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Weiße Haie sorgen für Gänsehaut bei vielen Menschen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Image Source

Angst und FaszinationMythos Hai: Erstaunliche Fakten zum Raubtier der Meere

Stand: 04. Juli 2022, 15:39 Uhr

Long Island ist vor allem während des Sommers ein beliebtes Ausflugsziel für gestresste New Yorker. Doch dieses Jahr wird der Badespaß von zahlreichen Hai-Angriffen überschattet. Auch an anderen Stränden hört man immer wieder von Begegnungen zwischen Menschen und Haien. Doch wie gefährlich sind die Knorpelfische wirklich? Wo kommen sie vor? Was sollte man im offenen Meer beachten? Wir haben die Antworten.

Sommer in New York bedeutet für viele: raus aus der City und auf nach Long Island! Die besonders Gutbetuchten ziehen sich in die Hamptons zurück, aber auch für alle anderen ist Platz … wirklich genügend Platz. Die Insel an der Ostküste der Vereinigten Staaten lockt mit 100 Kilometer langen Stränden. Viele New Yorker verbringen hier ihre freie Sommerzeit mit Schwimmen oder Surfen. 

Doch für einen Urlaub auf Long Island ist vor allem aktuell eins nicht wegzudenken: die Hai-Warn-App "Sharktivity": Dort werden dieses Jahr deutlich mehr Weiße Haie als je zuvor gesichtet. Doch stellen die Meerestiere wirklich so eine große Gefahr dar? Oder ist ihr Ruf dank Horrorfilmen und Co. einfach verzerrt? Wir haben die wichtigsten Infos auf einem Blick.

Haie: Das muss man über die Tiere wissen

Haie sind Überlebenskünstler. Die Fische aus der Klasse der Knorpelfische leben seit 400 Millionen Jahren auf dieser Erde. Meist in tropischen Gewässern. Der Grönlandhai hat sich auf das Polarmeer spezialisiert und wird sagenhafte 500 Jahre alt! Es gibt Haie von sehr groß (Walhai) bis sehr klein (Zwerghai).

Der Grönlandhai, auch Eishai genannt, wird 500 Jahre alt. Bildrechte: imago/oceans-image

Wo kommen Haie vor?

Die fast 500 Hai-Arten kommen in Meeren, Flüssen, der Tiefsee oder in Küstengewässern vor. Es gibt Haie, die sehr schnell im offenen Wasser schwimmen wie der Makohai oder Haie, die gemächlich am Boden leben, wie der Teppichhai.

Die meisten Haie sind Räuber und stehen an der Spitze der Unterwasser-Nahrungskette. Der größte Hai allerdings, der Walhai, ernährt sich von Plankton und ist damit einem Wal sehr ähnlich. Der Walhai ist mit 12 -14 Metern Länge zudem der größte Fisch, den wir kennen. Denn Wale sind Säugetiere.

Gut zu erkennen: Der Walhai filtert Plankton aus dem Wasser. Bildrechte: IMAGO / Nature Picture Library

Sind Haie vom Aussterben bedroht?

Haie werden teilweise erst mit 30 Jahren (!) geschlechtsreif. Und dann bringen sie meist nur wenige Jungtiere zur Welt. Aber genau diese langsame Fortpflanzung wird einigen Arten zum Verhängnis, denn Haie gelten besonders in Asien als Delikatesse. Außerdem landen die Meeresbewohner oft als Beifang in Fischernetzen und sterben. Der Bestand der Haie schrumpft daher beständig. Und einige Arten wie der Dornhai sind sogar vom Aussterben bedroht.

Hammerhaie leben in Küstennähe. Bildrechte: IMAGO / Nature Picture Library

Greifen Haie Menschen an?

Der "berühmteste" Hai dürfte der Weiße Hai sein - spätestens seit Steven Spielbergs gleichnamigem Horrorschocker von 1975. Aber greifen Haie wirklich Menschen an?

Es ist wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen als von einem Hai getötet zu werden. Doch von den 60 - 100 Begegnungen im Jahr enden fünf bis zehn für den Menschen tödlich. Fakt ist: Der Mensch steht nicht auf dem natürlichen Speisezettel von Haien. Fakt ist auch: Kein Tier ist von Natur aus böse und es greift nur an, wenn es sich bedroht fühlt oder gestresst ist.

Studien zum Weißen Hai zufolge sehen diese Tiere schlecht. Das legt die Vermutung nahe, dass sie Schwimmer oder Surfer mit ihrer Lieblingsspeise, den Robben, verwechseln. Denn von unten gegen das Licht erkennt der Hai offenbar nur einen schemenhaften ovalen Körper, der paddelt.

Möglicherweise beißt der Hai auch aus Neugierde zu, Experten nennen das den "Probebiss". Ob auch andere Hai-Arten so reagieren, wissen wir noch nicht, da die Forschung auf diesem Gebiet noch am Anfang steht.

Obwohl der Weiße Hai fast automatisch für Begegnungen mit Menschen in Verbindung gebracht wird, sind Bullenhaie nicht weniger beteiligt. Grund ist, dass Bullenhaie in Flüssen und Flussmündungen leben und daher direkter mit Menschen in Kontakt kommen. Auch Weißspitzen-Hochseehaie und Hammerhaie können gefährlich werden.

Haie leben in sozialen Gruppen und sind eher scheue Tiere. Bildrechte: Colourbox.de

Das sollte man bei einer Begegnung mit einem Hai tun

Hai-Forscher haben folgende Tipps parat, wenn die Situation mal brenzlig werden sollte:

  • Vor dem Baden und Schnorcheln: Werden Haie bewusst mit Fischen oder Abfällen für Touristen angelockt? Dann Abstand halten!
  • Ist eine Flussmündung in der Nähe? Ist das Wasser trüb und flach?
  • Sind Angler oder Fischer in der Nähe, die Haie anlocken könnten?
  • Surfer, die Pausen auf dem Meer machen, sollten sich komplett auf das Board legen. Keine Arme oder Beine ins Wasser hängen lassen.
  • Nähert sich ein Hai: Ruhig bleiben! Nicht schreien, nicht paddeln oder planschen. Keine Geräusche machen!
  • Für Schwimmer: Nehmen Sie eine vertikale Haltung ein, also mit Füßen unten und Kopf oben.
  • Drehen Sie sich mit dem Hai und halten Sie festen Blickkontakt. Er umkreist Sie nicht, weil er angreifen will, sondern weil permanent Wasser durch seine Kiemen fließen muss.
  • Kommt er noch näher, hilft die Angriffstaktik. Berühren Sie seine Schnauze oder Kiemen mit der Hand. Schwimmt er dann nicht weg, schlagen Sie als nächstes kräftig auf Augen oder Kiemen. Eine Verletzung dort wäre für den Hai tödlich und er sucht das Weite.
  • Schwimmen Sie dann ruhig und kontrolliert an Land.

Fünf erstaunliche Fakten über Haie

  • Fakt 1: Haie besitzen nachwachsende Zähne. Bricht bei der Jagd auf Robben, Fische oder Muscheln ein Zahn ab, rückt ein neuer Zahn nach.

  • Fakt 2: Die Haut der Haie hat eine besondere Rillenstruktur, die an Zähnchen erinnert, die eng beieinanderliegen. Sie verringert den Oberflächenwiderstand beim Schwimmen. Diesen Effekt nutzen wir Menschen in Form von Ganzkörperschwimmanzügen oder als Folie für Schiffsrümpfe.

  • Fakt 3: Die drolligsten Hai-Namen sind: Brombeerhai, Zitronenhai, Pyjama-Hai, Rüschenhai, Koboldhai, Engelhai, Keksausstecher-Hai.

  • Fakt 4: Wie bereits erklärt, ist es wahrscheinlicher vom Blitz getroffen als von einem Hai getötet zu werden. Andersherum tötet der Mensch täglich Haie. Um genauer zu sein unglaubliche 100.000.000 Haie pro Jahr – das macht rund 273.972 getötete Haie am Tag. Das besagen Statistiken der "Food and Agriculture Organization". Die Dunkelziffer könnte durch illegale Fischerei bei nahezu der doppelten Menge liegen.

  • Fakt 5: Dabei sind Haie so wichtig für die Gesundheit der Meere: Sie halten das Gleichgewicht der Lebewesen im Meer aufrecht, indem sie dominante Fischarten zurückdrängen sowie kranke und tote Fische fressen.

WWF/shark research institute/nationalgeographic/sharkproject/Katapult-Magazin

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