Eine weinende Frau
Bildrechte: Colourbox

Unter den Rock gefilmt Upskirting: So ist die rechtliche Situation in Deutschland

BRISANT | 22.08.2019 | 17:15 Uhr

Eine weinende Frau
Bildrechte: Colourbox

Großbritannien hat in diesem Jahr ein Verbot gegen das Upskirting verhängt, nachdem ein Opfer  eineinhalb Jahre gekämpft hat. In Deutschland sind Upskirting-Aufnahmen bislang in der Regel nicht strafbar. "Deutschland ist in dem Punkt ein echtes Entwicklungsland", erklärt Rechtsanwalt Thomas Kinschewski.

Wir haben einige Straftatbestände für spezielle Ausformungen von solchen Anstößigkeiten, zum Beispiel das heimliche Fotografieren auf dem Klo oder das heimliche Fotografieren innerhalb privater Räume. Aber so richtig einen Paragrafen gegen diesen widerlichen Voyeurismus, den gibt es nicht in Deutschland.

Thomas Kinschewski | Rechtsanwalt

Nur der "höchstpersönliche Lebensbereich" ist geschützt

Upskirting könne nur geahndet werden, wenn Bilder an Dritte weitergeben oder im "höchstpersönlichen Lebensbereich" aufgenommen wurden – in der privaten Wohnung etwa oder im Auto. "Das Kaufhaus ist das Gegenteil von geschlossenen Räumen", sagt Kinschewski. "Und deswegen ist es ja so ärgerlich, dass es in Deutschland nicht strafbar ist. Gerade in Kaufhäusern, bei Massenaufläufen wie Konzerten und so weiter, das sind die Orte, an denen so etwas passiert."

Stichwort: Upskirting Upskirting nennt man das ungefragte, voyeuristische Fotografieren oder Filmen unter den Rock einer Frau.

Online-Petition gestartet

Hanna Seidel arbeitet daran, dass solche Täter kein leichtes Spiel mehr haben. Sie  hat mit ihrer Freundin Ida Marie Sassenberg eine Petition ins Leben gerufen - für ein Gesetz, das Upskirting unter Strafe stellt. Mit 16 wurde sie selbst Opfer der perversen Masche.

Ich habe mich so schuldig gefühlt. […] Rückblickend hat dieser Mann bei mir eine sehr tiefe Kerbe hinterlassen.

Hanna Seidel | Upskirting-Opfer und Aktivistin

Die Petition hat inzwischen fast 90.000 Unterstützer. Und auch die Politik will den Handy-Voyeuren das Handwerk legen. Mehrere Bundesländer arbeiten derzeit an einer Gesetzesinitiative, die sie noch in diesem Jahr in den Bundesrat einbringen wollen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. August 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 17:28 Uhr

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