Bundesweiter Warntag Warn-Apps und Warnsysteme: Welche braucht man auf dem Handy und was können sie?

Ob Hochwasser, Bombenfund oder Amoklauf - wenn akute Gefahr droht, muss schnell gewarnt werden. Früher heulten Sirenen auf den Dächern, heute gibt es Warn-Apps. Welche sind sinnvoll und was können sie? Und wie bekommt man auch ganz ohne App eine Warnung aufs Handy? Brisant mit einer Übersicht.

Aus welchen Quellen stammen die Warn-Meldungen?

Alle Warn-Apps bündeln Informationen, die über das Modulare Warn-System des Bundes (MoWaS) gesammelt werden. Regionale Leitstellen verteilen die dort eingehenden Warnungen, zum Beispiel des Deutschen Wetterdienstes (DWD) oder Hochwasserinformationen aus den Bundesländern. Gesendet werden die Informationen über die weit verbreiteten Apps NINA oder KATWARN sowie den Pagerdienst e-Messenger.

Auch alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, private Rundfunkbetreiber und Nachrichtenagenturen erhalten die Meldung, um sie zu verbreiten. Daneben greifen auch kleinere Privatbetreiber wie die Nürnberger Warn-App Power-Warn auf das MoWaS-System zurück.

Alle hier vorgestellten Warn-Apps sind kostenfrei erhältlich und funktionieren auf Android- oder iOs-Geräten.

NINA = Notfall-Informations- und Nachrichten-App

Die NINA-Warn-App leitet Katastrophenwarnungen von nationaler Bedeutung unmittelbar auf das Smartphone oder Tablet weiter. Derzeit nutzen fast neun Millionen Menschen diese App. Entwickelt wurde sie vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Der Nutzende kann sich seinen Standort markieren und bekommt dann nur für diese Ortslage Gefahrenmeldungen und Verhaltenshinweise direkt auf das Handy, entweder in der App oder per Push-Nachricht.

NINA bietet Symbole für die einzelnen Gefahrenkategorien (z.B. Hochwasser, Gewitter, Kampfmittel-Fund oder Großbrand) und Farbabstufungen, die die Gefahr visualisieren. Doch NINA kann noch mehr. In der Kategorie "Ratgeber" gibt es umfangreiche Informationen, wie man sich in einer Notsituation verhält oder welche Vorräte man im Haus haben sollte.

Warn App NINA
Die Warn-App NINA Bildrechte: imago images / Marius Schwarz

Regionale Warn-App KATWARN

Die regionale App KATWARN wurde vom Fraunhofer-Institut entwickelt und leitet offizielle Warnungen und Handlungsempfehlungen auf das Smartphone weiter.

KATWARN hat ebenfalls eine Schnittstelle zum MoWaS-System. Alle Meldungen, die in NINA gesendet werden, werden auch in KATWARN veröffentlicht.

Der Nutzende kann sich zwischen orts- und themenbasiert entscheiden. Bis zu sieben Ortsfavoriten sind wählbar. KATWARN sendet dann die Gefahrenmeldung und Verhaltensweisen an den aktuellen Standort.

Warn- und Informationssystem KATWARN
Warn- und Informationssystem KATWARN Bildrechte: IMAGO / Rüdiger Wölk

Nordrhein-Westfalen nutzte beispielsweise KATWARN, um die Bürger über die Coronaschutzverordnung zu informieren. ABER: Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bekommen KEINE landesweiten Gefahrenmeldungen!

Themenbasierte Meldungen bietet nur KATWARN. Wer sich also oft auf Musikfestivals aufhält, bekommt bei entsprechender Sicherheitslage Informationen direkt auf das Handy, zum Beispiel bei Massenandrang vor dem Festivalgelände oder wenn die Messe schon überfüllt ist.

Wer kein Smartphone besitzt, erhält alternativ eine Warn-SMS oder E-Mail für eine bestimmte Postleitzahl, zum Beispiel die 12345. Einfach die SMS "KATWARN 12345" an die Service-Nummer: 0163 755 88 42 senden.

ABER: Der SMS-/E-Mail-Service bietet keine Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes DWD an. Für Warngebiete, die von anderen Warnsystemen versorgt werden (NINA-App), besteht dieser Service ebenfalls nicht. Welche Gebiete abgedeckt werden, steht auf der Seite des Anbieters.

hessenWARN wurde aus KATWARN weiterentwickelt mit spezifischen Funktionen für das Bundesland Hessen. Neben den üblichen KATWARN-Meldungen bietet die App Zusatzinformationen, zum Beispiel über Produktrückrufe des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Warnung auch ohne App: Neues Katastrophen-Warnsystem Cell Broadcast

Neben NINA und KATWARN steht ein weiteres Warnsystem für Mobiltelefone in den Startlöchern: Cell Broadcast. Und das kommt ganz ohne App aus.

Alle Besitzer eines Mobiltelefons in Deutschland werden in den kommenden Tagen mit einer SMS über das neue Katastrophen-Warnsystem informiert. Am 8. Dezember, dem bundesweiten Warntag, soll Cell Broadcast erstmals in allen 294 Landkreisen und 107 kreisfreien Städten in Deutschland getestet werden.

Wie funktioniert Cell Broadcast?

Bei dem neuen System werden Nachrichten wie Rundfunksignale an alle kompatiblen Geräte geschickt, die in einer Zelle eingebucht sind - daher der Name Cell Broadcast. In anderen EU-Staaten ist das Warnsystem bereits im Einsatz.

Im Gegensatz zu anderen Warnsystemen wie Nina oder Katwarn muss man für Cell Broadcast keine App haben, um alarmiert zu werden. Man muss auch keine Mitteilungs-App für das Lesen von SMS öffnen, da der Warntext ohne Zusatz-Anwendung auf dem Bildschirm erscheint. Mit dem Eintreffen des Warntextes ertönt außerdem ein lautes Tonsignal.

Unwetterwarnung über Cell Broadcast in Griechenland
Eine Unwetterwarnung über Cell Broadcast in Griechenland. Bildrechte: IMAGO / Wassilis Aswestopoulos

Keine Warnung erhalten - verschiedene Ursachen möglich

Damit die Menschen in Deutschland die Warnhinweise empfangen können, muss ein Handy oder Smartphone, das mit Cell Broadcast kompatibel ist, eingeschaltet und empfangsbereit sein. Mit Cell Broadcast kompatibel sind iPhones mit den Betriebssystem-Versionen iOS 16, 15.7.1 und 15.6.1 und Android-Geräte ab Version 11. Die neuesten Updates müssen jeweils installiert sein.

Doch nicht nur das Alter des Handys und das Betriebssystem, auch der jeweilige Provider muss mitspielen, damit eine Warnung auf dem Smartphone landet. Die Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und der Anbieter 1&1 Drillisch haben im Vorfeld des bundesweiten Warntages angekündigt, dass sie Cell Broadcast unterstützen.

Zudem sollte man überprüfen, dass die Möglichkeit, Warnungen zu erhalten, auf dem eigenen Gerät nicht deaktiviert ist. Das ist in den Einstellungen des Smartphones möglich. Sind die Warnungen deaktiviert, erhält man lediglich die Meldungen der höchsten Warnstufe. Bei einigen Geräten muss der Cell-Broadcast-Empfang sogar immer manuell aktiviert werden, um Warnmeldungen zu empfangen.

Wer all das berücksichtigt und dennoch keine Warnung erhalten hat, kann dies dem BBK unter warntag-umfrage.de mitteilen.



BRISANT/dpa/bbk.bund.de/katwarn.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Dezember 2022 | 17:15 Uhr

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