Kampf gegen die Zeit in Spanien Schacht-Drama: Neuer Rettungsplan für Zweijährigen im Bohrloch

BRISANT | 18.01.2019 | 17:15 Uhr

Ein Rückschlag für alle, die auf schnelle Rettung hofften: Der Quertunnel, der zu Julen führen sollte, ist eingestürzt. Jetzt versuchen die Spanier es von der anderen Seite mit einem Paralleltunnel und einem Quertunnel.

Rettungskräfte arbeiten an der Stelle, an der nach einem zweijährigen Junge gesucht wird.
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Die Suche nach dem zweijährigen Julen, der in Spanien seit Sonntag (13.01.2019) in einem mehr als 100 Meter tiefen Brunnenschacht verschollen ist, wird weiterhin von Problemen erschwert. Eine Bohrmaschine soll einen Bergungstunnel graben, doch ihr Transport zum Unglücksort gestaltete sich am Freitag komplizierter als erwartet. Von oben wurden bis zu 30 Meter Erde abgetragen und eine Plattform für das schwere Bohr-Gerät gebildet. Damit werden jetzt ein, vielleicht zwei Tunnel parallel zum Schacht gebohrt.

In einer ersten Etappe will man rund 80 Meter tief graben. Anschließend sollen erfahrene Minenarbeiter unten eine erste Verbindung zum Schacht herstellen, um zunächst in dieser Tiefe erneut mit einer Roboter-Kamera nach dem Kind zu suchen. Auch ein Bodenradar aus Schweden soll eingesetzt werden.

Experte: Eine Menge Risiken

Doch das Bohren der Löcher dauert. Die 75 Tonnen schwere Bohrmaschine musste wegen der steilen Anfahrt in zwei Teile zerlegt werden. Wenn nun alles, wirklich alles gut läuft, schaffen die Spezialisten 50 Meter in zwölf bis 16 Stunden zu bohren. Doch selbst dann gibt es noch eine Menge Risiken, weiß Albert Daniels von der Technischen Hochschule Bochum. "Je nach Qualifikation des Bohrgerätes und des Bohrpersonals, was da tätig gewesen ist, kann so eine Bohrung schon auch mal zehn und mehr Prozent von der Soll-Linie abweichen", erklärt der Bohrtechnik-Experte.

Dass sich die beiden Bohrlöcher überhaupt da begegnen, wo sie sich begegnen sollen, dass ich in die Nähe überhaupt noch reinkomme, das ist ingenieurstechnisch schon schwierig.

Albert Daniels | Bohrtechnik-Experte der Technischen Hochschule Bochum

"Ich brauche Zeit dafür, die ich nicht habe"

Dazu kommt die instabile Beschaffenheit des Terrains mit verschiedenen Erden, mit Gestein und Schiefer-Ablagerungen. "Das heißt natürlich, ich muss langsam arbeiten, vorsichtig arbeiten, damit nicht alles kollabiert beim Abteufen oder beim bergmännischen Arbeiten", sagt Daniels. "Ich brauche Zeit dafür, die ich nicht habe. Insofern ist das ein Risiko-Projekt, was da gerade gestartet wird." Auch Sprecher der Firma, die die Bohrmaschine zur Verfügung stellten, meinten derweil, man müsse eher "mit bis zu drei Tagen rechnen".

Regen angekündigt

Seit Sonntag gibt es kein Lebenszeichen vom kleinen Julen. Und als ob der Druck auf die rund 100 Helfer vor Ort nicht schon groß genug wäre, soll es am Samstag in der Region regnen. Das erschwert die ohnehin komplizierten Bedingungen noch einmal.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Januar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 19:34 Uhr

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