Leben retten Wie kann man Stammzellspender werden?

Alle 16 Minuten wird in Deutschland Blutkrebs diagnostiziert. Für die meisten Betroffenen gibt es nur eine Rettungsmaßnahme: eine Stammzellenspende. Damit die Suche nach einem passenden Spender nicht zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen wird, sollten sich möglichst viele Menschen typisieren lassen. Wie funktionieren Typisierung und Stammzellenspende - und wass sollte man im Vorfeld wissen? Ein Überblick.

Ein junger lächelnder Mann auf Krankenbett bei Stammzellenspende.
Schwerkranken Menschen durch eine Stammzellenspende helfen - dafür kann man sich im Vorfeld typisieren lassen. Bildrechte: Patric Fouad / pfp

Wie hilft die Stammzellenspende?

Bei Blutkrebs vermehren sich entartete weiße Blutzellen unkontrolliert im Körper des Erkrankten und sorgen dafür, dass das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben wie den Transport von Sauerstoff oder das Bekämpfen von Infektionen nicht mehr ausführen kann.

Durch die Transplantation gesunder Stammzellen kann das verhindert werden. Sie nisten sich beim erkrankten Patienten ein und helfen dort neue und gesunde Blutzellen zu bilden. So kann das Leben Betroffener gerettet werden. Noch immer ist die Zahl der freiwilligen Spender im Vergleich zu den Erkrankten ziemlich gering.

Marc-Andre ter Stegen (Mönchengladbach), bei der Typisierung.
Sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen ist denkbar einfach: Fußballer Marc-Andre ter Stegen hat sich bei der Typisierung von Kameras begleiten lassen. Bildrechte: imago/Schwörer Pressefoto

Wie kann man Stammzellenspender werden?

Da immer wieder Stammzellenspender gesucht werden, gibt es viele Möglichkeiten, sich als Spender registrieren zu lassen. In Deutschland gibt es dafür zahlreiche Spender-Organisationen. Etwa den Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden e.V. oder die sehr bekannte gemeinnützige Organisation DKMS (ehemals deutsche Knochenmarkspenderdatei). Sie versuchen über Werbeaktionen möglichst viele Spender zu finden.

Nach einer entsprechenden Aufklärung werden die Gewebemerkmale des Spenders über eine Blutprobe oder einen Abstrich aus der Wangenschleimhaut bestimmt und in der Datei gespeichert. Alle Daten werden von einer zentralen Stelle gesammelt und regelmäßig mit Patientendaten verglichen. Wollen Sie Spender werden, fordern Sie ganz einfach ein Starter-Set über eine Website der Spender-Organisationen an.

Ein Mann hält eine Karte des DKMS - Mund auf gegen Blutkrebs - und Teststäbchen in die Kamera.
Die Typisierungs-Kits kann man sich von Organisationen wie der DKMS nach Hause schicken lassen. Bildrechte: Valéry Kloubert

Welche Risiken birgt eine Stammzellenentnahme?

Kommt ein Spender in Frage, wird er zunächst vollständig medizinisch durchgecheckt. Es folgt ein Aufklärungsgespräch. Erst dann kann gespendet werden. Je nach Art der Stammzellenentnahme können unterschiedliche Risiken auftreten. Bei der peripheren Entnahme (aus dem Blut) können grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten. Nach heutigem Forschungsstand sind bei dieser Methode keine Langzeitnebenwirkungen bekannt.

Da bei der Knochenmarkentnahme unter Vollnarkose gearbeitet wird, bestehen die bekannten Narkoserisiken. Nach der Entnahme kann es an den Einstichstellen Blutergüsse geben. Auch lokaler Wundschmerz, ähnlich einer Prellung, ist möglich. Das Knochenmark wird bereits nach kurzer Zeit nachgebildet. In seltenen Fällen kann es bei beiden Entnahmearten zu allergischen Reaktionen kommen.

Was passiert nach der Spende?

Damit Spender und Patient kein emotionales Verhältnis aufbauen, ist eine Stammzellspende zunächst anonym. Der Grund: Nicht immer ist eine Spende auch erfolgreich. Experten sprechen von einer 60-prozentigen Erfolgschance. Wollen Spender und Patient nach erfolgreicher Spende Kontakt zueinander aufnehmen, ist das nach zwei Jahren möglich. Dann kann man den Menschen kennenlernen, dem man durch die Spende geholfen hat.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 09. September 2021 | 17:15 Uhr

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