Videos aufgetaucht Tierquälerei? Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schweinemast-Betriebe

Ein großer westfälischer Fleischkonzern steht nach Vorwürfen der Tierquälerei gegen sieben seiner Zulieferbetriebe in der Kritik. Mitarbeiter der Betriebe haben Tierschützern zufolge massiv gegen Tierschutzgesetze verstoßen. Mehrere Staatsanwaltschaften haben Ermittlungen aufgenommen.

Schweine warten in einen Anhänger auf den Transport zum Schlachthof.
Mehrere Fleischzulieferer stehen im Verdacht, Tiere gequält zu haben. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Schweine mit blutenden Wunden, Abszessen, Entzündungen an Augen und Beinen, auch einige tote oder sogar verwesende Tiere im Stall: Schockierende Aufnahmen aus Schweinemastbetrieben von kranken und schwer verletzten Tieren haben staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und Appelle an die Politik ausgelöst. Das Bildmaterial veröffentlichte das Deutsche Tierschutzbüro und prangerte drastische Missstände in Mastbetrieben an. Die Aufnahmen sollen aus sechs Betrieben in Nordrhein-Westfalen stammen und in einem Fall aus einem Unternehmen aus Niedersachsen.

Allesamt seien sie Zulieferer von Westfleisch, einem der deutschlandweit größten Schweineschlachter mit mehreren Millionen Schlachttieren pro Jahr und einem Milliarden-Umsatz.

Tierschützer weisen immer wieder auf die Zustände in Mastbetrieben hin. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Staatsanwaltschaften ermitteln

In der Vergangenheit hatten Tierschützer immer wieder auf unzumutbare Zustände hingewiesen und Behörden und Ermittler auf den Plan gerufen. Im aktuellen Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegen drei Schweinemastbetriebe. Ausgangspunkt seien Anzeigen des Deutschen Tierschutzbüros, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Den Anzeigen seien USB-Sticks mit Fotos beigefügt, die aktuell geprüft würden. Den Vorwürfen zufolge sollen Tiere in einigen Fällen beim Abtransport mit Elektroschockern misshandelt worden sein.

Bei der Staatsanwaltschaft in Detmold hieß es, Anfang Juli sei Videomaterial eingegangen, das Tiere mit "nicht oder nicht sachgerecht behandelten Verletzungen" zeige. "Nach Sichtung des Videomaterials ergab sich ein Anfangsverdacht wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz", schilderte ein Sprecher mit Blick auf einen Betrieb. In zwei weiteren Fällen soll die Staatsanwaltschaft in Paderborn Untersuchungen führen.

Mastschweine sind in einem Lkw für den Transport zum Schlachthof zu sehen.
Gequälte Schweine - mehrere Staatsanwaltschaften führen Untersuchungen in den Fällen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Konzern "Westfleisch" kündigt Maßnahmen an

Die Unternehmensgruppe Westfleisch kündigte eine Reaktion an. Man nehme die Vorwürfe gegen die einzelnen Tierhalter sehr ernst und gehe ihnen "mit aller Entschiedenheit" nach, heißt es von Westfleisch. "Bis zur endgültigen Klärung aller Vorwürfe behalten wir uns sanktionierende Maßnahmen bis hin zur Kündigung der Lieferverträge vor." Das Wohlergehen der gehaltenen Tiere stehe an erster Stelle. Das Unternehmen in Münster will nun jeden betroffenen Betrieb überprüfen. Kurzfristig sollten zudem alle Lieferbetriebe besichtigt und die Zustände dort dokumentiert werden. Westfleisch werde außerdem sein Kontrollnetz erweitern.

Der Deutsche Tierschutzbund forderte derweil engmaschigere Kontrollen in Schweinemastbetrieben. Auch die Haltungsart müsse sich zugunsten des Tierwohls verbessern. "Eine reine Stallhaltung von Schweinen ist Tierquälerei. Das muss die Politik endlich erkennen und dementsprechend handeln", so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Über die mutmaßlichen Zustände bei den Westfleisch-Zulieferbetrieben hat auch das ZDF-Magazin "Frontal" berichtet.

BRISANT/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. September 2022 | 17:15 Uhr

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