Ratgeber So wählen Sie das richtige Pflegeheim

Einen Angehörigen in eine Pflegeeinrichtung zu geben, ist kein leichter Schritt. Deshalb ist die Wahl der passenden Einrichtung äußerst wichtig. Wie erkennt man, dass in einem Altenheim etwas im Argen liegt? Wie spricht man Probleme an und wie kann man etwas ändern? Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.

Eine junge Frau hält die Hände einer alten Frau, die in einem Rollstuhl in einem Seniorenheim sitzt.
Was tun, wenn man fürchtet, dass bei der Pflege eines Angehörigen etwas im Argen liegt? Bildrechte: dpa

Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen, ein geeignetes Pflegeheim für einen Angehörigen zu finden. Zunächst sollten Sie sich Fragen stellen, die für Ihre Entscheidung relevant sind. Folgende Fragen könnten eine Anregung dafür sein:

  • Wie weit ist das Pflegeheim von der jetzigen Wohnung entfernt?
  • Wie ist die Umgebung des Pflegeheims?
  • Können eigene Möbel mitgebracht werden?
  • Können Bewohner ihren Tagesablauf mitgestalten?
  • Wie ist die Anbindung an den ÖPNV?
  • Welche Service-Angebote gibt es?
  • Gibt es Einzelzimmer oder nur Mehrbettzimmer?
  • Wie hoch ist der Eigenanteil bei den monatlichen Kosten?

Zwei pflegebedürftige Frauen sitzen in einem Pflegeheim in ihren Rollstühlen nebeneinander.
Vor der Wahl des Pflegeheim kann es wichtig sein, sich Fragen zur neuen Lebenssituation aufzuschreiben. Bildrechte: dpa

Daran erkennen Sie, dass im Pflegeheim etwas im Argen liegt

Auch wenn diese Fragen zunächst zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet werden konnten, kann es natürlich trotzdem zu Problemen in der Einrichtung kommen. Sind Sie beispielsweise mit der Pflege Ihrer Angehörigen unzufrieden, hören Sie ständig Klagen über die hygienischen Zustände oder das in der Einrichtung angebotene Essen? Oder noch Schlimmeres? Mängel in Pflegeeinrichtungen kommen leider immer wieder vor und Pflegeplätze sind Mangelware. Untätig müssen Sie dennoch nicht bleiben.

Aber bedenken Sie: Schief gehen kann immer mal etwas. Ein grundsätzliches Problem bedeutet das für die Pflegeeinrichtung noch lange nicht. Ein positives Indiz für eine gut geführte Einrichtung ist, wenn Personal oder Heimleitung direkt im Anschluss an einen Vorfall das Gespräch mit Ihnen oder anderen Angehörigen suchen. Häufen sich die Fehler allerdings, dann sollten Sie aktiv werden. Insbesondere wenn es sich um Probleme in folgenden Bereichen handelt:

  • mangelhafte Körperpflege
  • regelmäßige Stürze
  • ungewechselte Windeln
  • Fixierungen, zum Beispiel am Bett oder im Rollstuhl
  • schlechtes Essen
  • persönliche Dinge "verschwinden"
  • Eingriffe in die Privatsphäre
  • unangenehmer Geruch
  • ungeputzte bzw. ungepflegte Räume

Eine Pflegekraft kümmert sich in einem Pflegeheim um eine ältere Dame und kontrolliert den Blutdruck
Fehler können auch in der Pflege durchaus mal passieren. Häufen sie sich, sollte man aktiv werden. Bildrechte: dpa

Wichtig: Mängel dokumentieren

Wenn Sie sich sicher sind, dass ein Heim seine Leistung schlecht oder gar nicht erfüllt, sollten Sie unbedingt die Mängel dokumentieren. Machen Sie sich Notizen - und holen Sie Zeugen dazu, um ihre Beobachtungen zu belegen. Vielleicht haben die Angehörigen anderer Bewohner Ähnliches bemerkt? Auch Fotos oder Videoaufnahmen können eine gute Möglichkeit sein, um Mangelzustände zu dokumentieren. Außerdem haben der Bewohner, seine Bevollmächtigten oder gesetzlichen Betreuer das Recht auf Einsicht in die Pflegedokumentation.

So gehen Sie bei Konflikten im Pflegeheim vor

Wenden Sie sich mit Ihrer Beschwerde zunächst ans zuständige Personal. Sollte es sich um ganz gravierende Mängel handeln, können sie dabei auch den Heimbeirat einschalten. Wenn das keine Besserung bringt, sollten Sie zeitnah das Gespräch mit der Heimleitung suchen. Vereinbaren Sie dafür einen Gesprächstermin und führen Sie das Gespräch nicht direkt nach einem Vorfall. Bringen Sie Ihr Anliegen vor - und stellen Sie konkrete Forderungen. Verabreden Sie gleich einen weiteren Besprechungstermin und schauen Sie, ob bis dahin eine Verbesserung eingetreten ist.

Führt auch das zu keiner Veränderung, besteht die Möglichkeit, die Pflegekasse und die Heimaufsicht einzuschalten und über die Probleme zu informieren. Eine zuständige Heimaufsicht gibt es in jedem Bundesland.

Im weiteren Verlauf können Sie die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V. (BIVA) informieren. Bei Konflikten kann außerdem die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung e.V. helfen.

Führen all diese Maßnahmen zu keiner Einigung, haben Sie die Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten. Suchen Sie sich dafür einen Rechtsanwalt. Auch jetzt sollten Sie Ihr Vorgehen schriftlich (mit Datumsangaben!) dokumentieren.

Altenpflegerin betreut ältere Frau
Bietet das Pflegeheim ausreichend persönliche Betreuung? Bildrechte: IMAGO

Hilfe und Beratung bei Problemen mit dem Pflegeheim

Es gibt eine Reihe von Beratungsmöglichkeiten, die Sie bei Fehl- oder Nichtleistung im Pflegeheim unterstützen. Beratung finden Sie bei

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. September 2020 | 17:15 Uhr

Mehr Ratgeber-Themen