Verbrechen Neues Gesetz - härtere Strafe bei Missbrauch von Kindern

Kinder in Deutschland sollen künftig besser vor Missbrauch geschützt werden. Nach dem Bundestag billigte auch der Bundesrat in Berlin einen entsprechenden Gesetzesbeschluss. Das Gesetz sieht unter anderem schärfere Strafen, eine effektivere Strafverfolgung und mehr Prävention vor.

Ein junges Mädchen, vor einem Bett auf dem Boden hockend, hält schützend die Hände vor sich
Missbrauch von Kindern soll künftig härter bestraft werden. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Wer Kinder sexuell misshandelt oder Bilder und Filme mit entsprechenden Inhalten beschafft, verbreitet oder auch nur besitzt, soll künftig grundsätzlich mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Damit werden diese Taten zum Verbrechen hochgestuft und gelten nicht mehr als Vergehen.

Größeres Gefährdungspotential für Kinder in der Online-Welt

Anlass für die Verschärfung waren etwa die Missbrauchsfälle von Staufen, Bergisch-Gladbach, Lügde und Münster. Zuletzt hatte das Urteil im Fall Christoph Metzelder für Aufsehen gesorgt. Begründet wird das neue Gesetz auch damit, dass Internet, soziale Netzwerke und Onlinespiele mit Chatfunktion das Gefährdungspotential für Kinder sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt erhöht hätten. Vollumfänglich wird das Gesetz am 01. Januar 2022 in Kraft treten.

Mann mit Laptop, Puppe
Die Online-Welt sorgt für ein gesteigertes Gefährdungspotential für Kinder. (Archiv) Bildrechte: imago/imagebroker

Freiheitsstrafe von einem bis 15 Jahre

Der Kindesmissbrauch wird dann mit einem Strafrahmen von einem Jahr bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Bislang werden solche Taten als Vergehen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren sanktioniert. Verbreitung, Besitz und Beschaffung von Kinderpornografie werden ebenfalls zum Verbrechen hochgestuft. Dementsprechend sollen auch dort höhere Strafen drohen.

Hände in Handschellen
Kindesmissbrauch gilt künftig als Verbrechen. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Weniger Hürden bei Strafverfolgung

Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sind erheblich längere Fristen für die Aufnahme von relevanten Verurteilungen ins erweiterte Führungszeugnis vorgesehen. Verdächtige schwerer sexualisierter Gewalt gegen Kinder können leichter in Untersuchungshaft kommen. Ermittler können in Fällen von sexuellen Übergriffen gegen Kinder und Kinderpornografie künftig wesentlich leichter Telefon und Internet überwachen sowie Online-Durchsuchungen durchführen.

Dateiordner mit Aufschrift Kndrprngrf, Symbolfoto kinderpornografische Fotos im Internet.
Ermittler können künftig leichter Online-Durchsuchungen durchführen. (Archiv) Bildrechte: imago/Christian Ohde

Schutz von Kindern stärker im Fokus

Weiter erfassen die Strafvorschriften über den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen und in Abhängigkeitsverhältnissen künftig auch Handlungen mit oder vor Dritten. Schließlich soll die Verjährungsfrist für kinderpornografischer Inhalte erst mit Vollendung des 30. Lebensjahrs des Opfers beginnen. Außerdem legte das Gesetz neue Qualifikationsanforderungen für Familien- und Jugendrichter und Jugendstaatsanwälte sowie Verfahrensbeistände von Kindern fest.

(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | BRISANT | 07. Juli 2021 | 18:10 Uhr

Das könnte sie auch interessieren