Windenergie Streitpunkt Windkraftanlagen - besser als ihr Ruf?

Windenergie ist umweltfreundlich und schont die Ressourcen. Dennoch protestieren immer wieder Menschen gegen Windräder in ihrer unmittelbaren Umgebung. Sie sorgen sich um ihre Gesundheit und um die Tierwelt. Was ist dran an den Befürchtungen?

Windräder
Sie produzieren kostengünstigen Strom aus erneuerbaren Energien und sind dennoch umstritten: Windkraftanlagen. Bildrechte: imago images/Shotshop

Eine Windkraftanlage wandelt die Bewegungsenergie des Windes in elektrische Energie um und speist sie in ein Stromnetz ein. Dabei werden weder nicht-erneuerbare Rohstoffe verbraucht noch CO2 ausgestoßen.

Mittlerweile stammen rund 27 Prozent der deutschen Stromerzeugung aus Windkraftanlagen. Im Jahr 2020 war Windkraft zum zweiten Mal in Folge die stärkste Energiequelle in Deutschland - noch vor Braunkohle und Atomkraft. Dennoch spalten die großen Windparks die Gemüter - und das aus mehreren Gründen.

Ohne Wind keine Windenergie

Auf den ersten Blick scheint Windenergie nahezu perfekt zu sein: sauber, erneuerbar und effektiv. Doch ganz ohne Nachteile kommt auch diese Form der Energiegewinnung nicht aus.

Der erste liegt in der Natur der Sache - dem Wind. Bleibt der einmal aus, stehen die Windräder still. Energie kann also nur gewonnen werden, wenn es tatsächlich etwas windig ist. Als einzige Energiequelle scheiden Windräder deshalb aus. Denn wirtschaftlich speichern lässt sich überschüssige Energie bislang nicht. Wird Windenergie nicht sofort in Strom umgewandelt, verpufft sie.

Windenergie - preiswerter Strom aus erneuerbaren Rohstoffen

Zwar ist der Bau von Windenergieanlagen vergleichsweise kostenintensiv, dennoch ist Windenergie (an Land) die preiswerteste Form von Strom aus erneuerbarer Energie. Bis sie sich energetisch amortisiert haben, benötigen Windkraftanlagen zwischen drei und sieben Monate, sogenannte Offshore-Anlagen im Meer sogar noch kürzer.

Während ihrer etwa 20-jährigen Laufzeit erzeugt eine Windenergieanlage bis zu 70 Mal so viel Energie, wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung benötigt wird.

Windrad
Die Rotoren der Windräder können für Vögel und Fledermäuse zur Todesfalle werden. Bildrechte: imago images/Geisser

Lärmbelästigung durch Windräder - was ist dran?

Menschen, die in der Nähe einer Windkraftanlage leben, stören sich insbesondere an der Optik der großen Windräder - und an ihrem Lärm. Denn starke Lärmbelästigung kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Im Bundes-Immissionsschutzgesetz sind Grenzwerte für Lärmpegel gelistet, die gesetzlich bindend sind. Für Windkraftanlagen beträgt dieser Grenzwert 55 Dezibel und ist damit der gleiche Wert wie für den Straßenverkehrslärm in Städten.

Werden neue Windkraftanlagen errichtet, müssen diese Grenzwerte berücksichtigt und Mindestabstände zu Wohngebieten eingehalten werden. Gleiches gilt für den sogenannten Infraschall.

Gefahr für Vögel und Fledermäuse

Neben der Störung des Landschaftsbilds können die Rotoren der Windräder - je nach Standort - eine Gefahr für Vögel, Fledermäuse und Insekten sein. Bis zu 100.000 Vögel, etwa 250.000 Fledermäuse und andere Tiere sollen laut Bund pro Jahr an den Rotoren zerschellen.

Allerdings: Rund 100 Millionen Vögel sterben jährlich allein in Deutschland durch Glasscheiben an Gebäuden, etwa 70 Millionen Vögel verlieren ihr Leben im Straßen- und Bahnverkehr.

Aktuell arbeiten Experten an Sensoren, die die Rotoren der Windräder stoppen sollen, sobald Vögel oder Fledermäuse in der Nähe sind.

Quellen: bund.de/badenova.de/umweltbundesamt.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. November 2021 | 17:15 Uhr

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