Ratgeber Kasko-Schaden: Wann haftet die Versicherung und wann nicht?

Ein weißes Auto wird aus Hafenbecken gezogen
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Großer Schock für eine Neuwagenbesitzerin in Norden in Niedersachsen: Die Frau war mit ihrem gerade einmal eine Woche alten Kleinwagen in den Hafen gefahren, hatte dort den Pkw abgestellt – aber offenbar nicht ausreichend gesichert. Kurz nachdem sie das Fahrzeug verlassen hatte, setzte sich der Wagen in Bewegung und rollte über die Kaikante ins Hafenbecken.

Vollkommen in den Fluten versunken

Als die alarmierte Feuerwehr eintraf, guckte noch ein Teil des Daches aus dem Wasser. Wenig später versank der Pkw in den Fluten. Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gingen daraufhin ins Wasser und sicherten das Fahrzeug mit Ketten, damit dieser mit einem Feuerwehr-Kran aus dem Hafenbecken gehoben werden konnte.

Durch die Vollkasko abgedeckt?

Das Auto, das nach Aussage der Besitzerin erst eine Woche alt war, ist nach einer ersten Einschätzung der Feuerwehr ein Totalschaden. Die ältere Frau wurde nach Hause gebracht, um zu verdauen, dass sie gut und gerne 15.000 Euro versenkt hat. Wenn es ganz blöd läuft, bleibt die Autofahrerin - trotz Vollkaskoversicherung - auf dem Schaden sitzen, erklärt der Chefredakteur des gemeinnützigen Verbraucherportals "Finanztip". Denn bei grober Fahrlässigkeit kann sich die Kaskoversicherung weigern, den Schaden zu zahlen. "Wenn man seine Handbremse nicht anzieht und es passiert ein Unfall deswegen, dann ist das grobe Fahrlässigkeit", sagt Hermann-Josef Tenhagen. "Je höher Ihre Schuld am Schaden ausfällt, desto geringere Kosten ersetzt Ihnen der Versicherer."

Führt der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall grob fahrlässig herbei, ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen.

§ 81, Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG)

Was ist grob fahrlässig?

Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn die im Straßenverkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt wurde, also dann, wenn ganz naheliegende Überlegungen nicht angestellt wurden und das nicht beachtet wurde. Kritisch wird es beispielsweise auch, wenn es wegen Überfahrens einer roten Ampel oder während eines Telefongesprächs ohne Freisprecheinrichtung zu einem Unfall kommt.

Der Verstoß muss objektiv über das normale Maß der Sorgfaltspflicht hinausgehen: Grob fahrlässig bedeutet also, dass jemand ohne Sorgfalt handelt und nicht so, wie es jedem als selbstverständlich einleuchten müsste.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 29. Januar 2003 (Az. IV ZR 173/01)

Was können Sie tun?

"Grobe Fahrlässigkeit ist in der Kasko-Versicherung per se nicht versichert", sagt Hermann-Josef Tenhagen. Doch Sie können sich schützen! Wählen Sie einen Kaskotarif, bei dem der Anbieter ausdrücklich darauf verzichtet, Zahlungen wegen grober Fahrlässigkeit zu verweigern. Alleine wenn grobe Fahrlässigkeit wegen Alkohol- oder Drogenkonsums vorliegt oder falls der Versicherte einen Autodiebstahl grob fahrlässig ermöglicht, kürzen laut "Finanztip" viele Anbieter weiterhin ihre Leistung. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Schlüssel im Zündschloss steckte.

Tipps

  • Falls Sie noch einen Vertrag ohne die Klausel haben, sollten Sie unbedingt vergleichen und einen neuen Vertrag abschließen.
  • Setzen Sie auf Vergleichsportalen das entsprechende Häkchen oder fragen Sie Ihren Versicherer nach einem Tarif mit dieser Klausel.

Ein weißes Auto wird aus Hafenbecken gezogen
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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. Januar 2020 | 17:15 Uhr

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