Raupenplage in Gera Liebschwitz
Tote Raupen in einem Wasserfass in der Geraer Salzstraße Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Deutschlands Süden und Osten befallen Schwammspinner-Invasion: Was tun gegen den Raupenbefall?

BRISANT | 18.06.2019 | 17:15 Uhr

Sie sind nicht so gefährlich wie Eichenprozessions-Spinner, aber unersättlich, dabei auch nicht wählerisch und in der Masse ziemlich ekelig: Schwammspinner fallen massenhaft im Süden und Osten Deutschlands ein.

Raupenplage in Gera Liebschwitz
Tote Raupen in einem Wasserfass in der Geraer Salzstraße Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Belagerungszustand! So nennt Silke Lorbeer aus dem thüringischen Gera das, was sich gerade vor ihrem Haus abspielt. Seit etwa drei Wochen sind sie und ihre Zwillingsschwester schon von Schwammspinner-Raupen betroffen. In Millionenstärke rücken die schwarzen, haarigen und bis zu sieben Zentimeter langen Tierchen den Anwohnern auf die Pelle und bevölkern Gärten und Häuser. Die Kommune bot den Anwohnern vergangene Woche Ausweichquartiere an. Diese wurden allerdings nicht in Anspruch genommen, wie eine Sprecherin sagte. Die Feuerwehr verteilte Fliegengitter.

Großes Waldgebiet in Mittelfranken fast kahlgefressen

Auch im Wald vor Gunzenhausen in Mittelfranken haben die Raupen bereits ein großes Waldgelände kahlgefressen - und sich in den vergangenen Tagen auf den Weg in die benachbarte Siedlung gemacht. Viele Anwohner des Burgstallwaldes seien mit den Nerven am Ende. Vor allem die Fassaden der an den Wald angrenzenden Häuser sind übersät mit Schwammspinnern. Sie kämen nachts, sie kämen an den Kopf, und man werde sie nicht mehr los, klagte eine geplagte Hausbesitzerin im Bayerischen Rundfunk.

Raupenplage in Gera Liebschwitz
Der Kontakt mit den Tieren könnte zu Hautirritationen führen, sie sind aber insgesamt ungefährlich. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Was tun?

Chemisches Insektizid könnte die Schwammspinner-Raupen in ihrem jetzigen Entwicklungsstadium noch vernichten. Allerdings würde das auch anderen Lebewesen und der Umwelt schaden, sagt Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt bei der Stadt Gera. "Das würde andere Insekten im Breitband hinwegraffen, weil es nicht spezifisch wirkt."

Im kommenden Jahr könnten die Raupen frühzeitig mit einem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel beseitigt werden. Zudem könnten die Eier der Tiere aufgesammelt werden. Auch haben Schwammspinner eine große Anzahl natürlicher Feinde wie Raupenfliegen und Brackwespen, die dazu beitragen können, eine Massenvermehrung auf natürliche Weise enden zu lassen, wie es bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) heißt.

Die Raupe des Schwammspinners
Bildrechte: dpa

Stichwort: Schwammspinner Der Schwammspinner (Lymantria dispar) ist ein wärmeliebender Nachtfalter. Er neigt besonders nach warm-trockenen Frühsommern zu Massenvermehrungen, die das Wachstum der Bäume stark beeinträchtigen und für den Menschen lästig sein können. Die Schwammspinner-Raupen, aus denen die Falter später schlüpfen, werden bis zu sieben Zentimeter lang.

Ende des Befalls abzusehen

Laut Umwelt-Fachdienstleiter Nickschick ist das einheimische Insekt durch den viel zu warmen Winter nicht so abgestorben wie sonst. Den Angaben nach befinden sich die Tiere im 4. Larvenstadium und werden sich danach verpuppen. Nickschick hofft, dass die Plage in zwei bis drei Wochen vorbei ist.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2019, 18:18 Uhr

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