Krebsvorsorge Früherkennung von Prostatakrebs - Vor- und Nachteile

BRISANT | 17.09.2019 | 17:15 Uhr

Früh erkannt ist Krebs besser heilbar, das gilt auch für Prostatakrebs. Doch welche Maßnahmen zur Früherkennung sollten wann zum Einsatz kommen? Was beinhalten Tastuntersuchung und PSA-Test? Und wann spricht man von einer eine Überdiagnose bzw. Übertherapie? Ein erster Überblick.

zwei männliche Harnblasen mit Prostata im Querschnitt nebeneinander: links mit gesunder Prostata, rechts mit tumorbefallener Prostata
Zwei männliche Harnblasen mit Prostata im Querschnitt: links mit gesunder Prostata, rechts mit tumorbefallener Prostata Bildrechte: IMAGO

Gesetzliche Früherkennung: Tastuntersuchung

Ab einem Alter von 45 Jahren können Männer die Leistungen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms in Anspruch nehmen. Gibt es eine familiäre Vorbelastung, sogar ab dem 40. Lebensjahr. Die Leistung ist kostenlos und umfasst ein Gespräch mit dem Arzt sowie eine Untersuchung der Geschlechtsorgane und der Lymphknoten in der Leiste. Außerdem wird die Prostata vom Enddarm aus abgetastet.

Mit dieser digital-rektalen Untersuchung können allerdings nur oberflächlich gelegene und größere Karzinome gefunden werden. Tumore, die ungünstig gelegen oder noch sehr klein sind, bleiben unentdeckt. Deshalb ist der Nutzen dieser Untersuchung begrenzt.

Zusätzliche Früherkennung: PSA-Test

Lage der Prostata im männlichen Körper
Lage der Prostata im männlichen Körper Bildrechte: IMAGO

Mithilfe eines Eiweißes, das nur in der Prostata produziert wird, lässt sich das Risiko einer bösartige Prostata-Veränderungen in sehr frühem Stadium erkennen. Dieses prostataspezifische Antigen, kurz PSA, findet sich in geringen Mengen auch im Blut. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist das Vorhandensein eines Tumors. Sehr hohe Werte weisen auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin.

Doch bevor sich ein Patient für oder gegen einen PSA-Test entscheidet, sollte er sich mit seinem Arzt beraten. Denn das Testergebnis sagt lediglich die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms vorher. Ein normaler PSA-Wert ist kein Garant dafür, dass kein Krebs vorliegt. Umgekehrt bedeutet ein erhöhter PSA-Wert nicht zwangsläufig Prostatakrebs.

Sinnvoll ist ein PSA-Test ab einem Alter von 45 Jahren, bei familiärer Vorbelastung ab 40 Jahren. Wie oft der Test wiederholt werden sollte, richtet sich nach dem Testergebnis.

Die Kosten für den PSA-Test (im Rahmen der Früherkennung) werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, er muss privat finanziert werden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt die Vor- und Nachteile des PSA-Tests und treffen Sie in Ruhe Ihre Entscheidung!

Gefahr von Überdiagnose und Übertherapie

Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr von Überdiagnosen. Durch die PSA-gestützte Früherkennung werden sehr viele Tumoren im Frühstadium entdeckt und behandelt - mit allen psychischen und körperlichen Folgen und Nebenwirkungen. Und das, obgleich geschätzt die Hälfte aller durch den PSA-Test aufgespürten Karzinome niemals Beschwerden bereiten würden - ganz ohne Behandlung.

Laut Deutscher Krebsgesellschaft gibt es nach wie vor keine Klarheit darüber, ob die Sterblichkeit aufgrund eines Prostatakarzinoms durch das Screening deutlich gesenkt wird. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu versterben, beträgt in Deutschland etwa drei Prozent, eine Früherkennung kann diese Wahrscheinlichkeit nur minimal senken. Deshalb: Besprechen Sie sich mit ihrem Arzt!

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. September 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2019, 17:12 Uhr

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