Sorgerechtsstreit Ein Jahr nach dem Seilbahn-Absturz in Italien: Wie geht es dem kleinen Eitan heute?

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte? Das dürfte im Fall des sechsjährigen Eitan Biran nicht der Fall sein. Vor einem Jahr ist seine Familie bei einem Seilbahn-Unglück am Monte Mottarone in Italien ums Leben gekommen. Bis heute streiten seine Angehörigen aus Italien und Israel vor Gericht um das Sorgerecht für den Jungen.

Feuerwehrleute an einer abgestürzten Gondel, die in einem Waldstück liegt.
14 Menschen verloren beim Absturz einer Seilbahn-Gondel am Monte Mottarone ihr Leben. Nur der fünfjährige Eitan überlebte das Unglück. Bildrechte: picture alliance/dpa/Vigili del Fuoco | Vigili del Fuoco

Sein Schicksal bewegt die Welt - bis heute. Genau ein Jahr ist es her, dass es in Italien am Monte Mottarone, oberhalb des Lago Maggiore, zu einem schrecklichen Unfall kam.

Ein Zugseil der Seilbahn riss, eine Gondel stürzte ab, zerschellte an einem steilen Hang zwischen den Bäumen - und riss 14 Menschen in den Tod. Darunter die Eltern, die Urgroßeltern und der kleine Bruder von Eitan Biran. Er ist der einzige Überlebende der Tragödie.

Eitan von Großvater nach Israel entführt

Doch die war für den damals Fünfjährigen mit dem Verlust seiner Familie nicht beendet. Zunächst wurde Eitan, der zwar in Israel geboren wurde, jedoch mit seinen Eltern in Italien gelebt hatte, von seiner Tante väterlicherseits aufgenommen. Aya Biran lebt mit ihrem Mann und den zwei gemeinsamen Töchtern in Pavia in der Lombardei.

Eitans Verwandtschaft in Israel war damit alles andere als einverstanden: Um das Kind entbrannte ein Sorgerechtsstreit. Der gipfelte darin, dass der Großvater mütterlicherseits den Jungen am 11. September für einen vereinbarten Besuch abholte, um ihn dann mithilfe eines Komplizen mit einem Privat-Jet nach Israel zu entführen.

Shmulik Peleg kommt zum Gericht in Tel Aviv.
Eitans Großvater mütterlicherseits entführte den Jungen nach Israel. Bildrechte: dpa

Eitans Heimat ist Italien

Dort stritten sich die Parteien durch sämtliche Instanzen. Im November entschied das Höchste Gericht in Jerusalem: Der Junge muss zurück nach Italien gebracht werden, denn das ist sein Lebensmittelpunkt.

In Israel ist es in den vergangenen Monaten um den Fall Eitan ruhig geworden. Zuletzt berichtete das israelische Fernsehen im Januar über Bemühungen der Anwälte, eine aus Italien beantragte Auslieferung des Großvaters zu verhindern.

Aya Biran, die Tante väterlicherseits von Eitan Biran, trifft vor dem Gericht in Tel Aviv ein.
Bekamen in Israel Recht: Eitans Tante Aya Biran und ihr Mann. Bildrechte: dpa

Eitan froh, wieder "zu Hause" zu sein

Italienischen Medienberichten zufolge soll Eitan einem Polizisten, der den kleinen Jungen mit seiner Tante nach Hause eskortierte, erzählt haben, dass er froh sei, nach Hause zurückkehren zu können. Dort kann er jetzt an der Seite seiner beiden Cousinen groß werden.

Die Anwältinnen der Tante betonten in einer Videobotschaft, dass das Kind nach den erlebten Torturen dringend Ruhe brauche. Eitan habe jetzt die Möglichkeit, seine medizinische und psychologische Therapie wieder aufzunehmen.

Sorgerechtsstreit geht weiter

Ausgestanden ist der Fall Eitan damit aber noch nicht. In Italien geht der Rechtsstreit um das Sorgerecht vor dem Jugendgericht weiter, das eine dritte Person als Vormund für Eitan eingesetzt hat. Auch eine Wortmeldung von Eitans Großeltern in Israel lässt anklingen, dass der Kampf um den Jungen weitergeht.

Eitan ist in unseren Herzen und Gedanken bei uns, und wir werden uns weiter für ihn einsetzen, damit er in Israel aufwachsen kann, seinem natürlichen Heim, dem Heim seiner großen und liebenden Familie, dem Ort, an dem seine Eltern und sein kleiner Bruder begraben sind.

Eitans Familie in Israel

Eitan Biran kommt mit seiner Tante väterlicherseits, Aya Biran auf dem Flughafen von Bergamo an.
Nach dem Urteil des das Höchsten Gerichts in Jerusalem: Eitan kommt zurück nach Italien. Bildrechte: dpa

Seilbahn-Unglück am Monte Mottarone - die Schuldfrage

Was ein fröhlicher Pfingsausflug werden sollte, hat am 23. Mai 2021 14 Menschen das Leben gekostet. Das wäre verhindert worden, hätten die für solche Fälle vorgesehenen Notbremsen gegriffen. Diese waren allerdings durch eine Gabelvorrichtung blockiert, weil sie zuvor für Störungen im Betrieb gesorgt hatten.

Bis heute ermittelt die Justiz gegen zwölf Verdächtige. Das Wrack der verunglückten Gondel wurde erst im vergangenen November vom Hang abtransportiert. Ein Gutachten wird für den 30. Juni erwartet. Aktuell vermutet man, dass das gerissene Zugseil von innen verrostet war.

Gedenktafel zum ersten Jahrestag des Unglücks

Die Seilbahn am Monte Mottarone steht bis heute still. Bald soll an gleicher Stelle eine sichere und innovative Anlage entstehen - vielleicht sogar nach Plänen eines Star-Architekten.

Den Toten des Unglücks ist am ersten Jahrestag mit einer Zeremonie gedacht und eine Gedenktafel mit den Namen der 14 Toten enthüllt worden. Auch Eitans Tante Ayan war vor Ort.

dpa/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Mai 2022 | 17:15 Uhr

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