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Die RSV-Fälle bei Kleinkindern in Deutschland steigen an. Bildrechte: IMAGO / Zoonar

Infektionswelle in DeutschlandSymptome, Ansteckung, Impfung - Wie gefährlich ist das RS-Virus für Kinder und Erwachsene?

Stand: 08. Dezember 2022, 17:30 Uhr

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland gehen weiter zurück, da macht ein anderes Virus den Experten Sorgen. Das sogenannte RS-Virus geht um - auch in Deutschland - und sorgt vor allem auf Kinderstationen für volle Betten.

Was ist das RS-Virus?

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein eigentlich harmloses Atemwegsvirus, an dem aber vor allem Säuglinge und Kleinkinder besonders schwer erkranken können. Aktuell rollt eine Welle durch Deutschland und die Fallzahlen in den jüngsten Altersgruppen steigen.

Es handle sich auf der Nordhalbkugel um ein "dramatisches epidemisches Geschehen", sagte der Kinder-Intensiv- und Notfallmediziner Florian Hoffmann schon vergangene Woche. In mehreren Bundesländern, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gebe es kaum ein freies Kinderbett in Kliniken mehr. Das liegt nach Angaben des Experten zwar nicht nur an RSV, sondern vor allem auch am Personalmangel. Dennoch beschreibe der rasante Anstieg keine Kurve mehr, sondern "die Werte gehen senkrecht nach oben", so Hoffmann.

Angesichts der schwierigen Lage auf den Kinderstationen von Krankenhäusern hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ( SPD ) die Verlegung von Personal aus anderen Bereichen angekündigt. "Wir werden Personal aus den regulären Erwachsenenstationen in die Kinderstationen verlegen", sagte Lauterbach am Donnerstag (1.12.) in Berlin. Dabei gehe es insbesondere um Pflegekräfte. Die Nachrichten von überfüllten Kinderpraxen und Kinderstationen in Krankenhäusern seien "sehr besorgniserregend", sagte Lauterbach. Derzeit stünden in Deutschland "weniger als hundert Intensivbetten für Kinder noch zur Verfügung".

Welche Symptome hat man beim RSV?

An RSV kann man in jedem Alter erkranken. Es wird durch Tröpfchen beim Niesen oder Husten übertragen und befällt die Atemwege. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern ist der Erreger bedeutsam. Die Symptome können denen einer einfachen Atemwegsinfektion gleichen, also Schnupfen, Husten, Niesen, Fieber, aber auch schwere Verläufe bis hin zum Tod sind möglich.

Zu Risikopatienten zählt das Robert Koch-Institut (RKI) zum Beispiel Frühgeborene und Kinder mit Lungen-Vorerkrankungen, aber auch generell Menschen mit Immunschwäche. Gerade in den Wintermonaten bis in den April hinein breitet sich die Krankheit wellenförmig aus und lässt die Fallzahlen in die Höhe schießen. Das Lockern der Corona-Maßnahmen trägt zur einfacheren Verbreitung bei.

Der RSV-Anstieg sorgt wegen Personalmangels für Probleme in deutschen Kliniken. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Wer ist bei RSV besonders gefährdet?

Nach Angaben von Experten sei RSV vor allem für Frühgeborene ein Risiko, da ihre Atemwege noch sehr eng seien und die Kinder zudem noch keine Immunität gegen das Virus aufgebaut hätten. In ärmeren Ländern, in denen es für Babys oft kaum Möglichkeiten für eine angemessene Behandlung und Versorgung gibt, sind die Risiken dabei weit höher als in wohlhabenderen Gesellschaften.

"Man schätzt, dass etwa 99 Prozent aller Todesfälle, die bei Kleinkindern aufgrund von RSV vorkommen, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auftreten". Demzufolge müssen jedes Jahr mehr als drei Millionen Kinder wegen RSV im Krankenhaus behandelt werden, etwa 120.000 von ihnen versterben. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist.

Kann man gegen RSV impfen?

Einen zugelassenen Impfstoff gibt es derzeit nicht gegen RSV. In den USA war in den 1960er-Jahren zwar ein Impfstoff entwickelt worden, doch dieser bewirkte das Gegenteil von dem, was er sollte. Er verschlimmerte die Krankheit bei geimpften Kindern. Inzwischen arbeitet der Pharma-Konzern Pfizer an einem Vakzin und ist nach eigenen Angaben bereits in der klinischen Erprobung. Auch am Einsatz von Antikörpern wird geforscht. 


BRISANT/dpa

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