BRISANT-Moderatorinnen Mauerfall, Wende, Wiedervereinigung - so war die Wendezeit für Kamilla Senjo, Mareile Höppner und Susanne Klehn

Sie waren Kinder und Jugendliche, als die Mauer zwischen DDR und BRD gefallen ist. Dennoch war den BRISANT-Moderatorinnen Kamilla Senjo, Mareile Höppner und Promi-Expertin Susanne Klehn schon damals klar, dass damit eine neue Zeit angebrochen ist. Heute sind sie sich einig: Wäre die Wende nicht gekommen, wäre ihr Leben komplett anders verlaufen. Und das erfüllt sie mit Dankbarkeit.

Collage: Die drei BRISANT-Moderatorinnen Kamilla Senjo, Susanne Klehn und Mareile Höppner (v.l.) vor dem Brandenburger Tor
Die BRISANT Moderatorinnen Kamilla Senjo (li.), Mareile Höppner (re.), in der Mitte Promi-Expertin Susanne Klehn. Bildrechte: MDR/Hagen Wolf, IMAGO

Kamilla Senjo: "Zeitenwende" vorm Fernseher erlebt

Geboren in der Ukraine, ist Kamilla Senjo ein Kind des Ostens. Ihr Vater ist Ungar, die Mutter Ukrainerin, beide haben deutsche Wurzeln. Russisch und Ungarisch beherrscht Kamilla bis heute fließend. Im Alter von fünf Jahren kam sie mit ihrer Familie in die DDR nach Leipzig - und musste erstmal Deutsch lernen.

Als im Sommer 1989 in Ungarn die "grüne Grenze" geöffnet wurde, war auch die damals 14-jährige Kamilla dort - und verfolgte das Geschehen mit ihrer Familie gebannt vorm Fernseher. Dass sich von nun an etwas ändern würde, eine "Zeitenwende" anbrach, war für sie keine Frage.

Und so kam es dann auch. Als ich wieder in der Schule war, waren einige Stühle von Klassenkameraden leer und auch Lehrer fehlten. Eine Situation, die ich nie vergessen werde.

Kamilla Senjo BRISANT

Kamilla Senjo
Noch in der Ukraine: Kamilla Senjo im Alter von fünf Jahren mit ihren Großeltern. Bildrechte: Kamilla Senjo

Mareile Höppner: "Wir wollten nach Berlin"

Mareile Höppner ist fast drei Jahre jünger. Sie lebte mit ihrer Familie in Lübeck, als die Mauer fiel. Durch die Nähe zur DDR-Grenze war das Thema Mauerfall in der Hansestadt allgegenwärtig.

Die erst 12-jährige Mareile und ihre Freundinnen hätten sich am liebsten sofort auf den Weg nach Berlin gemacht, um dort zu sein, wo "Geschichte geschrieben" wurde. Doch das war für sie erstmal nicht drin. Schließlich mussten sie zur Schule gehen.

Einen zeitnahen Ausflug in den Osten gab's trotzdem. Für die noch junge Mareile ein sehr bewegender Moment - und der Auftakt für viele weitere Fahrten und Freundschaften.

Ich habe schon früh gefühlt, wie wichtig diese Verbindungen sind.

Mareile Höppner BRISANT

Mareile Höppner überreicht eine Goldene Henne an Die Prinzen
Heute in Ost und West gleichermaßen zu Hause: Mareile Höppner überreicht der Band "Die Prinzen" die Goldene Henne 2021. Bildrechte: dpa

Susanne Klehn - "unbeschreibliches Gefühl des Aufbruchs"

Promi-Expertin Susanne Klehn ist das Küken unter den BRISANT-Damen. Entsprechend verschwommen sind ihre Erinnerungen an die Wendezeit. Doch das "unbeschreibliche Gefühl des Aufbruchs, der Freude, der Möglichkeiten" entgingen auch der damals erst achtjährigen Leipzigerin nicht.

Plötzlich ging es für den Urlaub nicht mehr nur an die Ostsee, sondern auch nach Spanien oder Paris. In den Supermärkten gab es Dinge zu kaufen, die man nur aus der Fernsehwerbung kannte - und über die man zuvor in Kita und Schule nicht sprechen durfte. Und: Vom ersten Westgeld gab's "Träumerle", eine wunderschöne Puppe mit braunen Locken - und die ersten Musikkassetten von Blue System. Bis heute ihr musikalischer Wendekracher.

Die erste Tafel West-Schokolade

Ein Bild hat sich in Susannes Erinnerung gebrannt, wie sie mit ihren Eltern in aller Frühe - auf der Rückbank des Trabis in einen Schlafsack gemummelt - nach Hof in Bayern gefahren ist. Auf dem Parkplatz eines Supermarkts bekam Susanne von einem älteren Herrn eine Tafel West-Schokolade geschenkt.

Warum macht der das, fragte sich die Achtjährige damals und plagte sich mit dem Gedanken, ob sie das Geschenk überhaupt hätte annehmen dürfen. Heute berührt sie die Erinnerung an diese Begegnung sehr.

Susanne Klehn
Das wäre ohne die Wende nicht möglich gewesen: Heute ist Susanne Klehn als Promi-Expertin auf den roten Teppichen in aller Welt unterwegs. Bildrechte: BRISANT

Ob Ossi oder Wessi - ohne die Wende wäre ihr Leben ganz anders verlaufen

Bis heute erfüllt der Gedanke an die Wende die drei BRISANT-Frauen vor allem mit einem: mit Dankbarkeit.

Mein Leben wäre ohne die Wende sicher sehr anders verlaufen. Das höchste Gut ist für mich die Freiheit.

Susanne Klehn BRISANT

Ganz ähnlich geht es der im Westen geborenen Mareile Höppner.

Mein Job, meine Familie, meine Freunde - mein Leben wie es heute ist, es wäre nie so geworden wie es heute ist, ohne diesen alles entscheidenden Schritt.

Mareile Höppner BRISANT

Kamilla Senjos Dankbarkeit gilt vor allem denjenigen, die damals den Mut fanden, ihre Grenzen zu überschreiten und auf die Straße zu gehen.

Ich denke da an die Montagsdemos in Leipzig, meiner Heimatstadt. Immer wieder, wurde demonstriert für Freiheit, für Gerechtigkeit, für Mitbestimmung und vor allem für ein besseres Leben ohne Repressalien. Und ja, das hat sich gelohnt und ja, ich bin glücklich in so einem Land leben zu dürfen.

Demonstranten mit Plakat in der Hand
Montagsdemonstration in Leipzig am 16.10.1989 mit der Forderung nach "Reise- Presse- Meinungsfreiheit". Bildrechte: MDR/Universitätsarchiv Leipzig/Armin Kühne

Gelebte Geschichte: "Gundermann", "Weissensee", "Das Leben der Anderen"

Die Freundeskreise der drei BRISANT-Moderatorinnen sind heute bunt gemischt. Die Herkunft spielt dabei kaum eine Rolle. Aber: "Manchmal wissen wir viel zu wenig voneinander", gibt Mareile Höppner zu bedenken und hat dabei den Film "Gundermann" im Hinterkopf.

Susanne haben die Serie "Weissensee", die dritte Staffel von "Charité" und "Das Leben der Anderen" besonders berührt. Denn obgleich sie die Wende in Leipzig hautnah miterlebt hat, war sie noch viel zu klein, um alles zu begreifen.

Ich bin (...) Fan dieser Filme. Und ich hoffe, sie werden immer wieder und immer wieder anders erzählt. Ich glaube, sie helfen und sie verbinden und sie sind gelebte Geschichte.

Mareile Höppner BRISANT

Gundermann
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unterschiede zwischen Ost und West? Wir sind eins!

30 Jahre nach der Wende noch zwischen Ost und West zu unterscheiden oder von "alten" und "neuen" Bundesländern zu sprechen - Kamilla Senjo fällt das schwer.

Für mich gibt es das nicht mehr. Ost und West gehört zusammen wie Nord und Süd. Es gibt auch keine neuen oder alten Bundesländer mehr, wir sind eins.

Kamilla Senjo BRISANT

Und insbesondere in Sachen Essen können die regionalen Unterschiede sogar verbinden. "Wessi" Mareile schwört auf Halloren-Kugeln, die es mittlerweile zum Glück überall gibt, und ostdeutsche Gelee-Bananen, weil ihr die viel besser schmecken als die westdeutschen Versionen.

Kamilla kann sich zwischen Wurstgulasch und gefüllter Paprika einfach nicht entscheiden. Und Susanne? Die lernte klassisches "Ost-Essen" wie Soljanka erst als Erwachsene zu schätzen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Oktober 2021 | 16:30 Uhr