Diskussion Corona, Feinstaub, Sicherheit: Böllerverbot an Silvester?

Gründe, das Böllern an Silvester zu verbieten, gibt es viele. Vor allem im Corona-Jahr 2020. Denn Menschenansammlungen sollten vermieden werden. Im vergangenen Jahr waren Sicherheitsbedenken der Grund, die Knallerei zumindest partiell zu untersagen. Doch auch die Feinstaub- und Umweltbelastung des feurigen Spaß' sind nicht zu unterschätzen. Was halten Sie von einem generellen Böllerverbot? Stimmen Sie ab!

Feuerwerk
Wegen der Corona-Pandemie aufs Silvesterfeuerwerk verzichten? Die Meinungen sind geteilt. Bildrechte: Colourbox

Silvesterfeuerwerk in Corona-Zeiten - eine gute Idee?

In den Niederlanden ist es bereits beschlossene Sache: Der Jahreswechsel wird bei unseren Nachbarn ohne spektakuläres Feuerwerk über die Bühne gehen. Damit soll verhindert werden, dass die wegen der Corona-Krise stark beanspruchten medizinischen Notdienste sich auch noch um Verletzungen durch Feuerwerkskörper kümmern müssen.

Die Branche, die das Feuerwerk verkauft, soll entschädigt werden und bereits eingekaufte Feuerwerkskörper im kommenden Jahr an den Mann bringen. Kleinere Knaller, Wunderkerzen oder Knallbonbons sind von dem Verbot nicht betroffen.

Tausende Menschen feiern Silvester am Brandenburger Tor bei Deutschlands größter Party zum Jahreswechsel
Menschenansammlungen in der Corona Pandemie? In diesem Jahr wird Silvester wohl anders gefeiert werden müssen. Bildrechte: dpa

Böllerverbot auch in Deutschland?

In Deutschland beschäftigen Politik, Sicherheitsbehörden, Städte und Gemeinden ähnliche Überlegungen. Ist das Meiden von Menschenansammlungen mit einem Silvesterfeuerwerk zu vereinbaren? "Zu Silvesterböllern gesellen sich rasch Alkohol, Personengruppen und Partystimmung", argumentiert der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, dagegen.

Den CSU-Bundestagsabgeordneten Michael Kuffer treiben eher Sicherheitsbedenken um. Wegen der aufgeheizten Stimmung im Land sei es zu gefährlich, wenn Leute auch noch mit Sprengstoff durch die Straßen laufen würden.

Ähnlich argumentieren die Berliner Grünen, dem Vorbild der Niederlande zu folgen: "Das ist ein wichtiger Schritt, um Krankenhäuser zu entlasten, Sanitäter zu schützen und Neuinfektionen zu verhindern."

Den Menschen den Spaß nicht nehmen ...

Bundesinnenminister Horst Seehofer hält hingegen nichts von einem generellen Verbot. "Feuerwerk muss Silvester trotz Corona möglich sein. Aber auch hier gilt ganz klar: Die Hygieneregeln mit Abstand und Maske müssen eingehalten werden." Auch die SPD zögert noch, "den Menschen den Spaß komplett (zu) nehmen".

Abgebrannte Feuerwerksbatterien auf einem Haufen.
Feuerwerkskörper verursachen Feinstaub und Müll. Das belastet die Umwelt. Bildrechte: Jochen Tack

Immense Feinstaubbelastung durch Feuerwerkskörper

Dass Silvesterfeuerwerk ein durchaus fragwürdiger Spaß ist, darauf macht die Deutsche Umwelthilfe seit Jahren aufmerksam. Vor allem für das Corona-Jahr 2020 fordert die Initiative ein komplettes Verbot privater Feuerwerke.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Rund 4.200 Tonnen Feinstaub werden alljährlich durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt. Und das meiste davon an einem einzigen Silvesterabend. Sämtliche Autos und LKWs, die im deutschen Straßenverkehr unterwegs sind, benötigen etwa zwei Monate, um eine solche Feinstaub-Menge freizusetzen.

Der Feinstaub, angereichert mit allerlei Schwermetallen aus den bunten Raketen, gefährdet die Gesundheit massiv. Luftbelastung ist generell Ursache für eine Vielzahl von Krankheiten, insbesondere von Atemwegserkrankungen. In Zeiten von Corona wirkt sich das besonders negativ aus, so die Deutsche Umwelthilfe. Denn auch das Virus greift die Atemwege an. Darüber hinaus sollte auch den Tieren die Panik zum Jahreswechsel erspart bleiben.

Entscheidung liegt bei den Kommunen

Ob das neue Jahr nun lautstark begrüßt werden darf - oder eben nicht, liegt letztlich bei den Kommunen. Im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Städte und Gemeinden sogenannte Böllerverbotszonen festgelegt, in denen der Einsatz von Feuerwerkskörpern untersagt war. Teils aus Sicherheitsgründen, teils um historische Stadtkerne zu schützen. Komplett verboten war die Knallerei lediglich auf den Inseln Amrum, Föhr und Sylt. Dort ging's mit Meeresrauschen ins neue Jahr.

Fachwerkhaus mit Silvesterraketen davor und einem Verbotsschild.
Bildrechte: dpa (Collage MDR.DE)

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Soll auch im Corona-Jahr 2020 Silvesterfeuerwerk erlaubt sein?

Quellen: Reuters, dpa, duh.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. November 2020 | 17:15 Uhr

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