Tiere Niedliche Plagegeister - Was tun gegen Waschbären?

Alles, was ein Waschbär zum Leben braucht, findet er in der Nähe des Menschen. Und hat er die einmal für sich entdeckt, kann so ein niedliches Tier ganz schnell zum Plagegeist werden. Wie hält man sich Waschbären vom Hals - und was sollte man niemals tun, wenn sie sich auf dem heimischen Grundstück eingenistet haben? BRISANT hat nachgehakt.

Waschbär lugt aus einem Versteck hervor.
Niedlich anzusehen, auf dem heimischen Grundstück jedoch echte Plagegeister: Waschbären. Bildrechte: imago images / Martin Wagner

Waschbären stammen aus Nordamerika - sind also eine "invasive Art" - und erst seit rund 100 Jahren in Europa heimisch - ihres Fells wegen. Die Tiere wurden in der Pelzzucht eingesetzt. Sie sind extrem anpassungsfähig, haben hierzulande keine natürlichen Feinde und fressen alles. Daher werden sie für heimische Kleinsäugetiere zum Problem.

Waschbären stehen zwar nicht unter Artenschutz, aber einfach töten darf man sie auch nicht - das ist den Jägern vorbehalten. Denn der Waschbär fällt unter das Jagdgesetz.

In einigen Bundesländern gibt es Schonzeiten für Waschbären. Wer dagegen verstößt, zahlt bis zu 5.000 Euro Strafe! Diese Bundesländer haben bereits von Schonzeiten abgesehen, die bis zu acht Monate dauern können: Bayern, Bremen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Klar, dass man innerhalb von Ortschaften nicht herumschießen darf. Doch selbst eine Fallenjagd ist nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt.

All das nützt aber herzlich wenig. Es gibt einfach zu viele Waschbären, um mittels Bejagung eine nachhaltige Redutzierung des Tierbestands zu bewirken, denn Waschbären gleiche hohe "Verlustraten" durch vermehrte Fortpflanzung aus. Je mehr Waschbären getötet werden, umso mehr Jungtiere kommen nach.

Waschbären niemals füttern!

Füttern Sie die Tiere nicht. Zum einen finden sie ausreichend Futter, zum anderen bekommen Sie das Tier nie wieder los! Viele Bundesländer haben in ihren Landesjagdgesetzen auch ein Fütterungsverbot für Waschbären integriert. In Berlin beispielsweise kostet Füttern bis zu 5.000 Euro Bußgeld.

Ein Waschbär frißt Gemüse aus einem Napf
Waschbären sind nachtaktiv und fressen alles! Bildrechte: colourbox

Machen Sie es ihm möglichst ungemütlich

Im Netz finden sich zahlreiche Tipps, wie man einen Waschbär loswerden kann: durch Licht, Lärm, Benzingetränkte Lappen oder benutzte Babywindeln. All das wirkt nur kurzfristig. Einzige Lösung: Machen Sie es dem Waschbären von vornherein so ungemütlich wie möglich.

  • Verschließen Sie alle Schlupflöcher an Gartenhütten und Schuppen
  • Schaffen Sie Baumaterial oder Sperrmüll zeitnah fort
  • Schließen Sie die Katzenklappe ab oder verwenden Sie eine, die mit Chip funktioniert
  • Sichern Sie Vogelhäuschen mit Metallmanschetten
  • Sichern Sie Müll- und Biotonnen mit Spanngurt oder Steinen
  • Bewahren Sie Gelbe Säcke in verschließbaren Boxen auf
  • Werfen Sie keine Speisereste auf den Komposthaufen. Waschbären lieben Obst, Milch, Fleisch, Fisch und Brot
  • Sammeln Sie Fallobst zeitnah auf
  • Füttern Sie Haustieren möglichst im Haus oder sammeln Sie übrig gebliebenes Futter vor der Nacht wieder ein

Waschbären können Krankheiten übertragen Neben Staupe kann der Waschbär auch von Spulwürmern befallen sein. Diese werden im Kot übertragen. Entfernen Sie Waschbärkot nur mit Handschuhen und verbrennen Sie ihn am besten.

Eine Gruppe junger Waschbären sitzt in einer Baumhöhle.
Possierlich, aber keine Haustiere. Bildrechte: imago/imagebroker

Schutzmaßnahmen richtig wählen

Grundsätzlich kann man verhindern, dass der Waschbär ins Haus oder die Wohnung eindringt. Doch sie sollten passgenau montiert werden. Sonst werden die Tiere versuchen, Einstiege mit Gewalt zu öffnen oder andere Schwachstellen zu finden - und damit Schäden verursachen. Denn sie sind extrem intelligent!

Da sich Waschbären zum Schlafen und zur Jungtieraufzucht in Höhlen aufhalten, sollten alle Aufstiegsmöglichkeiten aufs Dach vermieden werden:

  • Beschneiden Sie Bäume, deren Zweige aufs Dach reichen
  • Verzichten Sie auf Fassadenbegrünung
  • Bringen Sie Blechmanschetten an Regenrinnen an
  • Montieren Sie Metallgitter auf Schornsteinen
  • Überprüfen Sie regelmäßig, ob sich Dachziegel verschoben haben

Niemals Waschbär-Waisen aufpäppeln!

Bitte nehmen Sie Findelkinder nicht im Haus aus, um sie aufzupäppeln und später auszusetzen oder gar als Haustiere zu halten. Waschbären sind Wildtiere, die beißen und kratzen!

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

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