Brennende Züge Schickt die Deutsche Bahn defekte ICE auf die Schiene?

BRISANT | 06.11.2018 | 17:15 Uhr

Seit 2008 hat es 39 Mal in ICEs der Deutschen Bahn gebrannt. In 36 Fällen musste der Zug ganz oder teilweise evakuiert werden. Ein Lokführer sagt gegenüber "Report Mainz": "Die Bahn überbrückt Schutzrelais."

Feuerwehrleute löschen einen brennenden ICE-Wagen, der auf der Schnellstrecke zwischen Frankfurt und Köln Feuer gefangen hatte.
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Alleine in diesem Jahr hat es bisher in drei ICEs Feuer oder Rauch gegeben, davon zweimal auf der Schnellfahrstrecke Köln/Rhein-Main. Auch 2006, 2014 und 2017 gab es auf dieser Strecke je einen Brand. Die Strecke gilt als sehr anspruchsvoll. Auf ihr werden nur ICEs der Baureihe 3 planmäßig eingesetzt.

Experte: "Züge werden mit Schäden auf die Strecke geschickt"

Bahnexperte Prof. Markus Hecht begründet die hohe Zahl der Brände auf der Schnellfahrstrecke gegenüber dem ARD-Magazin "Report Mainz" so: "Die Leistungsanforderung dort ist sehr hoch. Gleichzeitig gibt es zu wenige Fahrzeuge. In der Folge werden Züge mit Schäden auf die Strecke geschickt." Angesichts der Gesamtzahl der Brände in ICEs fordert er: "Wir brauchen eine zuverlässige Bahn. Und eine unsichere Bahn kann nicht zuverlässig sein."

Buchholzrelais überbrückt?

Zuletzt waren am 12. Oktober dieses Jahres in der Nähe von Montabaur zwei Waggons des ICE 511 völlig ausgebrannt. Im Interview mit "Report Mainz" bewertet Professor Hecht Zeugenaussagen zu diesem Unfall. Sie deuteten "ganz stark auf eine Explosion im Kühlkreislauf des Transformators hin". Hecht erklärt: "So etwas tritt auf, wenn das Buchholzrelais nicht funktioniert." Dieses Bauteil ist dafür zuständig das Transformatoren-Öl zu überwachen, eine Überhitzung zu melden und notfalls den Transformator abzuschalten. Derzeit wird die Ursache des Brandes von der Bundesstelle für Einbahnunfalluntersuchung ermittelt. Mit einem Abschlussbericht wird erst in einigen Monaten gerechnet.

Stichwort: Buchholzrelais Die Transformatoren befinden sich beim ICE 3 nicht wie bei den ICEs älterer Bauart in einem Triebkopf, sondern sind unter den Waggons verteilt. Jeder Trafo wird mit 1.640 Litern Öl gekühlt.

Bahnexperten: "Ein Sicherheitsrisiko"

Ein Sprecher der Deutschen Bahn räumte gegenüber "Report Mainz" ein, dass die Deutsche Bahn gelegentlich das Buchholzrelais überbrücke, aber nur bei ICE 1 und ICE 2. Eine Überbrückung des Buchholzrelais sei beim ICE 3 und ICE T grundsätzlich nicht zulässig und in den Wartungsprozessen der Bahn nicht vorgesehen. "Eine Überbrückung ist nach unserem Kenntnisstand bei ICE 3 und ICE T nicht vorgekommen", so der Bahn-Sprecher. Ein Lokführer wirft gegenüber "Report Mainz" der Deutschen Bahn dagegen vor, dass sie auch ICE-3-Züge mit einem überbrückten Buchholzrelais fahren lasse. Weitere Lokführer berichten schriftlich, dass sie schon ICE 3 gesteuert hätten, bei denen eines der Relais überbrückt gewesen sei. Bahnexperten halten das Überbrücken des Relais' für ein Sicherheitsrisiko.

Das Buchholzrelais ist ein Basissicherheitselement, das darf ich nicht überbrücken.

Bahnexperte Prof. Arnd Stephan | TU Dresden

Kritik auch von der Feuerwehr

Im Gespräch mit "Report Mainz" kritisiert der Feuerwehrinspekteur des Kreises Neuwied, Werner Böcking, dass die Bahn die Feuerwehren nicht ausreichend über Gefahrenquellen an Bord von ICEs aufgeklärt habe. Böcking war am 12. Oktober beim Brand vor Ort und sagte gegenüber "Report Mainz", dass er sich einen Brand solchen Ausmaßes nicht habe vorstellen können.

Ein solches Brandszenario wurde seitens des Notfallmanagements der Deutschen Bahn immer so dargestellt: 'Das kann doch eigentlich gar nicht passieren. Was soll denn da brennen?'

Werner Böcking | Feuerwehrinspekteur Kreis Neuwied

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. November 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2018, 19:22 Uhr

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