Ein Mann trainiert mit einem Hund Gehorsamsbefehle.
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Schwere bakterielle Infektionen drohen Vorsicht bei Tierbissen: Das sollten Sie tun!

BRISANT | 03.04.2019 | 17:15 Uhr

Tierbisse können ganz harmlos aussehen, aber zu schweren bakteriellen Infektionen führen. Die können dramatische Folgen haben, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. Wir erklären, was bei Tierbissen zu tun ist.

Ein Mann trainiert mit einem Hund Gehorsamsbefehle.
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Meist beißen die eigenen Tiere

Allein im vergangen Jahr wurden in der Kinderchirurgie der Uniklinik Leipzig 50 Bissverletzungen durch Haustiere behandelt. Die Zahl ist im Vergleich zu 2017 gleich geblieben. Interessant sind die weiteren statistischen Erhebungen. Demnach wurden drei von vier Kindern von Hunden und Katzen gebissen. Fast immer ist es das eigene oder zumindest ein bekanntes Tier.

Katzenbiss oder Hundebiss?

Doch Hunde und Katzen beißen nicht in gleicher Weise zu. Wir erklären die wichtigsten Unterschiede:

Hundebisse zerstören oft großflächig Gewebe, da sie mit ihren Zähnen eher reißen. Dafür sind die Wunden in den meisten Fällen nicht so tief. Nur rund 20 Prozent aller Hundebisse infizieren sich.

Nach Katzenbissen bleiben oft kaum sichtbare Verletzungen. Dafür sind sie meist sehr tief. An den Zähnen haftende Keime dringen in diese tiefen Schichten der Haut ein und können sich dort ausbreiten. Deshalb liegt das Infektionsrisiko bei Katzenbissen mit rund 50 Prozent deutlich höher.

Eine Katze beißt in eine Hand
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Bei diesen Symptomen sofort zum Arzt!

Die Ärzte weisen darauf hin, dass eine medizinische Behandlung von Bissverletzungen wichtig ist. Andernfalls könnten sich die Wunden entzünden und so zu ernsthaften Komplikationen führen.

Es ist so, dass die Tiere in der Mundhöhle Keime haben, die besonders schlecht auf Antibiotika ansprechen, das heißt, dass sich ein Tierbiss infiziert und noch schlechter heilt, ist nicht selten.

Prof. Martin Lacher | Kinderchirurgie Uniklinik Leipzig

Das sind die wichtigsten Alarmsignale nach einem Tierbiss:

  • Schwellungen
  • Rötungen
  • Schmerzen
  • Pochen im Finger oder der ganzen Hand


Jetzt heißt es: Schnellstens zum Arzt! Oft muss infiziertes Gewebe chirurgisch entfernt werden. Da es sich dabei um einen chirurgischen Notfall handelt, sollte auf schnellstem Wege die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufgesucht werden.

Wegweiser zur Notfallambulanz
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Erste-Hilfe-Maßnahmen zu Hause Die Wunde sollte zuerst gründlich mit Wasser gereinigt werden und dann mit einem lokalen Antiseptikum, etwa einem alkoholfreien Desinfektionsspray aus der Apotheke, versorgt werden. Anschließend wird sie mit einem sterilen Verband aus dem Verbandskasten abgedeckt. Sie sollte aber nicht komplett luftdicht verschlossen werden. Tabu sind Hausmittel wie Zwiebeln, Alkohol oder Jod zum Desinfizieren!

Kinder sollten Umgang mit Tieren besser lernen

Die Mediziner raten, gerade in Streichelgehegen verstärkt auf Kleinkinder zu achten. "Die Eltern sollten ihren Kindern unbedingt zeigen, wie man zum Beispiel die Hand zum Füttern richtig hält", so Prof. Lacher. Auch zu Hause sollten die Kleinen lernen, wie sie richtig mit Hund, Katze und Meerschweinchen umgehen. "Tiere sind keine Spielzeuge. Die Kleinen sollten wissen, wie und wann man sich einem Tier nähert und wann besser nicht."

Tierverhaltenstherapeut: "Lasst eure Kinder nicht alleine!"

Tierverhaltenstherapeut Dr. Ronald Lindner berät Familien, damit es gar nicht erst zum Konflikt zwischen Mensch und Tier kommt. Er weiß, dass Kinder besonders gefährdet sind, etwa wenn das Haustier wie ein Kuscheltier behandelt wird. Klassisches Beispiel: das Umarmen. Das mag ein Hund überhaupt nicht, so Lindner. Doch wie will er es dem Menschen mitteilen?

Je nach Alter könne es zu ganz unterschiedlichen Begegnungen zwischen dem Kind und dem Haustier kommen. Das Neugeborene kann als Beute und Jagdobjekt missverstanden werden, so Lindner. Lebensgefahr! Niemals zusammen alleine lassen. Aber auch das Krabbelalter, das distanzlose am Hund Aufrichten, in die Augen fassen - all das führe zu Abwehr und Aggression.

Häufig sind Fälle bei Jungs zwischen drei und sechs Jahren, weil sie übergriffig sind und sich viel zu viel zutrauen. Und da passieren natürlich Missverständnisse. Der Hund kann sich wehren. Bitte Eltern, lasst eure Kinder nicht alleine!

Dr. Ronald Lindner | Tierverhaltenstherapeut

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. April 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 18:28 Uhr

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