Schweine schauen durch Gitterstäbe
Bildrechte: Colourbox.de

Ferkel erschlagen Sauerei in Schweinezuchtbetrieb in Brandenburg

BRISANT | 16.07.2018 | 17:15 Uhr

Es ist Grillsaison. Bei vielen landet Fleisch auf dem Teller. Doch woher kommt das, und wie wurde das Tier gehalten? Ein Betrieb in Brandenburg steht gerade in der Kritik. Exklusive Aufnahmen zeigen Erschreckendes!

Schweine schauen durch Gitterstäbe
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Die Aufnahmen, die Aktivisten heimlich gedreht haben, sind kaum zu ertragen: Mitarbeiter einer Schweinezuchtanlage töten Ferkel, indem sie die Tiere einfach auf den Boden schlagen. In den Boxen liegen zahlreiche Kadaver, teilweise direkt neben den Sauen. Totgeburten und nach der Geburt gestorbene Ferkel werden offenbar zum Teil nicht entsorgt.

Schweinezuchtbetrieb in Neißemünde im Fokus

Die GPS-Daten des Videomaterials, die nachweislich vom 7. Juni 2018 stammen, führen zu einem Schweinezuchtbetrieb mit etwa 400 Sauen im brandenburgischen Neißemünde nahe der polnischen Grenze. Gegen die dort ansässige Agrargenossenschaft hat die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch Strafanzeige erstattet. "Die Bilder zeigen ganz klar einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz", erklärt Sandra Franz von Animal Rights Watch. "Zum einen handelt es sich um eine Tötung ohne vernünftigen Grund. Es werden einfach Ferkel erschlagen, wo es ansonsten zu teuer wäre, die aufzuziehen. Und es wird mit einer unheimlichen Rohheit vorgegangen.

Die Ferkel werden teilweise vor den Augen der eigenen Mütter erschlagen.

Sandra Franz | Animal Rights Watch

Größe der Ferkel entscheidend?

Die Tierschutzbestimmungen für Schweinezucht- und mastanlagen sind eindeutig. Ferkel dürfen nur im äußersten Notfall getötet werden, bestätigt das zuständige Veterinäramt auf Anfrage von BRISANT schriftlich. Die Ferkel auf den Aufnahmen hingegen scheinen quicklebendig zu sein. Die Bilder legen nahe, dass die Mitarbeiterinnen nur kurz anhand der Größe der Ferkel entscheiden, welches Tier leben darf und welches sterben muss. 

Alleine an diesem einen Tag in diesem einen Bereich wurden 23 Ferkel erschlagen. Das zeigen die Aufnahmen aus den Kameras. Wir gehen davon aus, dass in anderen Bereichen der Anlage genau dasselbe passiert. Und das eben nicht nur an einem Tag, sondern an allen Tagen.

Sandra Franz | Animal Rights Watch

Betreiber ahnungslos

Mit den Vorwürfen konfrontiert, wissen die Betreiber nach eigenen Angaben nichts von den gezeigten Praktiken, versprechen aber Konsequenzen. "Wir werden nun klären, wen es betroffen hat, erklärt Frank Matheus, Vorsitzender Agrargenossenschaft Neuzelle. "Wir haben auch heute schon mit den ganzen Abteilungen besprochen, dass wir sowas nicht tolerieren. Wir werden jetzt abwarten, was uns vorgelegt wird und werden auch Schritte einleiten."

Schockierende Bilder: Was sagen Sie dazu?

Gewinnspanne minimal

Sandra Franz überzeugt das nicht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Betreiber nicht weiß, was in seinem Betrieb abläuft. Er ist ja derjenige, der mit dieser Ferkelaufzucht Geld verdienen möchte", sagt sie. "Und er weiß ganz genau, dass das eben mit diesen kleinen schwachen Ferkeln nicht möglich ist. Die Gewinnspanne ist sowieso minimal. Wenn man sich dann auch noch um diese Ferkel kümmern muss, dann kann man keine Profite mehr erwirtschaften." Dieses Argument möchte der Betreiber nicht gelten lassen.

Jedes Ferkel, das wir mehr rausbekommen aus unserem Stall, bringt uns Effizienz hinten raus. Wir verkaufen alle drei Wochen Ferkel nach außerhalb und haben nicht die Not, die Tiere zu töten, weil wir keinen Platz haben.

Frank Matheus | Vorsitzender Agrargenossenschaft Neuzelle

Die Ermittlungen laufen

Sind diese Mitarbeiter also nur einzelne schwarze Schafe der Branche oder steckt doch System dahinter? Die Ermittlungen gegen den Betrieb laufen. Das zuständige Veterinäramt war kurz nach Eingang der Strafanzeige von Animal Rights Watch vor Ort. Welche Beobachtungen in der Anlage gemacht wurden und welche Zustände womöglich angemahnt wurden, dürfen die Behörden wegen des laufenden Verfahrens nicht mitteilen. Die Agrargenossenschaft hat gegenüber BRISANT zugesichert, sämtliche Missstände abzustellen.

Die Kontrolle im Betrieb erfolgte unangekündigt am 12.07.2018. Die Feststellungen wurden dokumentiert. Erforderliche Maßnahmen wurden verfügt. Die Umsetzung am selben Tag wurde durch den Betriebsleiter zugesichert.

Veterinär- und Lebensmittelüberwachung Landkreis Oder-Spree

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. Juli 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2018, 16:56 Uhr

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