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Beim Anzeichen einer Vergiftung muss es schnell gehen. (Archiv) Bildrechte: imago/imagebroker

Erkennen und handelnErste Hilfe - Was tun bei Vergiftungen?

Stand: 27. August 2022, 15:09 Uhr

Bei Vergiftungen oder Vergiftungserscheinungen geht es darum, möglichst schnell zu handeln, um Schaden abzuwenden. Was im Fall der Fälle zu tun ist, erfahren Sie hier.

Sollte der Verdacht aufkommen, dass Sie oder eine andere Person sich vergiftet haben, muss es schnell gehen. Warten Sie nicht ab, der erste Griff sollte zum Telefon gehen. So können Sie einen möglichen Vergiftungsnotfall erkennen:

Merkmale einer möglichen Vergiftung

Je nach Art beeinträchtigen Giftstoffe Gehirn, Nervensystem, Atmung, Kreislauf, Herzfunktion und einzelne Organe. Erkennungsmerkmale können sein:

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Plötzlich auftretende Schmerzen im Bauch
  • Kopfschmerzen, Schwindelgefühl
  • Erregungszustände
  • Schock
  • Bewusstseinstrübung
  • Bewusstlosigkeit
  • Atemstörung
  • Atemstillstand
  • Herz-Kreislauf-Stillstand

Plötzliches Erbrechen kann auf eine Vergiftung hindeuten. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Hinweise von Augenzeugen sowie umherliegende Medikamente, Behältnisse oder Giftreste können Aufschluss über einen möglichen Vergiftungsnotfall geben, auch wenn die oben genannten Symptome möglicherweise nicht auftreten.

Beim Rettungsdienst (112) oder einem Giftnotruf (siehe unten) bekommen Sie Anweisungen, was zu tun ist. Versuchen Sie nicht eigenständig oder mit Hausmitteln zu behandeln!

Um die Ursache der Vergiftung herauszufinden, kann es wichtig sein, etwaige Reste der Substanzen oder Erbrochenes zu sammeln und dem Rettungsdienst zu übergeben.

Wichtige Fragen für den Notruf/Giftnotruf

  • Wer ist betroffen? Handelt es sich um ein Kind oder einen Erwachsenen?
  • Alter und Gewicht der Person?
  • Wenn bekannt, wann wurde die giftige Substanz eingenommen?
  • Was wurde eingenommen und wie viel? Beschreibung so genau wie möglich.
  • Wie ist der Zustand des Patienten? Ansprechbar, benommen, bewusstlos?

Bei Vergiftungserscheinungen sollte man den Notruf oder den Giftnotruf anrufen. (Archiv) Bildrechte: imago/Agentur 54 Grad

Was ist zu tun, bis Hilfe eintrifft?

Wichtig: Wenn der Patient noch atmet, aber bewusstlos ist, greifen die normalen Erste-Hilfe-Maßnahmen. Das heißt in dem Fall: Stabile Seitenlage! Setzt die Atmung zusätzlich aus, muss bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt werden.

Erbricht der Patient liegend, sollte der Kopf zur Seite gedreht und ein Gefäß unter den Mund gehalten werden. Im Sitzen muss der Kopf mit einer Hand nach vorn gebeugt und mit der zweiten das Gefäß gehalten werden. Generell ist es wichtig, auch die eigene Sicherheit zu beachten. Deshalb gilt: Möglichst Handschuhe tragen!

Was Sie nicht tun sollten

Es ist davon abzuraten, sich selbst oder die vermeintlich vergiftete Person zum Erbrechen zu bringen. Die gefährlichen Substanzen könnten dabei die Speiseröhre beschädigen oder in die Luftröhre geraten. Zudem sollten Sie vom beliebten Hausmittel Milch die Finger lassen, da es dazu führen kann, dass Giftstoffe im Darm schneller aufgenommen werden.

Vergiftungen vorbeugen

Vorsicht ist besser als Nachsicht, vor allem wenn es um Kinder geht. Aus diesem Grund sollten gefährliche Substanzen nie in Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Arznei sollte zudem verschlossen gelagert werden und etwaige Giftsubstanzen sollten sich niemals in der Nähe von Lebensmitteln befinden.

Gefährliche Substanzen sollten nie in Reichweite von Kindern gelagert werden. (Archiv) Bildrechte: imago images/photothek

Überblick der Giftnotrufe in Deutschland

  • Berlin

Giftotruf der Charité Berlin
Tel.: 030 - 19 240
Internet: giftnotruf.charite.de 

  • Bonn

Informationszentrale gegen Vergiftungen
Tel.: 0228 - 19 240
Internet: www.gizbonn.de 

  • Erfurt (GGIZ)

Gemeinsames Giftinformationszentrum der Länder
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen
Tel.: 0361 - 730 730
Internet: www.ggiz-erfurt.de 

  • Freiburg

Vergiftungs-Informations-Zentrale
Tel.: 0761 - 19 240
Internet: www.uniklinik-freiburg.de 

  • Göttingen (GIZ-Nord)

Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen,
Hamburg, Niedersachsen, und Schleswig-Holstein
Tel.: 0551 - 19 240
Internet: www.giz-nord.de 

  • Mainz (GIZ)

Giftinformationszentrum der Länder
Rheinland-Pfalz und Hessen
Tel.: 06131 - 19 240

  • München

Giftnotruf München
Tel.: 089 - 19 240
E-Mail: tox@lrz.tum.de
Internet: www.toxinfo.med.tum.de 

(BRISANT/apotheken umschau/drk)

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