Musik Warum ganz Russland über Rammstein-Sänger Lindemann spricht

Fotomontage Mann vor Fahne
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Till Lindemann, Frontmann der deutschen Kultband Rammstein, hat schon immer eine besondere Beziehung zu Russland gehabt. In kaum einem anderen Land wird der gebürtige Leipziger so verehrt. Einst wollten Behörden seine Konzerte verbieten, während Fans nach wie vor mehr als zehn Stunden für Autogramme vom Rammstein-Sänger anstehen. Nun sorgt Lindemann mit einem neuen Song, den er komplett auf russisch singt, erneut für Furore. Und das nicht nur bei seinen Fans.

Sänger Till Lindemann ( Rammstein ) auf der Frankfurter Buchmesse.
Till Lindemann, Sänger der deutschen Kult-Band Rammstein Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Das vor wenigen Tagen veröffentliche Lied und der dazugehörige Clip haben bereits über zwei Millionen Klicks auf YouTube gesammelt. Die ruhige Klavierballade ist das Remake eines alten Sowjetsongs aus den 1930er-Jahren – damals die Filmmusik zu einem Kriegsstreifen über Jagdflieger, die ihre Heimat verteidigen. In den drei Strophen geht es um einen "Kameraden", der in den Krieg zieht, alle Kämpfe überlebt und schließlich gesund nach Hause zurückkehrt. "Du kannst ruhig schlafen, geliebte Stadt", ist eine der zentralen Zeilen.

Neuer Soundtrack zum neuen Heldenfilm

Auch die neue Version mit Lindemann als Interpret ist der Soundtrack zu einem Kriegsfilm, der im Mai in die russischen Kinos kommt. Darin erzählt der russische Regisseur Timur Bekmambetow, der bislang mit eher kommerziellen, schlicht gestrickten Filmen auf sich aufmerksam machte, die wahre Geschichte des russischen Kampfpiloten Michail Dewjataew, der im Zweiten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft gerät und kurz vor Kriegsende mit einem Flugzeug von der Insel Rügen in die Heimat fliehen kann. In dem auf YouTube veröffentlichten Musikvideo sitzt der deutsche Sänger abwechselnd am Steuer eines sowjetischen Kampffliegers und steht in einem schlichten schwarzen Anzug auf der Bühne.

Fans vorm Stadion für ein Konzert.
Lindemann-Fans in Russland Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Lindemann wollte das Lied unbedingt singen

Das Video wurde von vielen Russen begeistert aufgenommen. Russische Staatsmedien berichteten ausgiebig über Lindemanns neuen Clip. Regisseur Bekmambetow erklärte in einem Interview, der Rammstein-Frontmann selbst sei auf ihn zugekommen und habe vorgeschlagen, den Song zu singen, nachdem er von den Dreharbeiten erfahren hatte. Lindemann sei das Lied in seiner Kindheit oft von seiner Mutter vorgesungen worden, so Bekmambetow. In der DDR wurde die Erinnerung an den Russen Dewjataew hochgehalten. Viele russische Fans freuten sich nicht nur über den russischen Liedtext, sondern auch darüber, dass Lindemann als Deutscher zu einem Film beiträgt, der die für viele Russen wichtige Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wachhält.

Filmregisseur Timur Bekmambetov
Der russische Filmregisseur Timur Bekmambetow Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Lindemann Auftritt sorgt nicht nur für Begeisterung

Doch längst nicht alle Russen sind von der Idee und ihrer Umsetzung angetan. Lindemanns Kritiker finden es geschmacklos, dass ausgerechnet ein Deutscher in dem Musikvideo am Steuer eines sowjetischen Fliegers sitzt. Andere kritisieren, dass sich Lindemann von der Propaganda vereinnahmen lasse, die vor allem in den letzten Jahren ein glattgeschliffenes Bild des Zweiten Weltkriegs zeichnet, bei dem russische Helden Nazideutschland im Alleingang besiegten. Lindemann selbst gibt sich diplomatisch. Russischen Journalisten sagte er, für ihn sei es eine Ehre, das alte Sowjet-Lied singen zu dürfen. "Ich bin sicher, dass Musik Brücken zwischen Völkern baut." 

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Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Radio | 01. Mai 2021 | 07:15 Uhr