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In Deutschland sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle. Doch es gibt Hilfe für Betroffene. Bildrechte: IMAGO/Westend61

Wege aus dem TunnelSuizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Stand: 26. September 2022, 13:28 Uhr

Jährlich unternehmen mehr als 100.000 Menschen in Deutschland einen Suizidversuch – rund 10.000 von ihnen sterben tatsächlich dabei. Seit Beginn der Coronapandemie nahm der Anteil derer, die über Suizid nachdenken, deutlich zu. Aber Prävention ist möglich, es gibt Auswege aus dem Tunnel.

In Deutschland verlieren jedes Jahr fast 10.000 Menschen durch Suizid ihr Leben. Das sind mehr Menschen, als im Verkehr, durch Drogen und durch AIDS zusammen zu Tode kommen. Die Zahl der Suizidversuche ist Experten zufolge sogar bis zu 20 mal so hoch. Doch wie kommt es dazu, dass Menschen derart verzweifeln?  Dass sie die Lust auf das Leben verlieren? Keinen Ausweg mehr sehen? Alle Hoffnung verloren haben?

Depressionen als Tabu

Die Mehrheit der Menschen, die durch Suizid versterben, hat an einer psychiatrischen Erkrankung gelitten, am häufigsten an einer Depression. Diese Krankheit ist viel weiter verbreitet, als in der Gesellschaft angenommen. Doch viele Menschen schämen sich für ihre Emotionen, fühlen sich schwach, unvollkommen, Herausforderungen nicht gewachsen.

Die Themen Suizid und Depressionen gehören auch im 21. Jahrhundert noch zu den Tabus. Sie passen nicht in das Weltbild einer schönen optimierten Welt. Dabei sind viele Tausend Menschen betroffen und die Psychologen ausgebucht.

Zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen - das ist keine Schande! Bildrechte: IMAGO / Wavebreak Media Ltd

Was Angehörige und Freunde tun können

  • Ziehen Sie einen Arzt zu Rate
  • Bleiben Sie geduldig
  • Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen
  • Treffen Sie keine wichtigen Entscheidungen

Warum werden Menschen krank?

Doch warum werden Menschen psychisch krank und bekommen Depressionen? Oft sind die "Schicksalsschläge" wie Verlust, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Konflikte oder Trennungen ausschlaggebend.

Eine große Rolle spielen aber auch Vorbelastung und Herkunft. Es gibt sogar Regionen, in denen die Zahl der Depressionen und Suizide historisch viel höher ist als woanders. Dazu gehört beispielsweise Ungarn. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes liegen auch innerhalb der deutschen Bundesländer deutliche Unterschiede bezüglich der Suizidraten vor: Betrachtet man die Sterberate je 100 000 Einwohner, gab es in Nordrhein-Westfalen mit 7,6 Suiziden pro 100 000 Einwohner die wenigsten Selbsttötungen im Jahr 2020. Am höchsten fiel die Quote mit 15,9 in Sachsen-Anhalt aus.

Jugendliche und alte Menschen besonders gefährdet

Besonders gefährdet von einem möglichen Suizid sind Jugendliche und alte Menschen. Sie sind in Lebensphasen, die sie vor schwere Herausforderungen stellen. Insbesondere ältere Männer und junge Frauen haben ein erhöhtes Risiko. Auch wenn die Suizidzahlen seit den 1990er-Jahren insgesamt abgenommen haben, fordern Ärzte weiter "eine dringend notwendige" Suizidprävention. Es handle sich bei der Entscheidung für Suizid nicht um eine freie Entscheidung, sondern um die Folge einer Krankheit, den Ausweg aus einer Qual.

Stichwort: Welt-Suizid-PräventionstagSeit 2003 macht die WHO am 10. September darauf aufmerksam, dass Suizid zu den häufigsten Todesarten zählt: Mehr als 700.000 Menschen weltweit nehmen sich jährlich das Leben. Das heißt: Alle 40 Sekunden stirbt auf der Welt ein Mensch durch Selbstmord. In Deutschland waren es 2020 mehr als 25 pro Tag.

Wichtige Adressen

  • Telefonseelsorge: Tel. 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222 (kostenfrei), online mit Chat- und Mailberatung

  • Bundesweite Beratungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche (überwiegend Deutscher Kinderschutzbund): Tel. 0800 - 111 03 33

BRISANT/red/Deutsche Depressionshilfe/br.de/Ruhr Universität Bochum/Statistisches Bundesamt

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