Plagegeister Was hilft wirklich gegen Mücken?

Der Sommer ist schön - wären da nur nicht die Mücken! Gegen sie wehrt sich der Mensch mit Chemie, Strom oder ätherischen Ölen. BRISANT erklärt, was wirklich gegen die Plagegeister hilft.

Stechende Stechmücke
Ein Stich Bildrechte: imago/blickwinkel

Sssssss........ Der Sommer 2020 wird aller Voraussicht nach ein Mückensommer, denn die kleinen Biester mögen es feucht. Und seit März hat es in Deutschland recht viel geregnet - im Vergleich zu den beiden vergangenen Dürrejahren. In Wasserfässern, Gartenteichen, Seen und Pfützen vermehren sich die Mücken bestens. Und nur die Weibchen stechen, weil sie unser Blut brauchen, um Eier zu legen.

Stechmücken orientieren sich in erster Linie nach dem Geruchssinn. Das heißt: Ausgeatmetes Kohlendioxid bzw. unsere Schweißgerüche ziehen sie magisch an.

Die Frage ist nun: Wie wird man die Blutsauger rasch wieder los? Oder hält sie überhaupt aus dem Schlafzimmer fern?

Gemeine Stechmücke (Culex Pipiens) beim Blutsaugen
Bei uns heimisch: Gemeine Stechmücke (Culex Pipiens) Bildrechte: imago images / Westend61

Mückenmittel im Test: technische Geräte

Mücken-Apps produzieren einen hohen Ton. Der soll den Flügelschlag einer männlichen Mücke simulieren und damit bereits befruchtete Weibchen vertreiben. Stiftung Warentest fand heraus: Wer die Mücken mit dem Handy erschlägt, hat mehr Erfolg.

UV-Licht-Fallen, in denen Insekten an einem elektrisch geladenen Gitternetz sterben sollen, weisen kaum Wirkung bei Mücken auf. Die orientieren sich ja eher am Geruch als am Licht. Die UV-Lampen mit 1.000 Volt Spannung haben zudem den Nachteil, dass darin auch viele Nützlinge sterben können.

15 Tage Dauerschutz und ein schickes Accessoire dazu? Speziell imprägnierte Armbänder sollen vor Stichen schützen, indem sie Mücken über pflanzliche Düfte wie Zitronen, Nelke, Lavendel und Pfefferminze fernhalten. Immerhin zwei Drittel aller Kunden scheinen mit der Wirkweise zufrieden.

Mückenabwehr aus der Steckdose? Elektronische Stecker als Ultraschallgeräte kommen ganz ohne Chemie aus, während die Wirkung von Verdampfern auf einem Biozid beziehungsweise Insektizid beruht. Das füllt oder legt man ins Gehäuse und sobald Strom fließt, verteilt sich das Mittel als Aerosol im gesamten Raum. Und da liegt das Problem: Die Stoffe sind teilweise hochgiftig! Verdampfer sollten also keinesfalls in der Nähe des Kopfes angebracht werden und auch nicht Tag und Nacht laufen. Räume zwischendurch gut lüften.

Für den Außenbereich gibt es Mückenspiralen. Einfach aufstellen und anzünden, dann glimmt das Räucherwerk stundenlang vor sich und soll im Umkreis von einigen Metern Stechmücken und andere Insekten vertreiben Voraussetzung: totale Windstille.

Die meisten anderen Methoden bringen keinen spürbaren Erfolg, etwa Gartenfackeln, Kerzen und Öllampen auf Basis ätherischer Öle.

Brennendes violettes spiralförmiges Räucherstäbchen zur Vertreibung von Mücken und anderen Insekten
Räucherspirale zur Vertreibung von Mücken und anderen Insekten Bildrechte: imago images / imagebroker

Mückenmittel im Test: zum Auftragen

Mückenmittel mit den synthetischen Wirkstoffen DEET ( = Diethyltoluamid) und Icaridin (steckt in Autan) schützen sehr zuverlässig vor Stichen. Die Mücken können es schlicht und ergreifend nicht riechen.

DEET, das in Mitteln wie "Anti Brumm Forte" oder "Nobite Hautspray" steckt, ist umstritten. Der Wirkstoff steht in Verdacht, Hautreizungen auszulösen oder sogar das Nervensystem zu schädigen. Es sollte daher nicht zu lange in großen Mengen verwendet werden.

Die meisten Wirkstoffe sind wasserlöslich, weshalb sie nach dem Baden in Meer und See neu aufgetragen werden müssen.

Junge Frau trägt vor einer Wanderung ein Insektenschutz-Spray auf die Haut auf.
Wirkungsvoll: der Hautschutz zum Aufsprühen. Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Wie kann man vorbeugen?

Gerade in Gebieten mit großen Mückenpopulationen empfiehlt sich das Tragen von langer, heller und möglichst geschlossener Kleidung. Die kleinen Blutsauger können, anders als Zecken, auch durch Kleidung - sogar durch Jeans - hindurchstechen. Hüte mit Gesichtsschutz sind genau so wirkungsvoll wie Moskitonetze für Bett oder Zelt.

Ein laufender Ventilator hat sich als hilfreich herausgestellt, denn Mücken hassen Wind.

Vorbeugend ist es sinnvoll, die Regentonne abzudecken und offenes Wasser im Garten regelmäßig zu tauschen. Denn stehendes Wasser ist eine ideale Brutstätte für Mücken.

Moskitonetz über einem Bett
Ruhiger Schlaf: mit einem Moskitonetz über dem Bett Bildrechte: imago images/Panthermedia

Tigermücken auf dem Vormarsch

Immer häufiger ist die asiatische Tigermücke (aedes albopictus) in unseren Breiten zu finden. Sie stammt ursprünglich aus den süd- und südostasiatischen Tropen und ist inzwischen im gesamten Mittelmeerraum heimisch. Sogar in südlichen Gebieten von Deutschland, besonders in Baden-Württemberg, Thüringen, Hessen und Bayern, zählen Insektenforscher einzelne Populationen.

Man erkennt sie an ihren typischen weißen Streifen auf schwarzem Leib und Beinen. Die asiatische Tigermücke ist nur zehn Millimeter groß und auch tagsüber aktiv. Die gemeine Stechmücke dagegen bringt es auf stolze 15 Millimeter und sticht eher in der Dämmerung und nachts.

Auch die asiatische Buschmücke (aedes japonicus) fühlt sich mittlerweile in Deutschland wohl, denn sie mag es eher kalt. Die Buschmücke ist im Gegensatz zur Tigermücke dunkel- bis schwarzbraun gefärbt und hat helle Querstreifen am Bauch und an den Beinen.

Asiatische Tigermücke
Asiatische Tigermücke Bildrechte: IMAGO

Die Tiger- und Buschmücken sind nicht ungefährlich, da sie folgende Krankheiten übertragen können:

  • Denguefieber
  • Chikungunya-Fieber
  • Zikafieber
  • West-Nil-Fieber
  • Gelbfieber

Außer dem West-Nil-Virus ist aber noch kein tropisches Virus in Deutschland nachgewiesen. Falls Sie also eine unschöne Begegnung mit einer Tigermücke haben, ist es unwahrscheinlich, dass Sie sich mit Zika oder Dengue infiziert haben.

West-Nil-Fieber auch in Deutschland

43 Mückenarten, auch die heimische Stechmücke, können das West-Nil-Virus übertragen. Es erkrankt aber nur einer von 100 Gestochenen schwer. Im schlimmsten Fall droht eine Hirnhautentzündung. Die Symptome des West-Nil-Fiebers ähneln denen einer leichten Sommergrippe, sofern sie überhaupt bemerkt werden. Mitte August 2019 waren erste Fälle in Deutschland bekannt geworden. Zumeist Vögel sind Wirte für das West-Nil-Virus, das dann bei einem Mückenstich auf den Menschen übertragen wird.

Übrigens: Egal ob Stechmücke oder Tigermücke: das Coronavirus können sie nicht übertragen! Es verbreitet sich hauptsächlich durch Tröpfchen, wenn eine infizierte Person hustet oder niest, oder durch Speicheltröpfchen oder Nasensekret.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Juli 2020 | 17:15 Uhr

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