Was kann man tun? 140.000 deutsche Urlauber von Thomas-Cook-Pleite betroffen

BRISANT | 23.09.2019 | 17:15 Uhr

Der britische Touristik-Konzern Thomas Cook ist pleite. Letzte Bemühungen, das Unternehmen zu retten, blieben erfolglos. Jetzt läuft eine riesige Rückholaktion für gestrandete Urlauber an. Auch viele deutsche Touristen sind betroffen.

Ein Airbus A320 des Reisebüros Thomas Cook Retail Limited befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen.
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600.000 Urlauber weltweit betroffen

Nach gescheiterten Gesprächen über eine Rettung des Reiseanbieters Thomas Cook hat das britische Unternehmen Insolvenz angemeldet. Bei den Gesprächen mit Gläubigern und Banken sei keine Einigung erzielt worden, teilte das Unternehmen in der Nacht auf Montag (23.09.) mit. Der Verwaltungsrat werde deshalb "mit sofortiger Wirkung" ein Konkursverfahren einleiten. Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser bezeichnete das Scheitern des Rettungsversuches als "verheerend". Nach dem Scheitern der Gespräche strich der Reiseanbieter sämtliche Flüge. 600.000 Urlauber weltweit sind betroffen.

Condor hält Flugbetrieb aufrecht

Die Thomas-Cook-Tochter Condor hat bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit in Höhe von rund 200 Millionen Euro beantragt. Dieser solle Liquiditätsengpässen vorbeugen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Flugbetrieb solle aufrechterhalten werden. Die Bundesregierung verfolge den Insolvenzantrag aufmerksam, teilte das Auswärtige Amt auf Twitter mit. "Thomas Cook Deutschland und Condor operieren derzeit weiter und führen weiterhin Rückflüge durch", heißt es weiter.

Pauschaltouristen sind (wahrscheinlich) abgesichert

Derzeit sind rund 140.000 Touristen mit deutschen Reiseveranstaltern von Thomas Cook im Urlaub. Die deutschen Töchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature zählen, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. Pauschalreisende aus Deutschland seien über den sogenannten Insolvenzversicherungsschein bei eventuell zusätzlich entstehenden Kosten abgesichert, sagt Simone Meisel von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Ob diese verpflichtende Versicherung von 110 Millionen Euro pro Jahr bei der Insolvenz eines Branchenschwergewichts ausreiche, sei allerdings nicht klar, teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband am Montag mit. Noch schwieriger gestalte sich die Gelderstattung für Individualtouristen.

Diese Reiseveranstalter sind nicht betroffen

  • Dertouristik Gruppe (Dertour/Meiers/ITS/JAHN), gehört zur REWE Group
  • FTI-Gruppe (5vor Flug/BigXTRA/FTI)
  • Schauinsland Reisen
  • TUI Gruppe
  • LMX Reisen
  • VTOURS
  • AMEROPA, gehört zur DB Fernverkehr AG
  • Alltours (inkl. Byebye)
  • ETI Reisen
  • LTUR, gehört seit 2016 zur TUI Gruppe
  • Tropo
  • Olimar
  • HLX

"Erdbeben der Stärke sieben"

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook schockiert auch den griechischen Tourismussektor. Der Präsident des kretischen Tourismusverbands, Michalis Vlatakis, bezeichnete die Pleite am Montag als "Erdbeben der Stärke sieben", dessen Tsunami noch zu erwarten sei. Rund 70 Prozent aller Tourismusunternehmen auf Kreta hätten Verträge mit Thomas Cook.

50.000 Touristen in Griechenland gestrandet

Dem griechischen Tourismusminister Charis Theocharis zufolge sollen etwa 50.000 Urlauber in Griechenland gestrandet sein. Es liefen bereits Maßnahmen, um die Menschen zurück in die Heimat zu bringen, unter anderem in Abstimmung mit der britischen Regierung.

Die türkische Regierung hat unterdessen angekündigt, heimische Unternehmen, die von der Insolvenz betroffen sind, mit einem Kreditprogramm zu unterstützen. Derzeit sollen rund 21.000 Touristen mit dem Unternehmen in der Türkei im Urlaub sein.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. September 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 14:30 Uhr

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