Gewitter
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Ratgeber Richtiges Verhalten: Das ist dran an den Mythen rund ums Gewitter

BRISANT | 23.08.2019 | 17:15 Uhr

Sollte man sich flach auf den Boden legen wie noch vor Jahren häufig geraten? Schlägt der Blitz wirklich an einer Stelle nur einmal ein? Und ziehen Handys tatsächlich Blitze an? Wir klären gemeinsam mit Professor Hans-Dieter Betz, Experimentalphysiker und Mitbegründer des Wetterdienstes Nowcast in München, was an den Mythen rund ums Gewitter dran ist!

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Mythos 1: Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen

"Blitze machen keinen Unterschied zwischen Eichen und Buchen", sagt Professor Hans-Dieter Betz. Man sollte daher beide meiden und bei Gewitter generell zehn Meter Abstand zu allen Bäumen halten. "Auf den Boden ducken und die Beine nicht spreizen, sonst kann die sogenannten Schrittspannung gefährlich werden", so Hans-Dieter Betz. Auf keinen Fall sollte man sich flach auf den Boden legen, wie noch vor Jahren häufig geraten wurde. Dann berührt man an zwei weiter voneinander entfernten Punkten den Boden und kann im Ernstfall verletzt oder gar getötet werden. "Kühe sterben häufiger als Schafe bei Gewitter, wenn neben ihnen der Blitz einschlägt", weiß der Blitzforscher.

Mythos 2: Ein Blitz schlägt niemals an der gleichen Stelle ein

Auf diese vermeintliche Weisheit sollte man sich aus Sicht unseres Experten besser nicht verlassen. "Es gibt Stellen, an den der Blitz schon zwei-, dreimal oder häufiger eingeschlagen ist". Das können z.B. Flächen sein, die höher über der Erde aufragen. Ein Muss ist das aber nicht.

Mythos 3: Wenn es noch nicht regnet, ist man vor Blitzen sicher

"Es kann durchaus sein, dass ein Blitz aus heiterem Himmel einschlägt", warnt unser Experte. Es gebe Wolkenformationen, bei denen Blitze auch am Rand auftreten. Weil Gewitter zudem in großen Höhen entstehen und Blitze schräg verlaufen können, kann man folglich auch noch Kilometer vor der Regenfront getroffen werden.

Mythos 4: Die Zeit zwischen Blitz und Donner gibt Aufschluss über die Entfernung des Gewitters

Diese Regel lernen schon Kinder: Nach dem Aufblitzen bis zum Rumpeln zählen und dann das Ganze durch drei teilen - so viele Kilometer ist das Gewitter noch entfernt. "Den Blitz sieht man wegen der Lichtgeschwindigkeit fast ohne Verzögerung, der Schall ist mit 300 Meter pro Sekunde deutlich langsamer", sagt der Blitzforscher. Kritisch werde es, wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 15 Sekunden liegen. Allerdings sollte man sich auf die Faustregel nicht allzu sehr verlassen. "Es kann sein, dass man Blitze nicht sieht oder Donner bei rauschendem Regen nicht mitbekommt", so der Experte. Er rät, besser eine der Gewitter-Warn-Apps fürs Smartphone zu nutzen, die dank Wetterdaten deutlich präziser arbeiten.

Mythos 5: Wenn es blitzt, sollte man nicht telefonieren

"In städtischen Gebieten muss man sich keine Sorgen machen", gibt Hans-Dieter Betz  teilweise Entwarnung. Dort seien die Leitungen fast immer unterirdisch verlegt und zudem stark verzweigt. Die Überspannung nach einem Blitzeinschlag wird schnell aufgeteilt.

In ländlichen Gegenden sieht das anders aus. Dort verlaufen die Telefonleitungen häufig über der Erde und sind zudem meist nur wenig verzweigt. "Schlägt der Blitz in die Leitung ein, kann die Überspannung durchaus bis ins Haus gelangen", so der Blitzforscher. Das könne gefährlich für alle sein, die zu diesem Zeitpunkt ein Schnurtelefon nutzen. Wer eins der inzwischen weit verbreiteten schnurlosen Festnetztelefone hat, muss sich dagegen keine Sorgen machen.

Mythos 6: Im Auto ist man sicher, im Cabrio dagegen nicht

Autos bieten einen sicheren Schutz vor Blitzen, denn die Metallkarosserie bildet einen Faradayschen Käfig und leitet Blitze weiter. Das Innere bleibt also frei von elektrischen Spannungen. Bei Gewitter sollte man nur die Fenster schließen und keine Metallteile anfassen. "Im Cabrio hat man diesen Schutz allerdings nicht", sagt Hans-Dieter Betz. Der Faradaysche Käfig sei nicht komplett. Laborversuche haben allerdings gezeigt, dass man auch in einem Auto mit klappbarem Dach einen Blitzeinschlag wahrscheinlich überlebt.

Mythos 7: Duschen oder Abwaschen bei Gewitter ist gefährlich

"Das stimmt wirklich", sagt unser Experte. Wenn ein Blitz in der Nähe eines Hauses in die Erde einschlage, könne die Überspannung durch die metallenen Wasserleitungen übertragen werden. Denn die sind in der Regel geerdet. "Gefahr besteht aber nur, wenn man in dem Moment auch die Hand am Wasserhahn hat", so der Forscher. Duschen ist weniger gefährlich. Wasser leitet zwar auch Strom, der Widerstand ist aber deutlich höher als bei Metall. 

Mythos 8: Handys, MP3-Player und Schmuck ziehen Blitze an

"Da ist nichts dran", weiß unser Experte. Weder elektronische Geräte noch Metall am Körper würden die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags messbar erhöhen. "Allerdings weiß man inzwischen, dass Metallgegenstände am Körper starke Verbrennungen hervorrufen können", so Physiker Betz. Die Energie könnte sich an Armreifen oder auch Piercings konzentrieren.

Mythos 9: Bei Gewitter wird Milch sauer

"Das kenne ich noch selbst von früher", sagt Hans-Dieter Betz. Durch die Spherix-Strahlung bei Gewitter oder einer Gewitterlage vermehrten sich die Milchsäurebakterien besonders schnell. Zudem folgten Blitz und Donner meist auf Phasen mit sehr hohen Temperaturen. Auch die begünstigen das Bakterienwachstum, die Milch kippt schneller. "Anders als früher ist Milch aber heute eher ein Chemiebaukasten, da hat man den Gewittereffekt kaum noch", weiß der Physiker.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. August 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 14:16 Uhr

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