Ratgeber Badeunfälle: So helfen Sie richtig

BRISANT | 03.06.2019 | 17:15 Uhr

Immer wieder ertrinken Menschen beim Schwimmen. Wadenkrämpfe, Herz-Kreislauf-Versagen, aber auch die oft unterschätzte Kraft des Wassers können hierfür Auslöser sein. Kommt es zum Badeunfall, sind viele Menschen hilflos und wissen nicht, was zu tun ist. Hier einige Tipps, wie man sich verhalten sollte, wenn ein Mensch im Wasser in Not ist.

Ein gekenterter aufblasbarer Flamingo
Bildrechte: imago/photo2000

Regelmäßige Lehrgänge sind empfehlenswert

Gerade in Notsituationen trauen sich Menschen oft nicht zu, Erste Hilfe zu leisten. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist groß. Auch deshalb ist es wichtig, regelmäßig an Lehrgängen teilzunehmen, um im Notfall Ruhe zu bewahren und schnell richtige Entscheidungen treffen zu können. Das ist keine Pflicht, aber sehr sinnvoll, denn es geht nicht nur darum, altes Wissen aufzufrischen, das man vom letzten Erste-Hilfe-Kurs vergessen hat. Teilweise ergeben sich neue Standards bei der Rettung. Erste-Hilfe-Kurse gibt es in jeder Stadt und Gemeinde. Die Kosten liegen bei 30 bis 40 Euro für einen Tag.

Ein schwarzes Telefon und ein Erste Hilfe Koffer.
Bildrechte: Colourbox.de

Pflicht zu helfen

Jeder Mensch ist rechtlich verpflichtet zu helfen, wenn eine andere Person in Gefahr ist. Das steht im sogenannten Hilfeleistungsparagrafen 323 im Strafgesetzbuch. Darin ist festgeschrieben, dass unterlassene Hilfeleistung mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden kann, sofern man sich bei der Hilfeleistung nicht selbst in Gefahr bringen würde. Dabei gilt der Grundsatz, dass ein jeder so viel tun muss, wie zumutbar ist. Der Notruf bei der Polizei, der Feuerwehr oder dem Rettungsdienst ist für alle Pflicht und kann schon die ausreichende lebensrettende Hilfe sein. Auch den Körper einer verletzten Person warm zu halten ist in der Regel zumutbar. Wer allerdings beispielsweise mit einem Baby oder Kleinkind am Strand ist, muss nicht ins Wasser rennen und sein Kind allein zurücklassen. Zudem sollte niemand sich und seine Fähigkeiten überschätzen. Die eigene Sicherheit steht bei jedem Rettungseinsatz grundsätzlich im Vordergrund: Ohne einen gesunden Retter gibt es auch kein gesundes Opfer. Wenn der Helfer sich in Gefahr bringt, ist niemandem geholfen.

Ein Krankenwagen fährt mit Blaulicht über eine Brücke.
Bildrechte: imago/Agentur 54 Grad

Regeln für die Rettung aus dem Wasser

Wer einen Menschen entdeckt, der im Wasser in Not geraten ist, sollte laut um Hilfe rufen. Der Notruf ist bei allen Erste-Hilfe-Situationen die erste und wichtigste Handlung, damit so schnell wie möglich professionelle Rettungskräfte eingreifen können. All diejenigen, die sich nicht in der Lage fühlen, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen, sollten am Ufer verbleiben und sich genau merken, wo sich die hilfesuchende Person befindet, um diese oder weitere Informationen an die Rettungskräfte weiterzugeben.

Für alle, die sich auch die Rettung im Wasser zutrauen, gilt laut Experten:

  • Der Retter sollte zunächst einen kühlen Kopf bewahren und sich einen Überblick verschaffen. Dabei kommt es unter anderem drauf an, ob man beispielsweise die Strömung im Wasser beherrschen kann.
  • Bei der Rettung sollte man immer einen Gegenstand mitnehmen. Das kann auch einfach ein Ast sein. Dem Opfer sollte man niemals die Hand geben. Der Grund: Ein Ertrinkender bekommt in der Regel panische Angst, schlägt unkontrolliert um sich und wird versuchen, sich an jedem Gegenstand festzuhalten, den er greifen kann. Der Retter wird so schnell zum Verlierer, denn er könnte durch eine panische Umklammerung unter Wasser gezogen werden. Darum sollte man dem Opfer immer einen anderen Gegenstand reichen.
  • Gibt es keine Chance, den Ertrinkenden auf diese Weise zu retten, sollte sich der Retter dem Ertrinkenden mit einem möglichst großen, schwimmenden Gegenstand, zum Beispiel einem Surfbrett, nähern. Bei starkem Wellengang, Strömung oder Wind ist die Gefahr für den Helfer besonders hoch.
  • Trivial, aber lebenswichtig: Beim Herausziehen darauf achten, dass der Kopf über Wasser bleibt.

Nächste Handgriffe an Land

Ist der Ertrinkende erst einmal an Land gebracht, gelten die Erste-Hilfe-Regeln. Der Patient darf auf keinen Fall allein gelassen werden. Um eine Unterkühlung zu vermeiden, muss er sofort zugedeckt werden. Pralle Sonne sollte vermieden werden. Als erstes sollte die Atmung überprüft werden. Ist keine spürbar, geht man davon aus, dass auch kein Herzschlag vorhanden ist. Dann ist jede Sekunde wichtig und es muss sofort mit der Reanimation begonnen werden. Bei einer Herzdruckmassage muss dem Patienten 30 Mal hintereinander mittig auf den Brustkorb gedrückt werden, so wird der Herzmuskel aktiviert. Darauf folgen zwei Beatmungen. Wiederbelebungsmaßnahmen sollten so oft wiederholt werden, bis Hilfe eintrifft. Ist Wasser in der Lunge, beispielsweise wenn jemand lange unter Wasser war, sollte mit der Beatmung begonnen werden, bevor die Herzdruckmassage durchgeführt wird.

Herzdruckmassage an einer Erste Hilfe Übungspuppe
Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2019, 15:55 Uhr

Mehr Ratgeber

Kamera
... werden 7 Stunden neues Videomaterial auf YouTube hochgeladen. Das entspricht 420 Stunden in einer Minute. Auf YouTube wird pro Tag mehr Videomaterial als auf Netflix und Facebook zusammen angeschaut. Deutsche schauen durchschnittlich 11 Minuten pro Tag. Bildrechte: Colourbox.de