AHA+L+C-Regel Lüften gegen Corona - wie macht man's richtig?

Je mehr Menschen sich zeitgleich in einem geschlossenen Raum aufhalten, desto häufiger sollte gelüftet werden. In Zeiten ansteigender Corona-Neuinfektionen ist das besonders wichtig. Denn das Virus wird vor allem über Aerosole übertragen. Was bedeutet "richtiges Lüften" - und wie häufig am Tag ist es notwendig?

Offene Fenster
Um das Übertragungsrisiko von Coronaviren in geschlossenen Räumen zu minimieren, hilft regelmäßiges Lüften. Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Die mittlerweile klassische AHA-Regel, deren Einhaltung eine Weiterverbreitung des Coronavirus minimieren soll, ist um ein "C" und ein "L" erweitert worden. Das "L" steht für LÜFTEN. Denn angesichts des nahenden Winters sollte dem ein besonderes Augenmerk gelten. Warum?

Übertragung des Coronavirus über Aerosole

Aerosole sind der Hauptübertragungsweg des neuartigen Coronavirus, so der aktuelle Stand der Forschung. Also feinste Partikel in der Luft, die beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen ausgestoßen werden und an denen Viren anhaften können. Sie können sowohl über die Atemluft in die Atemwege anderer Personen gelangen als auch über den Kontakt mit Oberflächen übertragen werden.

Vor allem in geschlossenen Innenräumen können Aerosole über einen längeren Zeitraum in der Luft bleiben. Halten sich mehrere Menschen länger in einem schlecht oder gar nicht belüfteten Innenraum auf, verteilen sich die Aerosole im gesamten Raum. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Coronavirus ganz erheblich.

Corona Virus Aerosole
Die Coronaviren können an Aerosolen anhaften und so übertragen werden. Bildrechte: imago images / Alexander Limbach

Lüften kann Übertragungsrisiko deutlich reduzieren

Häufiges und richtiges Lüften kann helfen, ein Übertragungsrisiko durch an Aerosolen anhaftenden Krankheitserregern deutlich zu reduzieren und ist ein wichtiger Bestandteil des Infektionsschutzes. Übrigens: Lüftungsanlagen können nur dann Abhilfe schaffen, wenn sie über einen virenabscheidenden Filter verfügen. Sinnvoll kann es dagegen sein - ergänzend zum Lüften - sogenannte Luftreiniger einzusetzen.

Was bedeutet "richtiges" Lüften?

Querlüftung
Soll verbrauchte Raumluft möglichst schnell gegen Frischluft ausgetauscht werden, empfiehlt sich eine sogenannte Querlüftung. Die erfolgt über einen Durchzug über möglichst gegenüberliegende, weit geöffnete Fenster. Allerdings sollte man darauf achten, dass es dabei nicht zu einer Verbreitung infektiöser Aerosole in andere Räume kommt.

Stoßlüftung
Ist eine Querlüftung aufgrund der Raumbeschaffenheit nicht möglich, ist eine Stoßlüftung die beste Alternative. Dafür sollten möglichst alle Fenster eines Raums für zehn bis 15 Minuten weit geöffnet werden. Das bloße Ankippen eines oder mehrerer Fenster ist kaum wirksam - vor allem wenn sich mehrere Personen in einem Raum aufhalten.

Fenster wird angekippt.
Ein Fenster nur anzukippen ist kaum wirksam. Bildrechte: imago images / Shotshop

Wie häufig sollte gelüftet werden?

Klassenzimmer mit einer Größe von ca. 60-75 m3 und einer Schüleranzahl von üblicherweise 20 bis 30 Kindern sollten in jeder Unterrichtspause (d.h. alle 45 Minuten!) bei weit geöffneten Fenstern intensiv gelüftet werden. Dauern die Unterrichtseinheiten länger, müssen die Fenster eben während des Unterrichts aufgemacht werden. Gleiches gilt für Großraumbüros oder die Wartezimmer beim Arzt.

Balance zwischen Rücksichtnahme und Infektionsschutz

Einfacher wird das Miteinander nicht werden, wenn man die neuen Lüft-Regeln konsequent umsetzt. Denn möchte man alles richtig machen, sollte umgehend eine Stoßlüftung erfolgen, wenn jemand gehustet oder geniest hat.

Noch luftiger wird es in Fitnessstudios zugehen müssen. Die Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) empfiehlt, die Luft in Räumen, in den Sport getrieben wird, fünfmal (!) pro Stunde auszutauschen. Das klingt schon fast nach Dauerlüften.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Oktober 2020 | 17:15 Uhr

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