Finanzielle Notlage Schulden? So klappt der Neuanfang!

Die Corona-Pandemie hat nicht nur viele Unternehmen, sondern auch zahlreiche Privatleute in finanzielle Notlagen gestürzt. Die Bundesregierung will, dass sie im Insolvenzfall ihre Schulden schneller loswerden. Aber auch ohne Corona kann die Schuldenspirale drohen. Wie kann man Schuldenfallen vermeiden - und wogibt es Hilfe, wenn man keinen Ausweg sieht?

Das Wort "Schulden" steht auf einem Taschenrechner, der auf Euro-Banknoten liegt
Was kann man tun, um Schulden zu vermeiden? Bildrechte: Colourbox

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Die Bundesregierung will überschuldeten Unternehmen und Verbrauchern einen schnelleren Neuanfang ermöglichen. Sie sollen bei Insolvenzen rascher von ihren Restschulden befreit werden, um wieder aktiv am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen.

Kampf den finanziellen Schwierigkeiten durch Corona

Am 1. Juli hat das Kabinett einen entsprechenden Gesetzentwurf des Justizministeriums beschlossen. Doch bevor das Gesetz in Kraft treten kann, muss auch der Bundestag noch zustimmen. "Die Corona-Krise hat uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie schnell und unerwartet man in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann", begründete Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) die Änderung.

Nur noch drei Jahre Restschuldbefreiung

Künftig soll das Verfahren zur Restschuldbefreiung nur noch drei statt der derzeit üblichen sechs Jahre dauern. Eine solche Verkürzung war bisher nur möglich, wenn die Schuldner alle Verfahrenskosten und 35 Prozent der Forderungen der Insolvenzgläubiger beglichen hatten. Diese Voraussetzungen fallen nun weg. Allerdings haben sie weiter bestimmte Pflichten, müssen etwa arbeiten oder sich zumindest um Arbeit bemühen. In der sogenannten Wohlverhaltensphase nach Ende des Insolvenzverfahrens müssen sie nicht nur Vermögen aus Erbschaften, sondern auch Schenkungen zur Hälfte abgeben. Gewinne aus Lotterien sogar komplett.

Geschafft letzte Rate - Eintrag in einem Terminkalender
Das Verfahren zur Restschuldbefreiung soll künftig nur noch drei anstatt fünf Jahre dauern. Bildrechte: imago/Steinach

Tipps gegen die Schuldenfalle

Egal ob es wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung oder fehlendem Einkommen passiert. Ist man einmal in die Schuldenspirale geraten, muss man tätig werden. Folgende Tipps könnten beim finanziellen Neustart helfen oder die finanzielle Schieflage sogar verhindern.

  • Haushaltsbuch führen - Führen Sie ein Haushaltsbuch, in dem Sie Ein- und Ausgaben eintragen. Nach einigen Monaten wird klar, wo Sie immer wieder unnötig Geld ausgeben.
  • Kosten senken - Prüfen Sie, ob Sie große Kosten abstoßen können, um so das Monatsbudget zu entlasten. Beispiele: teure Handy- oder Stromverträge oder eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, die Sie nicht nutzen.
  • Staatliche Förderungen - Neue staatliche Förderungen wie Wohngeld oder Kinderzulagen können private Haushalte ohne hohes Einkommen deutlich entlasten.
  • Bargeld nutzen - Bei Zahlungen mit EC- oder Kreditkarte verliert man schnell den Überblick über die Ausgaben. Beim Bargeld merkt man direkt, wann das Geld im Portemonnaie zur Neige geht.
  • Kredite vermeiden - Selbst bei einer Null-Prozent-Finanzierung besteht immer das Risiko, die Raten in den nächsten Monaten oder Jahren nicht zahlen zu können.
  • Dispo vermeiden - Die Zinsen bei einem Dispo-Kredit sind weit höher, als bei einem Verbraucherkredit. Die Überziehung des Disporahmens sollte also immer vermieden werden.
  • Nicht immer in die Kantine - Mit selbst gemachtem Mittagessen lässt sich auf Dauer viel Geld sparen.
  • Einkaufszettel benutzen - Unnütze Spontankäufe können auf Dauer ins Geld gehen. Deshalb sollten Sie sich vorher überlegen, was Sie brauchen und auch nur das kaufen.

Ein Kontoauszug zeigt ein rot eingekreistes Minus von 448,34 Euro.
Lieber einen Kredit aufnehmen, anstatt den Dispo auszuschöpfen! Bildrechte: IMAGO

Hier gibt es Hilfe

Und wenn alles nichts hilft, sollte eine Schuldnerberatung in Anspruch genommen werden. Die gibt's übrigens vielerorts auch auf Vereinsbasis und damit deutlich günstiger als über einen Rechtsanwalt. Die Schuldnerberater prüfen, welche Schnellmaßnahmen helfen können, bspw. einen Wechsel bei Strom oder Gas. Des Weiteren wird versucht, aus vielen Rechnungen bei vielen Gläubigern, wenige große Rechnungen bei wenigen Gläubigern zu machen. Ihnen wird darüber hinaus bei Verhandlungen üblicherweise ein Teil der Schulden als Rückzahlung angeboten. So bekommen sie immerhin einen Teil des Geldes und der verschuldete Haushalt erhält die Chance für einen Neustart.

Scheitern diese Verhandlungen, bleibt oft nur noch der Weg in die Privatinsolvenz. Gläubiger sehen dann im Normalfall nur noch wenig vom geschuldeten Geld, da der Schuldner in der Privatinsolvenz das Recht auf ein pfändungsfreies Einkommen hat. Alles, was darüber hinaus eingenommen wird, dient aber dem Tilgen der Schulden.

(ten/dpa/mu4)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. Juli 2020 | 17:15 Uhr

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