Corona-Schulabschluss 2020 Fünf Wochen Corona-Pause: Wann werden die Schulen wieder geöffnet?

Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot sollen bis 3. Mai aufrecht erhalten werden. Doch wie es mit den Schulen weitergeht, darüber könnte die Uneinigkeit nicht größer sein. Ob der Vorstand des Deutschen Lehrerverbands, die Wissenschaftler der Leopoldina oder die Ministerpräsidenten der einzelnen Länder - die Ansichten und Empfehlungen darüber, in welcher Form der Schul- und Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden sollte, sind vielfältig. Bei Schülern und Abiturienten wachsen die Sorgen.

Eine Klasse voller Schüler bei der Prüfung
Ob Mittlere Reife, Berufsschulabschluss oder Abitur - die Schüler der Abschlussklassen blicken derzeit in eine ungewisse Zukunft. Bildrechte: colourbox

Ungeplante Ferien sind schön und gut. Doch steht ein Schulabschluss an, sehen die meisten Schüler das anders. Während sich für die jüngeren Kinder die Eltern ins Zeug legen, den versäumten Stoff zu Hause nachzuholen, blicken zahlreiche Zehntklässler, Berufsschüler und Abiturienten mit einem großen Fragezeichen in die Zukunft. Werden die geplanten Abitur- und Mittlere-Reife-Prüfungen und Berufsschulabschlüsse stattfinden - oder wird jedes Bundesland anders entscheiden?

Einheitliche Regelungen? Schule ist Ländersache!

Prinzipiell ist Schule Ländersache. Insbesondere in Sachen Abitur und Mittlere Reife gelten von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Maßstäbe und Anforderungen. Im Zuge der Corona-Krise wird das deutlich wie nie zuvor. Während Nordrhein-Westfalen auf eine rasche Wiederaufnahme des Schulbetriebs drängt, um eine Durchführung der anstehenden Abschlussprüfungen zu gewährleisten, treten andere Bundesländer, wie Bayern, auf die Bremse. Kein Wunder, denn dort ticken die Uhren deutlich anders. Bis zu den Sommerferien bleiben ganze vier Wochen länger, um Versäumtes nachzuholen.

Auch Berlin hatte zuletzt darauf gedrängt, den Schulunterricht nach den Osterferien wieder zügig aufzunehmen, um die Abschlussprüfungen planmäßig stattfinden zu lassen. Ähnlich sehen die Planungen in Hamburg aus. Abiturientinnen und Abiturienten in Hessen und Rheinland-Pfalz haben die schriftlichen Prüfungen sogar schon hinter sich.

Wer darf zuerst - die Großen oder die Kleinen?

Während die Politik vor allem Prüfungen, Abschlüsse und damit die älteren Schüler im Visier hat, plädieren die Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina dafür, zunächst die Grundschulen zu öffnen. Danach könnte schrittweise die Sekundarstufe I hinzukommen. Der Grund ist ein rein didaktischer: Älteren Schülern fällt es wesentlich leichter, mit Fernunterricht klarzukommen, als den jüngeren.

Dem gegenüber steht die Notwendigkeit, die Umsetzung der Hygieneregeln an den Schulen durchzusetzen. Denn Abstand halten, korrekt husten und niesen sowie regelmäßiges Händewaschen wird für die Älteren eine deutlich niedrigere Hürde sein. Doch last not least muss in den Schulen dafür erst einmal die sanitäre Infrastruktur vorhanden sein. Und um die ist es in vielen deutschen Schulen nicht zum besten bestellt.

Schule als soziale Kontrollinstanz

Auch Kinder- und Jugendärzte fordern in der Diskussion um eine Lockerung der Corona-Maßnahmen ein besonderes Augenmerk auf die Situation von Kindern und Jugendlichen - und haben dabei vor allem Familien, in denen es zu Vernachlässigung und Misshandlungen kommt, im Blick. Schule ist eben nicht nur ein Ort der Bildungsvermittlung, sondern auch der sozialen Kontrolle. Und die fällt - zum Leidwesen der betroffenen Kinder - im Moment komplett weg.

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Schüler plädieren für Durschnittsabitur

Mit großer Sorge und vielen Fragezeichen blicken vor allem die Abiturienten in die Zukunft. Nicht alle fühlen sich auf die anstehenden Prüfungen ausreichend vorbereitet, die Qualität des Fernunterrichts sei zu unterschiedlich. Und vor allem quält die Frage, ob sie nun stattfinden oder nicht, die geplanten Abiprüfungen. Ein Motivationsproblem kommt also auch noch hinzu.

Mehrere Schülerinitiativen aus u.a. Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern haben sich zwischenzeitlich für ein so genanntes Durchschnittsabitur ausgesprochen. Sprich: Die Abinote soll aus der Summer der bislang erbrachten und bewerteten Leistungen berechnet werden. Mündliche Prüfungen könnten per Videoschalte erfolgen, andere plädieren für freiwillige Zusatzprüfungen. Zufrieden werden damit sicherlich nicht alle Abiturienten sein. Denn wer vorhatte, jetzt noch einmal richtig Gas zu geben, um sich zu verbessern, dem ist diese Chance genommen.

Prüfung als Abschluss eines Lebensabschnitts

Eine Mittlere Reife ohne Klausuren, ein Abitur ohne Abiprüfung? Für viele Experten geht den Schülern damit ein wesentlicher Erfahrungsschatz der schulischen Ausbildung verloren. Sang- und klanglos könnte für ganze Jahrgänge die Schulzeit zu Ende gehen. Nicht nur die Prüfungen als solche würden in der Vita der Heranwachsenden fehlen. Ebenso die Abschlussfahrt, die Mottowoche, der Abschlussball - und letztendlich die feierliche Zeugnisübergabe.

Befürchtungen, die auch die Schüler hegen. Wird ihr Corona-Abi 2020 genauso viel wert sein, wie das der Jahrgänge davor und danach? Wird man ihnen dieselbe Qualifikation zutrauen - oder wird Corona sie als ein Stigma ins Studium und in ihre berufliche Zukunft begleiten?

Ungerechtigkeit ist vorprogrammiert

Gerecht wird es in keinem Fall zugehen können. Und das liegt nicht nur daran, dass immerhin zwei Bundeländer ihre schriftlichen Abi-Prüfungen bereits hinter sich haben. Auch die Vorbereitung auf eventuell doch noch stattfindende Prüfungen und die Bewertung von zu Hause erbrachter Leistungen kann nur bedingt gerecht sein.

Nicht jedes Elternhaus ist in der Lage, sein "Schulkind" gleichermaßen gut und kompetent durch die Freilern-Zeit zu begleiten. Während der eine auf einen eigenen Rechner und jede Menge Lern-Software zurückgreifen kann, muss sich der andere per Smartphone durch ein 20-Seiten-PDF quälen. Probleme, die es schon vor Corona und Schulschließung gab - und die jetzt umso deutlicher zutage treten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. April 2020 | 17:15 Uhr

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