann die Erstattungssumme anteilig kürzen, wenn sie grobe Fahrlässigkeit nachweisen kann. Als Fahrlässig gilt etwa, wenn Bewohner des Erdgeschosses die Wohnung mit angekippten Fenstern verlassen. Ist eine Hausfassade eingerüstet, gilt das auch für die oberen Stockwerke. Eine solche erhöhte Gefährdung sollte dem Versicherer gemeldet werden. Ein anderes Beispiel sind längere Auslandsaufenthalte, in denen der Haushalt mehrere Monate unbewacht bleibt.

Weiterhin sollte mit der Versicherung abgesprochen werden, wie nicht mehr funktionstüchtige Wohnungssicherungen, wie etwa Tür- oder Fensterverriegelungen, nach dem Einbruch übergangshalber gesichert werden können. Ohne Sicherung wäre der verbliebende Hausrat nicht mehr gegen Einbruchdiebstahl versichert. Wurde nachts eingebrochen, sollte zumindest eine notdürftige Sicherung, etwa durch Zunageln von beschädigten Türen oder Fenstern, erfolgen. Gegebenenfalls muss man einen Schlüssel- oder Tischler-Notdienst oder Wachdienst aus dem Branchenbuch beauftragen.

Seelische Belastung im Blick behalten

Gehirn mit Pflaster
Nehmen Sie professionelle Beratung in Anspruch, um das Erlebte zu verarbeiten. Bildrechte: Colourbox.de

Einbruchsopfern kann es passieren, dass sie sich in den eigenen vier Wänden unsicher fühlen, nicht mehr ruhig schlafen können. Solche Schwierigkeiten treten mitunter erst Tage oder Wochen nach dem eigentlichen Vorfall auf. Es ist wichtig, diese Probleme zu thematisieren und sie nicht abzutun. Man kann seine Ängste Freunden mitteilen oder auch professionelle Beratung, etwa von der Opferberatung "Weißer Ring" in Anspruch nehmen. Er bietet Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwalt und Gericht an und hilft bei Notlagen im Zusammenhang mit der Straftat.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Februar 2020 | 17:10 Uhr

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