In Würde sterben Assistierter Suizid und Sterbehilfe - Was ist in Deutschland erlaubt?

In Würde zu sterben, wenn es denn so weit ist - das wünschen sich viele Menschen. Krankheit, Schmerzen und unerträgliches Leid können diesen Wunsch allerdings zunichte machen. Dennoch ist Sterbehilfe in Deutschland ein umstrittenes Thema. Juristen unterscheiden zwischen assistiertem Suizid sowie aktiver, passiver und indirekter Sterbehilfe. Was bedeutet das - und was ist bei uns erlaubt und was strafbar?

Deutsches Grundgesetzbuch, Kreuz, Tabletten und Spritze, Symbolfoto Sterbehilfe
Welche Formen der Sterbehilfe sind in Deutschland erlaubt? Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Es ist traurig und für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar, wenn sich Menschen in einer vermeintlich ausweglosen Situation dazu entscheiden, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Verboten oder strafbar ist es in Deutschland allerdings nicht, sich selbst das Leben zu nehmen.

Das im Grundgesetz formulierte allgemeine Persönlichkeitsrecht sichert jedem Menschen ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben zu. Das schließt auch die Freiheit ein, sich zu töten. Als Akt autonomer Selbstbestimmung ist das von Staat und Gesellschaft zu respektieren, sagt der Gesetzestext.

Damit diese Freiheit jedoch nicht als Anreiz zum Suizid verstanden und Missbrauch vermieden wird, sind insbesondere dem Sterben mit fremder Hilfe hohe Hürden gesetzt.

Rechtliche Grauzone: assistierter Suizid

Doch nicht jeder Mensch, der den dringenden Wunsch verspürt, aus dem Leben zu scheiden, ist körperlich dazu in der Lage.

Beihilfe zum Suizid heißt, dass einem Menschen, der sterben möchte, bei der Selbsttötung geholfen wird. Als Beihilfe ist beispielsweise die Besorgung oder Bereitstellung eines tödlichen Medikaments zu verstehen. Einnehmen muss der Betroffene es allerdings selbst, ansonsten würde es sich um eine aktive Sterbehilfe handeln.

Ein Becher mit einer Flüssigkeit wird übergeben
Bei einem assistierten Suizid darf dem Sterbewilligen das Medikament zwar bereitgestellt werden, einnehmen muss er es jedoch selbständig. Bildrechte: imago images/sepp spiegl

Bis Ende Februar 2020 war assistierter Suizid in Deutschland für den Helfenden strafbar, obgleich Schwerkranke in "extremen Ausnahmesituationen" das Recht auf Mittel zur Selbsttötung zugestanden wurde.

Nachdem Betroffene, Sterbehilfe-Vereine und Ärzte gegen ein Gesetz geklagt hatten, das die "geschäftsmäßige Sterbehilfe" unter Strafe stellte, wurde es vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt und aufgehoben. Dennoch hat die Politik die Sterbehilfe seitdem nicht neu geregelt. Daher finden assistierte Suizide aktuell noch immer in einer rechtlichen Grauzone statt.

In Deutschland verboten: aktive Sterbehilfe

Im Gegensatz zum assistierten Suizid wird dem sterbewilligen Patienten bei der aktiven Sterbehilfe das tödlich wirkende Mittel direkt verabreicht. Diese Form der Sterbehilfe ("Tod auf Verlangen") ist in Deutschland verboten. In den Niederlanden, Luxemburg, Spanien und Belgien ist sie legal.

In Deutschland erlaubt: passive und indirekte Sterbehilfe

Als passive Sterbehilfe wird der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen bezeichnet. Dazu zählt zum Beispiel der Verzicht auf künstliche Ernährung, Bluttransfusion oder Beatmung. Dieser Wunsch kann vom betroffenen Patienten vorab per Patientenverfügung oder auch direkt im Gespräch mit den behandelnden Ärzten geäußert werden.

Bei der indirekten Sterbehilfe geht es in erster Linie um Schmerzlinderung. Wenn ein Patient schmerzlindernde Medikamente erhält, die zur Folge haben, dass er früher stirbt, ist das in Deutschland erlaubt. Allerdings muss der Patient dafür seine Einwilligung geben.

Symbolfoto zum Thema Patientenverfügung
Wer im Ernstfall auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichten möchte, sollte das vorab in einer Patientenverfügung regeln. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Hilfsangebote zur Suizidprävention

Sie tragen sich mit Selbsttötungsgedanken oder durchleben gerade eine persönlichen Krise? Die Telefonseelsorge hilft Ihnen rund um die Uhr: 0800 1110111 und 0800 1110222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf.

Auf der Webseite www.telefonseelsorge.de finden Sie weitere Hilfsangebote, zum Beispiel per E-Mail oder im Chat.

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Engelsfigur
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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. April 2022 | 17:15 Uhr

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