"Ich hab eine riesige Dummheit gemacht" Welpenhandel: Familie abgezockt - Tierschützer warnen vor Hundekauf im Internet

Aylin Cengiz aus Hamburg schämt sich, aber sie wusste es nicht besser. Im Internet hat sie einen süßen, kleinen Welpen gekauft. Später stellte sich heraus: Das Tier war todkrank, schlecht behandelt und viel zu jung. Und damit hat sie sich auch strafbar gemacht. BRISANT erklärt, worauf sie beim Hundekauf achten müssen und woran sie unseriöse Verkäufer erkennen.

Ein Welpe auf dem Arm eines Menschen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ich hab eine riesige Dummheit gemacht", sagt Aylin Cengiz aus Hamburg. Sie schämt sich, aber sie wusste es nicht besser. Vor ein paar Wochen hat sie im Internet einen süßen, kleinen Welpen gekauft. Die Freude über das knuffige Knäuel, auch bei ihrem kleinen Sohn, war grenzenlos.

Welpenkauf an der Straßenecke

Dass die Übergabe an einer Straßenecke stattfand, obwohl sie in einer Hamburger Wohnung verabredet waren, kam der Familie in dem Moment nicht komisch vor. Auch, dass der Name des Verkäufers nicht am Klingelschild der Adresse stand und er gleich wieder weg musste, fand die Familie nicht verdächtig. 500 Euro hat der Hund gekostet - ohne Papiere und ohne Impfung. Erst zu Hause merkt die Familie, wie schwach der Welpe ist. Versuche, den Verkäufer erneut zu kontaktieren, scheitern.

Drei Menschen und ein Welpe
Seit Jahren hatte Aylin Cengiz (M.) nur einen Wunsch: Einen Welpen für ihre Kinder. Dann fand sie die kleine Linga in einer Anzeige bei Ebay. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Todkrank, vollgekotet, schlecht behandelt und viel zu jung

Das Tier war todkrank, vollgekotet, offenbar schlecht behandelt und viel zu jung, um ihn von seiner Mutter zu trennen. Bei der Übergabe war ihr das gar nicht aufgefallen. "Das ist typisch", sagt Sina Hanke vom Hamburger Tierschutzverein, "man kann es nicht schönreden, die Welpen verrecken wie die Fliegen."

Der illegale Welpenhandel ist ja das lukrativste nach Drogen- und Waffenhandel. Das ist eine riesige Struktur.

Sina Hanke | Hamburger Tierschutzverein

Tierschutzverein: Riesiges Netzwerk hinter illegalem Welpenhandel

Der Händler ist dem Tierschutzverein bekannt. Laut Hanke hält er im Ausland Hündinnen als regelrechte Gebärmaschinen, um die Welpen dann in Deutschland teuer zu verkaufen. Es gehe um Hunderttausende Euro. "Es gibt den Händler an sich. Es gibt aber auch die einzelnen Verkäufer. Dann gibt es die Fahrer, die wirklich nur den Job haben, den Verkäufer an den Übergabeort zu bringen. Es gibt sogenannte Späher, die dann vorab, bevor der Verkäufer mit den Welpen erscheint, den Bürgersteig ablaufen und schauen, dass nichts verdächtig erscheint“, erklärt Hanke.

"Galerie des Todes" wird immer größer

Hanka und ihr Team konnten einige der Hunde retten, indem sie sich selbst als Käufer ausgaben und zusammen mit der Polizei anrückten. Das Tierheim quillt allerdings schon über vor Welpen und die sogenannte "Galerie des Todes" wird auch immer größer: Jeder tote Hund wird noch einmal fotografiert, als Mahnung, bloß keine Hunde im Internet zu kaufen.

Ein Welpe auf einem Kissen
Obwohl Hilde sofort vom Tierarzt versorgt wurde, starb sie kurze Zeit später. Sie wurde keine zehn Wochen alt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. September 2020 | 17:15 Uhr

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