Achtung, Lebensgefahr Schütteltrauma verhindern: Wo finden Eltern Hilfe?

Wenn Babys sich einfach nicht beruhigen lassen und lange Zeit schreien, zehrt das an den Nerven der Eltern. Das kann zu Erschöpfung und sogar Wut führen. Auf gar keinen Fall sollten Eltern ihr Baby schütteln, denn ein Schütteltrauma ist lebensgefährlich.

Vater mit schreiendem Baby
Wenn Babys sich einfach nicht beruhigen lassen, ist das für die Eltern oft sehr kräftezehrend. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Schütteltrauma - was ist das?

Als Schütteltrauma bezeichnet man eine durch Schütteln verursachte Hirnverletzung bei Kleinkindern und Säuglingen. Sie entsteht, wenn die Kinder geschüttelt werden. Weil sie ihren im Vergleich zum Körper sehr großen Kopf noch nicht selber halten können, schleudert der unkontrolliert hin und her. Das Gehirn wird dabei im Schädel hin- und hergeworfen, was dazu führt, das Blutgefäße und Nervenbahnen reißen.

Ein Schütteltrauma kann zu lebenslangen Behinderungen und sogar zum Tod führen.

Schreiendes Baby
Die häufigste Ursache für ein Schütteltrauma ist anhaltendes Schreien - und die Überlastung der Eltern. Bildrechte: IMAGO / Cavan Images

Was sind die Symptome?

Das gefährliche an einem Schütteltrauma ist, dass es oft keine äußerlichen Anzeichen gibt oder es nur schwer zu erkennen ist. Nach sehr heftigem Schütteln können Kinder aber Blässe und Reizbarkeit zeigen, aber auch Apathie und Erbrechen bis hin zu Krampfanfällen und Atemstillstand.

Um eine Diagnose zu stellen, machen Ärzte zum Beispiel eine Augenhintergrundspiegelung oder ein MRT oder CCT. So können sie Blutungen in der Netzhaut und unter der Hirnhaut feststellen. Diese Befunde gelten als wichtige Symptome für ein Schütteltrauma-Syndrom.

Hand zeigt auf MRT-Aufnahmen eines Gehirns
Um ein Schütteltrauma zu diagnostizieren, suchen Ärzte unter anderem nach Blutungen im Gerhin. Bildrechte: Colourbox.de

Wie häufig schütteln Eltern ihre Kinder?

Jährlich erleiden schätzungsweise 100 bis 200 Säuglinge und Kleinkinder ein Schütteltrauma. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

10 bis 30 Prozent der geschüttelten Kinder, die in eine Klinik gebracht werden, sterben. Das sind bei 200 Fällen im Jahr zwischen 20 und 60 Babys. Von den überlebenden Babys erleiden rund zwei Drittel chronische oder verzögerte Schäden. Dazu gehören:

  • Seh- und Sprachstörungen
  • Lern- und Entwicklungsverzögerungen
  • Krampfanfälle
  • schwerste bleibende körperliche und geistige Behinderungen


Nur schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Säuglinge überleben ein diagnostiziertes Schütteltrauma ohne bleibende Schäden. Deutsche und internationale Studien zeigen, dass die Verursacher von Schütteltrauma häufiger männlich als weiblich sind.

Dass Schütteln für Babys und Kleinkinder lebensgefährlich ist, wird oft unterschätzt. In einer repräsentativen Umfrage des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen glaubten 2017 24 Prozent der Befragten irrtümlicherweise, dass Schütteln für ein Baby nicht schön sei, ihm aber nicht schade. Informieren Sie deshalb auch andere Eltern, Großeltern und Babysitter über diese Gefahr.

Wo bekommen Eltern Hilfe?

Die häufigste Ursache für ein Schütteltrauma ist Überlastung nach stundenlangem Schreien des Babys. Zwischen der 2. und 6. Lebenswoche schreien Babys im Durchschnitt am längsten: mehr als zwei Stunden am Tag. Danach schreien die Kinder deutlich weniger, nach der 12. Woche sogar weniger als eine Stunde am Tag.

Langanhaltendes Schreien kann für die Eltern belastend sein. Vor allem, weil die Anfälle gerade in den ersten Monaten für die Eltern oft unvorhersehbar und nicht nachvollziehbar sind. In 10 Prozent der Fälle ist das Baby untröstlich, es bleibt unmöglich, das Kind zu beruhigen. Das kann die Eltern hilflos, frustriert und sogar wütend machen.

Eine ältere Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm
Die Großeltern können bei der Betreuung unterstützen, wenn Eltern eine Pause brauchen. Bildrechte: imago/Westend61

Hilfe aus dem eigenen Umfeld

Dann ist es umso wichtiger, ruhig zu bleiben und sich Hilfe zu holen. Helfen können Familie, Freunde oder Nachbarn, die die Aufsicht über den Säugling übernehmen und die Eltern so entlasten. Kann niemand die Aufsicht über das Kind übernehmen, sollten Eltern es an einem sicheren Ort ablegen, die Tür schließen und tief durchatmen. Auch Ohrstöpsel sind eine gute Möglichkeit, um erst mal runterzukommen und Ruhe zu bekommen. Sehen Sie dennoch alle paar Minuten nach dem Kind.

Baby liegt in in Kinderbett
Wenn Eltern kurz eine Auszeit von ihrem schreienden Baby brauchen, sollten sie es an einem sicheren Ort ablegen - wie dem Gitterbett. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Stichwort: Schreibaby Man spricht dann von "exzessivem Schreien", wenn ein Kind über drei Wochen an mindestens drei Tagen einer Woche mindestens drei Stunden lang schreit. Das nennt man "Dreierregel von Wessel". Aber auch wenn Säuglinge weniger schreien, kann das für die Eltern massiv belastend sein.

Professionelle Hilfe

Hilfe gibt es außerdem in sogenannten "Schreiambulanzen", die sich darauf spezialisiert haben, Eltern mit Schreibabys zu helfen. Sie bieten unter anderem telefonische Nothilfe, aber auch Kurse zum Umgang mit dem Baby und die Behandlung von frühkindlichen Regulationsstörungen. Schreiambulanzen in ihrer Nähe können Eltern etwa auf der Webseite elternsein.info des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) finden.

Weitere Anlaufstellen sind Kinderärzte oder Familien- und Erziehungsberatungsstellen.

Quellen: Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, elternsein.info, Statistisches Bundesamt

BRISANT

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