Gleichberechtigung Großbritannien: Blutspende auch für Homosexuelle ohne Abstinenz-Pflicht

Großbritannien bricht mit einem (fragwürdigen) Tabu: Im Vereinigten Königreich werden homosexuelle und bisexuelle Männer bei Blutspenden künftig nicht mehr anders behandelt als andere Spender. Eine Regelung, die die Deutsche Aidshilfe seit Jahren auch für Deutschland fordert. Denn hierzulande gilt: Wer als homosexueller Mann Blut spenden möchte, darf davor ein Jahr lang keinen Sex mit einem anderen Mann gehabt haben.

Junges schwules Paar sitzt auf Stahlträger einer Fußgängerbrücke
In Sachen Blutspende sind homosexuelle Männder in Deutschland benachteiligt. Großbritannien macht vor, dass das auch anders geht. Bildrechte: imago/Westend61

Mitte Dezember hat es das britische Gesundheitsministerium bekannt gegeben: Homosexuelle und bisexuelle Männer werden im Vereinigten Königreich beim Blutspenden künftig nicht mehr anders behandelt als andere Spender. Im Sommer 2021 soll die neue Regelung in Kraft treten.

Bis dahin gilt, dass Männer, die innerhalb der vergangenen drei Monate Sex mit einem anderen Mann hatten, von der Blutspende ausgeschlossen sind.

Großbritannien: Verhalten statt sexueller Orientierung ausschlaggebend

Stattdessen soll künftig ausschlaggebend sein, ob eine Person innerhalb von drei Monaten wechselnde Sexualpartner oder eine feste Beziehung hatte - unabhängig vom Geschlecht oder der sexuellen Orientierung.

Deutschland: Blutspende für Homosexuelle nur bei Sex-Abstinenz

Ganz anders sieht das in Deutschland aus. Hierzulande waren Männer, die Sex mit Männern haben, lange Zeit grundsätzlich von der Blutspende ausgeschlossen. Seit August 2017 dürfen sie teilnehmen, wenn sie innerhalb der letzten zwölf Monate keinen Sex mit einem Mann hatten. Gleiches gilt für "transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten". Eine Regelung, die vielen homo- und bisexuellen Männern das Blutspenden unmöglich macht.

Eine Richtlinie (und Formulierung), die die Deutsche Aidshilfe zu Recht als diskriminierend verurteilt. Denn Wege, das HIV-Übertragungsrisiko durch Blutspenden zu minimieren, sind bislang nicht konsequent ausgelotet worden.

Ein-Jahres-Frist medizinisch fragwürdig

Die in Deutschland gesetzte Frist von einem Jahr bewertet die Deutsche Aidshilfe als "willkürlich gewählt". Denn: Mit einem üblichen Antikörpertest lässt sich eine HIV-Infektion bereits nach sechs Wochen ausschließen.

Und: Während heterosexuelle Spender nur dann von einer Blutspende ausgeschlossen sind, wenn sie angeben, im vergangenen Jahr Sexualverkehr mit mehr als drei Partnern bzw. in den letzten vier Monaten Sex außerhalb der festen Partnerschaft praktiziert zu haben, wird homosexuellen Männern per se ein polygames Sexualverhalten unterstellt.

Andere Länder fortschrittlicher

Männer, die Sex mit Männern haben, sind zwar statistisch tatsächlich häufiger von HIV betroffen als andere. Doch andere Länder haben die Abstinenz-Fristen, um ihnen die Teilnahme an einer Blutspende zu ermöglichen, bereits deutlich verkürzt. Zuletzt haben die USA eine Drei-Monats-Regel eingeführt. In Zeiten einer aufgrund von Covid-19 deutlich gesunkenen Blutspende-Bereitschaft sicherlich keine schlechte Idee.

Quellen: aidshilfe.de, blutspende.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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