Ein Verkehrsschild mit der Tempobegrenzung auf 130 km/h wird mit einem Kreuz abgehangen.
Ein Tempolimit wird in Deutschland heiß diskutiert - im restlichen Europa ist es bereits gesetzt. Bildrechte: imago images / photothek

Ratgeber Zankapfel Tempolimit - was gilt im restlichen Europa?

Die einen fahren uns zu schnell, die anderen zu langsam. Fast überall in Europa gelten auf den Autobahnen deutlich strengere Geschwindigkeitsbegrenzungen als in Deutschland. Hier sind noch 70 Prozent der Autobahnen zum unbegrenzten Rasen freigegeben. Das motiviert auch unsere europäischen Nachbarn, die PS ihrer Fahrzeuge zu testen. Welche Tempolimits gelten im restlichen Europa - und welche Strafen drohen, wenn man sich nicht daran hält?

Ein Verkehrsschild mit der Tempobegrenzung auf 130 km/h wird mit einem Kreuz abgehangen.
Ein Tempolimit wird in Deutschland heiß diskutiert - im restlichen Europa ist es bereits gesetzt. Bildrechte: imago images / photothek

Auf deutschen Autobahnen gibt es kein generelles Tempolimit. Eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h wird Auto- und Motorradfahrern zwar nahegelegt, verpflichtend ist sie aber nicht. Lediglich für Lkw und Pkw mit Anhänger gelten eigene Geschwindigkeitsbegrenzungen. In der Realität darf man allerdings auf nur wenigen Autobahnabschnitten dauerhaft so schnell fahren, wie man will. Auf viel befahrenen Strecken regeln digitalisierte Schilderbrücken das Tempo - und zwar abhängig von Verkehrslage, Wetter oder Unfällen im weiteren Streckenverlauf.

Tempolimit: Unfälle, Verkehrsfluss, Klimaschutz

Laut ADAC würde ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen nicht zu weniger Unfällen führen. Denn ausgerechnet die Autobahnen zählen in Deutschland zu den sichersten Straßen. Auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, in denen eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt, schneidet Deutschland in Sachen Verkehrssicherheit nicht schlechter ab.

220 km/h zeigt ein Tacho eines PKW
Verkehrssicherheit, Verkehrsfluss, Klimaschutz - welche Vorteile würde ein generelles Tempolimit haben? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch auf den Verkehrsfluss hat ein generelles Templimit nur bedingt Einfluss, so der ADAC. Hier könne über Streckenbeeinflussungsanlagen ausreichend reguliert werden.

Deutlich punkten würde eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung in Sachen Klimaschutz. Ein Tempolimit von 130 km/h ergäbe ein CO2-Einsparpotenzial von bis zu zwei Millionen Tonnen pro Jahr, so die Berechnungen des Umweltbundesamtes. Das sind knapp zwei Prozent der gesamten CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs.

Brauchen wir ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen?

Die Diskussion um die Einführung eines Tempolimits erhitzt die Gemüter. Doch welche Argumente sprechen dafür und dagegen, wenn es um Umweltschutz und Sicherheit geht? Die Grafiken aus der Sendung.

Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Laut der Deutschen Umwelthilfe ließe sich mit einem Tempolimit 120 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen bis zu fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Laut der Deutschen Umwelthilfe ließe sich mit einem Tempolimit 120 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen bis zu fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr dem Jahresausstoß CO2 des Braunkohlekraftwerkes Schkopau bei Halle - und das ist ein kleines Kohlekraftwerk. Das größte Kohlekraftwerk in Deutschland stößt allein über 30 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Bislang darf auf rund 70 Prozent der deutschen Autobahnkilometer jeder so schnell fahren, wie er möchte. Welche Auswirkungen die Einführung eines allgemeinen Tempolimits hätte, dazu gibt es bislang kaum Studien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Ein Beispiel gibt es aber aus Brandenburg. Dort war ein 62 Kilometer langer Abschnitt der A24 zwischen Wittstock/Dosse und Havelland bis Dezember 2002 noch ohne Tempolimit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Danach wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h eingeführt - und die Auswirkungen wurden analysiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Ergebnis: Die Zahl der Unfälle halbierte sich von 654 Unfällen auf 337 Unfälle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zur Sendung Fakt Ist zum Thema Tempolimit
Und auch die Zahl der Verletzten sank nach der Einführung des Tempolimits um mehr als die Hälfte (von 838 auf 362). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Diese Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten im europäischen Ausland

So schnell dürfen Pkw in Europa fahren
Diese Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten in Europa: außerorts, auf Schnellstraßen und Autobahnen Bildrechte: ADAC e.V./MDR.DE

Schneller als 130 km/h darf - außer in Deutschland - auf kaum einer europäischen Autobahn gefahren werden. In Schweden ist das Tempolimit nicht einheitlich geregelt. Daher ist hier der ständige Blick auf die ausgeschilderten Geschwindigkeitsbegrenzungen wichtig. In Polen sind bis zu 140 km/h auf den Autobahnen erlaubt.

Tempolimits für Fahranfänger

Besonders für junge Fahrer gelten in vielen europäischen Ländern Sonderregelungen, die auch von ausländischen Fahranfängern zu beachten sind: In Frankreich dürfen Fahranfänger in den ersten drei Jahren nach Führerscheinerwerb auf Schnellstraßen nur 100 km/h statt 110 km/h und auf Autobahnen höchstens 110 km/h statt 130 km/h fahren. In Italien darf ein Fahranfänger auf der Autobahn maximal 100 km/h und auf Landstraßen 90 km/h schnell unterwegs sein. In Kroatien dürfen Fahrer bis zu einem Alter von 24 Jahren auf Autobahnen maximal 120 km/h, auf Schnellstraßen 100 km/h und außerorts 80 km/h fahren.

Diese Bußgelder werden bei Geschwindigkeitsüberschreitung fällig

Wird man bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung erwischt, ist ein Bußgeld fällig. Das ist in Deutschland in den letzten Jahren zwar gestiegen, fällt in den meisten anderen europäischen Ländern aber deutlich empfindlicher aus. Tief in die Tasche greifen müssen Autofahrer in Norwegen. Wer hier 20 km/h zu schnell unterwegs ist, muss mit Bußgeldern ab 375 Euro rechnen. Teuer wird die Überschreitung auch in Italien (ab 170 Euro), in der Schweiz (ab 155 Euro) und in Großbritannien (ab 115 Euro).

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 17:33 Uhr

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