Besorgniserregender Trend Wenn Schüler Pornos schauen

BRISANT | 13.02.2019 | 17:15 Uhr

Früher waren es Heftchen wie der "Playboy" oder die VHS, die der große Bruder aus der Videothek besorgt hatte. Heute ist der Zugriff auf Pornos viel einfacher - auch für immer Jüngere. Doch was dagegen tun?

Bernhard Stephan wohnt am Stadtrand von Münster, ist 24 Jahre alt und war elf, als er seinen ersten Porno sah. "Wenn ich von der Schule nach Hause kam, dann hab ich mich einfach ins Bett gelegt und hab quasi so getan, als würde ich zocken oder so was. In Wahrheit habe ich Pornos geguckt", erinnert er sich. Kinder schauen Pornos heimlich im Internet. Am Anfang vielleicht nur zufällig. Doch dann wissen sie: Der nächste Clip ist nur einen Klick entfernt!

Die Nutzung beginnt immer früher

Niemals zuvor hatten Kinder so einen uneingeschränkten Einblick auf verstörende Videos im Internet wie heute! Jeder zweite der 14 bis 20-Jährigen hat heute schon Hardcore-Pornos gesehen. Das hat eine Studie der Universitäten Hohenheim und Münster gezeigt.

In der dritten Klasse hatten wir Sexualkunde und ich wurde halt tierisch neugierig. Dann bin ich da auf so eine Internetseite gegangen und hab mir einen Porno angeschaut.

Keira (14)

Hälfte der Begegnungen ungewollt

Rund die Hälfte der Begegnungen mit Pornografie im Netz fand ungewollt statt: "Von den Mädchen gaben knapp 60 Prozent an, dass der Kontakt zu pornografischen Inhalten ungewollt war. Bei den Jungen waren es 37 Prozent", so Jens Vogelgesang von der Uni Hohenheim.

Spätestens wenn die Mitschüler ein Smartphone haben, laufen auch die Pornos. Das kann man gar nicht verhindern.

Heike Melzer | Neurologin und Sexualtherapeutin

Sexualpädagogin: "Teenager sind verunsichert"

Das Problem: Porno-Konsum macht etwas mit den Jugendlichen. Neurologin und Sexualtherapeutin Heike Melzer ist der Meinung, dass auch durch Internetpornos eine Abspaltung der Triebe von der Liebe stattfindet. Zudem würden sich Teenager oft mit den Darstellern im Netz vergleichen und Komplexe bekommen. Viele sind verunsichert, so Experten. "Von den Mädchen höre ich dann so Fragen wie: Muss ich denn beim ersten Mal Oralverkehr machen? Muss ich beim ersten Mal Analverkehr machen?", berichtet Sexualpädagogin Inge Thömmes.

Ein Mann hält ein Smartphone, auf dem ein erotisches Foto einer Frau zu sehen ist.
Der nächste Clip ist nur einen Klick entfernt! Kinder und Jugendliche brauchen lediglich einen Zugang zu einem Smartphone oder Computer. Bildrechte: dpa

Der Zugang ist kinderleicht

Im Kampf gegen Sex im Netz haben die "sozialen Netzwerke" in letzter Zeit stark aufgerüstet: Facebook hat Ende vergangenen Jahres in seinen Gemeinschaftsstandards "sexuelle Kontaktaufnahme" untersagt. Beim Blog-Netzwerk Tumblr - einst groß geworden als Plattform für pornografische Inhalte - sind seit Dezember "Erwachseneninhalte" ("adult content") komplett verboten. Entsprechende Bilder werden dort seitdem automatisiert aus allen Benutzer-Accounts entfernt. Dennoch bleiben unzählige Internetseiten mit pornografischen Inhalten frei im Netz für jedermann abrufbar. Allein 1,5 Milliarden Antworten liefert die Suchmaschine Google auf den Suchbegriff "Porno". Kinder und Jugendliche können leicht Pornoseiten besuchen, weil nur deutsche Anbieter eine Alterskontrolle durchführen müssen - ausländische aber nicht.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. Februar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 09:05 Uhr

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