Alltagstipps So kann jeder den Regenwald schützen

Jährlich verschwindet eine Regenwaldfläche halb so groß wie Deutschland – mindestens. Das hat verheerende Folgen für Mensch und Klima. Die Rettung des Regenwaldes ist drängender denn je. Doch mit einfachen Alltagstricks kann jeder von uns einen wichtigen Beitrag zum Regenwaldschutz leisten.

Der Sonnenaufgang leuchtet durch den Morgennebel in einem Wald im Nationalpark Unteres Odertal.
Regenwald fasziniert: Nirgendwo gibt es eine so große Biodiversität … zumindest noch. Bildrechte: dpa

Regenwälder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde: Etwa zwei Drittel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten sind hier beheimatet. Fragt sich nur, wie lange noch. Denn diese unvergleichliche Vielfalt ist bedroht. Schuld ist der Mensch.

Laut "Global Forest Watch" werden pro Jahr etwa 158.000 Quadratkilometer tropischer Regenwald abgeholzt – allen voran in Indonesien, Brasilien und der Demokratischen Republik Kongo. Das entspricht etwas weniger als der Hälfte von Deutschland.

Ein brennender Regenwald 3 min
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BRISANT Mi 12.10.2022 17:15Uhr 02:52 min

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Wofür wird der Regenwald abgeholzt?

Die Bedrohung des tropischen Regenwaldes hat viele verschiedene Gründe. Einen großen Anteil hat unser Konsum. Denn: Ob Fleisch, Palmöl, Papier, Soja oder Kakao – überall steckt ein kleines Stückchen Regenwald drin.

Die häufigsten Ursachen für Abholzung sind:


  • Brandrodung, um Äcker für Rinderweiden und Landwirtschaft zu schaffen.
  • Umwandlung von Wäldern in Ölpalm-, Soja-, Bananen- oder Kaffeeplantagen.
  • Gewinnung von Bodenschätzen wie Eisenerz, Gold, Öl oder Gas. 
  • Das Ernten von Tropen- und Edelhölzern, zum Beispiel für Möbel.
  • Holzplantagen zur Papierherstellung

Ein indonesischer Arbeiter erntet Palmfrüchte
Besonders in Indonesien werden riesige Regenwaldflächen in Palmölplantagen umgewandelt. Bildrechte: dpa

Die Folgen sind verheerend – für Mensch, Tier, Natur und Klima.

Fünf erschreckende und überraschende Gründe den Regenwald zu schützen:


  • Bäume speichern Kohlenstoff. Laut der Tropenwald-Stiftung "Oro Verde" würde eine Tropenwaldfläche von der Größe eines Fußballfeldes die CO2-Menge speichern, die von 59 Deutschen im Jahr produziert wird.
  • Tropische Regenwälder bedecken aktuell weniger als drei Prozent der Erde. Jedoch leben hier mehr als die Hälfte aller landlebenden Tierarten. Doch …
  • … laut "Global Forest Watch" wird jährlich eine Regenwaldfläche so groß wie Bangladesch abgeholzt. Somit werden täglich etwa 50 Tierarten für immer ausgerottet.

Die kleine Jaguar Dame "Yuna"
Der Jaguar fühlt sich in den Regenwälder in Mittel- und Südamerika heimisch. Leider sind die schönen Tiere vom Aussterben bedroht. Bildrechte: dpa


  • Der Verlust an Regenwald führt zu Dürren: Regenwälder versorgen durch Verdunstung die Atmosphäre mit Wasser. Durch die Abholzung gelangt immer weniger Feuchtigkeit in die Atmosphäre, sodass Niederschläge weltweit abnehmen. 
  • Ohne Regenwald keine lebensrettenden Medikamente? Pflanzen aus dem Regenwald werden in den wichtigsten Arzneimitteln eingesetzt. Schätzungen zufolge enthält mittlerweile jedes vierte Medikament aus der Apotheke Substanzen, die aus Waldpflanzen entwickelt wurden. Laut "International Journal of Oncology" stammen zum Beispiel allein 60 Prozent der Medikamente gegen Krebs aus natürlichen Quellen, die im Regenwald zu finden sind.

Blickt man auf die riesigen Flächen, die täglich abgeholzt werden, kann man sich schnell machtlos fühlen. Doch jeder kann mit einfachen Mitteln helfen, den Regenwald zu schützen.

Sieben Tipps für den Alltag: So kann jeder den Regenwald schützen

1. Mit Bedacht Papier verbrauchen: Einer der Hauptgründe für die Abholzung der Wälder ist die Gewinnung von Holz für die Papier- und Zellstoffproduktion. Laut Naturschutzbund Deutschland verbraucht jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr 200 Kilogramm Papier. Wichtig ist es, im Alltag den Verbrauch stark einzuschränken. Verwenden Sie zum Beispiel keine Papiertüten, kaufen Sie dafür ab und zu in Unverpackt-Läden, bestellen Sie weniger online oder verwenden Sie recyceltes Papier.

2. Reduzieren Sie Ihren Benzinverbrauch, um Erdölvorkommen in Regenwaldgebieten zu schonen.

3. Ökologisch einkaufen: Tatsächlich stammen rund 80 Prozent unserer Nutzpflanzen aus den Tropen – in unserem Einkaufswagen landet also immer eine große Menge Regenwald. Wer Ressourcen schonen möchte, sollte vor allem regional und saisonal kaufen. Bei "Regenwald-Produkten" wie Kakao, Kaffee oder Früchten sollten nur fair gehandelte Bio-Produkte gekauft werden.

4. Weniger Fleisch essen: Für die Mast von Tieren nutzen zahlreiche Betriebe Futtersoja, für dessen Anbau große Regenwaldgebiete gerodet werden.

5. Nein zu Palmöl: Achten Sie darauf, keine Produkte zu kaufen, die Palmöl enthalten. Also beispielsweise Margarine, süße Aufstriche oder bestimmte Kosmetika. Für Palmölplantagen werden riesige Regenwaldflächen gerodet. 

6. Beim Kauf von Möbeln auf das FSC-Siegel achten: So weiß man, dass nachhaltig produziertes Holz verarbeitet wurde. Oder noch besser: Möbel kaufen, die aus heimischen Hölzern gebaut wurden.

7. Vermeiden Sie Einweg-Aluminium – oder recyceln Sie es. Große Teile des Regenwaldes werden auf der Suche nach Aluminium abgeholzt.


Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. Oktober 2022 | 17:15 Uhr

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