Corona Remdesivir - Wirkstoff macht Hoffnung im Kampf gegen Covid-19

Gibt es bald ein Mittel gegen Covid-19? Die Hoffnung stützt sich auf Remdesivir, ein Medikament gegen Ebola. Eine Klinik in Chicago scheint vielversprechende Ergebnisse mit der Behandlung erzielt zu haben. Doch in einer weltweiten Studie werden noch weitere Mittel getestet. Wir sagen, welche das sind und wie sie wirken.

Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir
Großer Hoffnungsträger gegen die Lungenkrankheit Covid-19: Remdesivir. Bildrechte: dpa

Ist das der Durchbruch? Eine Klinik in Chicago scheint Covid-19-Patienten erfolgreich mit dem Medikament "Remdesivir" behandelt zu haben. Das teilte das Gesundheitsportal "Stat" auf seiner Internetseite mit. In einer klinischen Studie wurde Patienten, die an der Lungenkrankheit Covid-19 leiden, täglich das Ebola-Medikament Remdesivir verabreicht. Das Medikament gilt als neuer Hoffnungsträger, da es bereits auf dem Markt ist und keine Zulassungsverfahren durchlaufen müsste.

Nach Informationen von "Stat" konnten sich die Erkrankten rasch erholen und nach einer Woche bereits das Krankenhaus verlassen. Zwei Patienten seien gestorben. Wie viele Infizierte an der Studie teilgenommen haben, wurde allerdings nicht mitgeteilt. In einer ähnlichen Testreihe in Los Angeles mit 53 Patienten waren sieben gestorben, sechs von ihnen waren künstlich beatmet worden.

Forschung im Labor
Vier Medikamente gegen Covid-19 werden derzeit weltweit an Patienten getetet. Bildrechte: imago images/Cavan Images

Vier Hoffnungen gegen Covid-19

Ende März hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vier Therapie-Ansätze ausgesucht, die vielversprechend im Kampf gegen Covid-19 sein könnten. In einer weltweiten Studie sollen mehr als 10.00 Patienten getestet werden. Für Deutschland beteiligen sich seit dem 9. April zehn Kliniken an der sogenannten Solidarity-Studie. Vorteil der Studie: Je nach Entwicklung können alternative Medikamente hinzukommen oder getestete Medikamente aussortiert werden, sofern zu viele Nebenwirkungen beobachtet werden.

Remdesivir

Das Medikament hemmt die Vervielfältigung des Erbguts sogenannter RNA-Viren. Gegen Ebola hat es sich als wenig erfolgreich erwiesen und hat daher keine Zulassung als Ebola-Medikament. Viel besser verliefen Tests gegen die Lungenkrankheit SARS, die ebenfalls durch Coronaviren verursacht wird. Es könnte also zweckentfremdet werden.

Nachteil: Es muss aufgelöst und in die Vene gespritzt werden und steht derzeit nicht in großen Mengen zur Verfügung. Da Remdesivir keine Zulassung als Arzeimittel besitzt, sond Nebenwirkungen noch nicht gänzlich erforscht. Bei der Behandlung an Covid-19-Patienten zeigten sich erhöhte Leberwerte.

Das US-Pharma-Unternehmen Gilead Sciences stellt Remdesivir seit dem 25. Januar für Heilversuche zur Verfügung. Ärzte am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, der Uniklinik Düsseldorf und der München Klinik Schwabing testen dieses Medikament an Patienten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rechnet in drei Monaten mit ersten Studienergebnissen zur Behandlung von Covid-19 mit Remdesivir.

Chloroquin

Ein seit Jahrzehnten erfolgreiches Mittel gegen Malaria und Rheuma ist Chloroquin, beziehungsweise der verwandte Wirkstoff Hydroxychloroquin. Er blockiert einen Weg, auf dem das Virus in die Körperzellen gelangen kann. Aber das Virus kennt noch andere Wege.

Außerdem ist unklar, in welcher Dosis Chloroquin verabreicht werden muss. Denn die Substanz besitzt starke Nebenwirkungen, zu denen Unruhe, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen und epileptische Anfälle zählen.

Jüngst musste in Brasilien eine Studie nach sechs Tagen abgebrochen werden, nachdem elf der 81 Teilnehmer an Herz-Rhythmus-Störungen gestorben sind. Offenbar hatten sie zusätzlich das Antibiotikum Azithromycin verabreicht bekommen. Zudem sind Malaria-Patienten in der Regel jung und noch ohne Begleiterkrankungen. Chloroquin wird dort in einer niedrigen Dosierung und nur über wenige Tage eingesetzt - im Gegensatz zu den meist älteren Covid-19-Patienten, die zudem Vorerkrankungen haben.

Kombination Lopinavir/Ritonavir

Das HIV-Medikament Kaletra besteht aus zwei Wirkstoffen: Ritonavir und Lopinavir. Lopinavir behindert den Umbau von Eiweißmolekülen, die das Virus dazu verwendet, neue Viren aufzubauen. Ritonavir ist nur eine Art Bodyguard, der verhindert, dass Lopinavir in den Zellen zerlegt wird.

Erste Ergebnisse aus China zu dieser Kombination sind allerdings eher entmutigend. Dort hat das Medikament nicht gewirkt. Häufige Nebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit, Blähungen, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen.

Lopinavir/Ritonavir mit Beta-Interferon

Der vierte Studienzweig kombiniert die Wirkstoffe Ritonavir und Lopinavir mit Beta-Interferon. Das ist ein komplexer Botenstoff des körpereigenen Immunsystems, der gegen Viren wirkt. Er besteht aus Proteinen und Zuckermolekülen. Beta-Interferone werden als Medikamente der ersten Wahl zur Basistherapie der Multiplen Sklerose eingesetzt. Zu den unterwünschten Nebenwirkungen zählen grippeähnliche Symptome wie Muskelschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. April 2020 | 17:15 Uhr

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