Paar beim Sex
Wenn die Lust zur Last wird: Sexsucht ist offiziell als Krankheit anerkannt Bildrechte: imago/Science Photo Library

Wenn Lust zur Last wird WHO erkennt Sexsucht als Krankheit an

BRISANT | 17.05.2019 | 17:15 Uhr

Wenn "die schönste Nebensache der Welt" zum Dreh- und Angelpunkt des Lebens und damit einem ernsthaften Problem wird, dann ist die Rede von Sexsucht. Bislang als Promi-Allüre belächelt, hat die WHO die Sexsucht oder auch Hypersexualiät offiziell in ihren Katalog der gesundheitlichen Störungen aufgenommen. Doch: Ab wann spricht man überhaupt von Sexsucht - und wo bekommen Betroffene Hilfe?

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Wenn die Lust zur Last wird: Sexsucht ist offiziell als Krankheit anerkannt Bildrechte: imago/Science Photo Library

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Sexsucht - Eine ernstzunehmende psychische Erkrankung

Im Sommer 2018 haben sich Experten darauf geeinigt, "zwanghaftes Sexualverhalten" als psychische Störung anzuerkennen und in den internationalen Diagnoseschlüssel für Krankheiten der WHO aufzunehmen, der ab 2022 gelten soll. Als Sexsucht bzw. Hypersexualität bezeichnet man ein erhöhtes sexuelles Verlangen und gesteigertes sexuell motiviertes Handeln. Oft als "Promi-Allüre" belächelt, handelt es sich hierbei um eine ernstzunehmende psychische Störung, die bei den Betroffenen zu Kontrollverlust und Vernachlässigung des Alltags führt. Männer und Frauen können gleichermaßen davon betroffen sein. Drei klassische Symptome einer Hypersexualität sind häufige Selbstbefriedigung, der tägliche Konsum von bis zu mehrere Stunden Pornografie und häufig wechselnde Partner.

Sexsucht - Zahlreiche Prominente betroffen

Tiger Woods
Begab sich zur Heilung seiner Sexsucht in Therapie: Golf-Profi Tiger Woods Bildrechte: IMAGO

Im Zuge der #MeToo-Bewegung wird der Begriff der Sexsucht vermehrt in der Öffentlichkeit diskutiert. Berichten zufolge hatte sich auch Harvey Weinstein, der im Zentrum der #MeToo-Schlagzeilen steht, monatelang wegen angeblicher Sexsucht in Behandlung begeben. Und damit steht der einstige Hollywoodmogul nicht alleine da. Bereits im Jahr 2010 hatte Golf-Profi Tiger Woods zur Behandlung seiner Sexsucht in eine US-Klinik eingecheckt. Für die Rettung seiner Ehe kam die medizinische Hilfe allerding zu spät. Mit ähnlichen Problemen scheinen, so die Boulevard-Presse, u.a. Stars wie David Duchovny, Bill Murray, Michael Douglas (vor seiner Ehe mit Catherine Zeta-Jones), R'n'B-Sänger Usher und Ron Wood. Zuletzt hatte sich Lamar Odom, Ex-Gatte von Khloé Kardashian, öffentlich zu seiner Erkrankung bekannt: "Solange ich mich erinnern kann, bin ich von Sex besessen", schreibt der ehemalige Basketball-Profi in seiner Autobiografie "Darkness to Light". Ähnlich äußerte sich Rüpel-Rapper Bushido bereits im Jahr 2007 gegenüber der Jugendzeitschrift "Bravo": "Ja, ich bin süchtig nach Sex." Zu den wenigen weiblichen Stars, denen die psychische Erkrankung nachgesagt wird, zählen Lisa Minelli und Lindsay Lohan.

Test: Bin ich sexsüchtig?

Stellt sich die Frage: Wieviel Sex ist noch "gesund" - und ab wann gilt man als sexsüchtig? Verspürt man einen starken, oft unüberwindbaren Drang oder braucht man immer stärkere Reize? Es gibt einige Symptome, die auf mangelnde sexuelle Impulskontrolle hinweisen. Diese sechs Fragen dienen als Selbstest:

Fernsehen

Frage mit Überschrift, im Hintergrund der Umriss eines Kopfs und darin das Wort Sex in mehrfacher Ausführung.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Frage mit Überschrift, im Hintergrund der Umriss eines Kopfs und darin das Wort Sex in mehrfacher Ausführung.
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Fernsehen

Treffen drei der sechs Kriterien zu, kann eine Sucht bestehen, die behandelt werden sollte. Nicht zu vergessen sind Menschen, die unter ihren Nutzungsgewohnheiten leiden, allerdings nicht als süchtig gelten. Auch sie können sich dadurch in ihrem Alltag stark eingeschränkt fühlen.

Wege aus der Sexsucht

Liebesspiel
Sexsüchtig? Verhaltenstherapie & Intimitätstraining können helfen! Bildrechte: Colourbox

Sexsucht oder auch Hypersexualiät ist eine ernstzunehmende psychische Störung, bei der Betroffene die Kontrolle über ihr Liebesleben verlieren. Dieses Problem zu erkennen und sich Hilfe zu suchen ist ein erster wichtiger Schritt. Nicht selten ist es der eigene Partner, dem das "gestörte" Verhalten auffällt. Der sollte nicht zu lange warten, bis er seinen Partner darauf anspricht. Ein spezielles Therapieverfahren für Sexsüchtige gibt es bislang nicht. Behandelt wird in der Regel mit einer Verhaltenstherapie, die die Betroffenen lehrt, ihre Impulse besser zu regulieren. Zudem ist ein Intimitätstraining möglich, in dem die Teilnehmer lernen, Nähe zuzulassen. Die Kosten für eine solche Behandlung werden, eine ärztliche Diagnose vorausgesetzt, von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wichtig! Ziel einer Sexsucht-Behandlung ist eine Veränderung des sexuellen Verhaltens - und keineswegs eine Abstinenz. Denn: Was wäre ein Leben ... ganz ohne die schönste Nebensächlichkeit der Welt?

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. Mai 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 18:34 Uhr

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