Richtiges Verhalten Waldbrandgefahr sinkt langsam

Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen sind auch in der Natur zu spüren. Die Waldbrandgefahr steigt in zahlreichen Regionen Deutschlands stark an. Das bedeutet, dass dort einige Regeln zu beachten sind. Für die kommenden Tage sind Gewitter vorausgesagt - bringen die Entspannung?

Ein Förster der Hansestadt Uelzen und Waldbrandbeauftragter, steht in einem mit Kiefern geprägten Waldstück.
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Hohe Temperaturen, wenig Regen: So schön das Sommerwetter für die Menschen in Deutschland ist, die Waldbrandgefahr steigt. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigt alarmierende rote bis dunkelrote Flecken. Der Index rase auf die höchste Waldbrandwarnstufe zu, sagte ein DWD-Sprecher. Auch in den Tagen danach sinkt die Gefahr nur langsam.

Entspannung ab Mitte der Woche

Die Wetterexperten sehen vor allem im Nordosten Deutschlands eine hohe Gefahr. Dort seien die obersten Bodenschichten zu trocken. Auch immer wieder aufkommender Wind könne einen möglichen Brand schnell größer werden lassen. Überwiegend dunkelrot eingefärbt ist der Index im Osten Deutschlands, für sämtliche östlichen Länder von Mecklenburg-Vorpommern über Berlin bis Thüringen gilt zu großen Teilen die höchste Warnstufe. Auch im Fall von Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gibt es dunkelrote Flecken auf der Gefahrenkarte. Mit Beginn der neuen Woche (21.06.) sinkt die Waldbrandgefahr zunehmend. Vereinzelt, vor allem in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, allerdings nur auf Gefahrenstufe 3.

Gewitter nicht automatisch entspannend

Mit Blick auf die neue Woche warnt der Deutsche Wetterdienst vor teils heftigen Gewittern, die sich von der Schweiz und Ostfrankreich her nach Norden ausbreiten. Sie bringen Hagel, heftigen Starkregen in kurzer Zeit und orkanartige Böen. Zudem kann es vereinzelt Tornados geben. Mit den Gewittern sinken auch die Temperaturen. Erst dann nimmt auch die Waldbrandgefahr ab. Nur kurz andauernder Regen verdunstet sonst innerhalb von Stunden, die ausgetrockneten Böden können das Wasser nicht aufnehmen, es läuft oberflächlich ab.

Brandenburg besonders betroffen

Brandenburg ist Jahr für Jahr besonders stark von Waldbränden betroffen, denn häufig regnet es in dem Bundesland wenig oder nur sehr lokal. Brandenburg leidet zudem unter den sandigen Böden, die das Regenwasser nicht lange halten können. Auch in anderen Ländern wie Bayern, Sachsen und Niedersachsen nimmt die Gefahr von Waldbränden mit jedem Tag zu. Dort wurden bereits die zwei höchsten Gefahrenstufen vier und fünf ausgerufen.

Einweggrills als Problem

"Die überwiegende Mehrheit der Waldbrände werden durch fahrlässiges Verhalten verursacht", berichtet Renke Coordes, Sprecher das Staatsbetriebes Sachsenforst. Deshalb sei es wichtig, in betroffenen Gebieten nicht zu rauchen, zu grillen oder Lagerfeuer zu entzünden. Ein besonderes Problem sind Einweggrills, die vielfach zurückgelassen werden. "Das ist wirklich ein Fluch", so Knut Sierk von den Landesforsten in Niedersachsen. "Die Stulle für die Wanderung ist besser als das Steak im Wald zu grillen", so Sierk weiter.

Wann gilt ein Rauchverbot im Wald?

Von März bis Oktober gilt ein generelles Rauchverbot in den Wäldern. In Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ist das Rauchen im Wald sogar ganzjährig untersagt. Wichtig: Auch achtlos weggeworfene Glasflaschen, Scherben oder Folien können wie Brenngläser wirken und Feuer entfachen.

Darf es Lagerfeuer geben und darf gegrillt werden?

Offenes Lagerfeuer und Grillen ist nur an besonders gekennzeichneten Feuerstellen erlaubt. Ansonsten darf im Wald und in der Regel in einer Entfernung von 100 Metern zum Waldrand, in einigen Bundesländern nicht unter 50 Metern Abstand, kein Feuer entfacht werden.

Was sollten Autofahrer beachten?

Autofahrer sollten keinesfalls Zigarettenkippen aus dem Fenster werfen. Denn das kann schnell einen Brand auslösen. Beim Ausflug in die Natur sollten Autofahrer nur ausgewiesene Parkplätze nutzen, denn Grasflächen können sich durch heiße Katalysatoren von Fahrzeugen schnell entzünden.

Können Wälder gesperrt werden?

Das ist durchaus möglich. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt zum Beispiel können die Forstbehörden bei hoher Waldbrandgefahr den Wald oder bestimmte Flächen sperren. Das wird durch entsprechende Schilder gekennzeichnet.

Welche Strafen drohen?

Nach dem Strafgesetzbuch ist die fahrlässige und vorsätzliche Brandstiftung allgemein strafbar. Sehr schwere Fälle können mit Gefängnis bestraft werden. Die Waldgesetze der einzelnen Bundesländer regeln außerdem Strafen für diejenigen, die gegen die Vorschriften verstoßen und beim Zündeln erwischt werden. Das bloße Anzünden einer Zigarette im Wald zum Beispiel kann Raucher ein Bußgeld zwischen 80 und 100 Euro kosten. In Berlin sieht das Landeswaldgesetz sogar Strafen von bis zu 50.000 Euro vor.

Aus einem Polizeihubschrauber ist in dem Waldstück zwischen Dreieck Potsdam und Fichtenwalde ein Waldbrand zu sehen. Das Feuer entstand direkt an der Autobahn - und breitete sich rasend schnell aus. Wenig später stehen 90 Hektar Wald in Flammen. Die Autobahn wird gesperrt, Anwohner sollen sich auf eine Evakuierung vorbereiten.
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Wie soll man bei einem Brand reagieren?

Bei einem Wald- oder Flurbrand muss sofort die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 oder eine Polizeidienststelle unter der Notrufnummer 110 alarmiert werden. Dabei sollten möglichst der genaue Brandort, das Ausmaß und die Art des Feuers - also ob es am Boden oder in den Wipfeln brennt - und der eigene Standort angegeben werden. Eigene Löschversuche können eine Ausbreitung der Flammen verhindern, allerdings sollte sich niemand unnötig in Gefahr bringen.

Übernimmt die Versicherung den Schaden?

Wer einen Waldbrand verursacht, sollte unbedingt eine private Haftpflichtversicherung haben. Die übernimmt je nach Einzelfall den Schaden. In der Haftpflicht ist lediglich vorsätzliches Handeln ausgeschlossen und somit nicht versichert. Grobe Fahrlässigkeit ist hingegen inbegriffen. Fahrlässigkeit heißt, dass jemand einen Schaden zwar nicht willentlich herbeiführt, aber die erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Je nach Schwere der Mitschuld wird zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit unterschieden.

Ein Feuerwehrmann bekämpft einen Waldbrand bei Treuenbrietzen
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Die Waldbrandgefahrenstufen im Überblick

  • Waldbrandgefahrenstufe 1 - Der Wald kann ohne Einschränkungen betreten werden und die Waldbrandwarnung ist aufgehoben.

  • Waldbrandgefahrenstufe 2 - Es gibt keine grundsätzliche Einschränkung beim Betreten des Waldes. Um Zündquellen zu vermeiden, ist erhöhte Vorsicht geboten. Fahrzeuge dürfen weiter auf Waldparkplätzen abgestellt werden. Wege mit trockener Bodenvegetation nur im unbedingten Notfall befahren.

  • Waldbrandgefahrenstufe 3 - Es besteht eine erhöhte Waldbrandgefahr. Die zuständige Behörde darf den Wald sperren. Das Betreten des Waldes ist weiterhin erlaubt, aber bei der Nutzung von Waldparkplätzen ist erhöhte Vorsicht geboten (Stichwort: heiße Auspuffanlagen). Öffentliche Feuerstellen oder Grillplätze im und am Wald dürfen nicht mehr genutzt werden.

  • Waldbrandgefahrenstufe 4 - In Waldgebieten sollten öffentliche Straßen und Wege, sowie Waldwege aller Art nicht verlassen werden. Die Forstbehörde kann ausgewiesene Parkplätze, sowie touristische Einrichtungen im Wald sperren. Die zuständigen Behörden treffen gegebenenfalls zusätzliche Brandschutzmaßnahmen.

  • Waldbrandgefahrenstufe 5 - Die Forstbehörde und der Waldeigentümer dürfen den Wald sperren. Der Wald sollte weder betreten noch befahren werden. Ausnahmen gelten nur zu Kontrolltätigkeiten durch die Forstbehörde, sowie für Kräfte des Brandschutzes, Rettungsdienstes oder Katastrophenschutzes.

(BRISANT/dpa/Deutscher Feuerwehrverband)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 20. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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