Europaweiter Überblick Skifahren über Silvester? Österreich verschärft Regelungen

Einige Länder haben die Winterurlaubs-Saison trotz steigender Corona-Zahlen noch nicht ganz abgeschrieben. Unter den Alpenländern ist darüber ein Streit entbrannt. Skiurlaub individuell möglich machen - oder doch alle Gebiete schließen? Im Erzgebirge, Sauerland und Schwarzwald ist es trotz geschlossener Pisten über Weihnachten zu gefährlichen Menschenansammlungen und zahlreichen Verstößen gegen die Corona-Regeln gekommen. Was ist im Ausland erlaubt? Ein Überblick.

Tiroler Alpen im Skigebiet Serfaus Fiss Ladis in der Nähe von Serfaus (Österreich)
In Europa wird derzeit darüber gestritten, ob und wie die Skisaison 2020/21 stattfinden soll. (Archiv) Bildrechte: dpa

Touristische Reisen sollten derzeit tunlichst vermieden werden, so der Wunsch von Angela Merkel. Dabei hat die Bundeskanzlerin vor allem die anstehende Winterurlaube im Blick und sich für eine einheitliche Schließung aller europäischen Skigebiete ausgesprochen.

Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete bis einschließlich 10. Januar schließen könnten. Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen.

Angela Merkel AFP

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder appelliert an die deutschen Nachbarländer und an die Bevölkerung, Skiurlaube in diesem Jahr zu unterlassen. Diese Art von Tourismus "konterkariere alle Bemühungen der Bevölkerung", das Virus zu bekämpfen, so Söder.

Skigebiete in Österreich sicher?

Österreich hatte sich zunächst gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete ausgesprochen. Ende November sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger: "Ich kann den Vorstößen nach der Schließung von Skigebieten über Weihnachten nichts abgewinnen." Winterurlaub in Österreich werde sicher sein: "Unsere Betriebe haben bereits umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub."

Dann folgte die Kehrtwende: Österreich verhängte für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten vom 7. Dezember bis zum 10. Januar eine zehntägige Quarantänepflicht. Ziel sei es, den Tourismus weitgehend einzudämmen, teilte die Regierung Anfang Dezember in Wien mit.

Österreich setze auf ein konsequentes Grenzregime, damit das Virus nicht durch Rückkehrer oder Touristen ins Land getragen werde, sagte Kanzler Sebastian Kurz. Der Schwellenwert seien mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. Das gelte praktisch für alle Nachbarstaaten und speziell auch für den Westbalkan, hieß es. Alle Gaststätten und Hotels müssen bis zum 7. Januar geschlossen bleiben. Es werde wirtschaftliche Entschädigungen geben, sagte Kurz.

Die Lifte in den Skigebieten dürfen ab dem 24. Dezember öffnen - und können somit im Wesentlichen von Einheimischen genutzt werden. Wie die Weihnachtsfeiertage gezeigt haben, hat bereits das für reichlich Chaos gesorgt.

Ortsschild steht am Ausgang der Ortschaft Ischgl
Ischgl in Österreich war ein Corona-Hotspot zu Beginn der Pandemie. (Archiv) Bildrechte: dpa

Weitgehend Normalbetrieb in der Schweiz

Für die Schweiz ist eine Schließung der Skigebiete in diesem Winter ebenfalls kein Thema, dort kann man schon die ganze Zeit auf die Piste. "In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann", sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus. Nach Angaben von Schweiz Tourismus ist das Thema nicht neu. "Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt", teilte Berger mit. "Wir gehen daher davon aus, dass dieser Ansatz auch jetzt nicht mehr Erfolg haben wird."

Ob das eine kluge Entscheidung war? Bilder aus den beliebten Wintersportorten in der Schweiz sprechen eine andere Sprache: Menschenmassen auf den Pisten, kilometerlange Warteschlangen ohne Abstand und Masken an den Liften.

Konsequenzen für Urlaubsrückkehrer?

Seit dem 8. November gilt in Deutschland: Wer aus einem Corona-Risikogebiet, wie der Schweiz oder fast Gesamt-Österreich, nach Deutschland zurückkehrt, muss sich in eine zehntägige Quarantäne begeben, die in den meisten Bundesländern frühestens nach dem fünften Tag durch einen negativen Corona-Test verkürzt werden kann. Zudem muss ein digitales Einreiseformular ausgefüllt werden. Die Einreise in die beiden Länder ist aktuell aber problemlos möglich. Grenzkontrollen werden nur stichprobenartig durchgeführt.

Italien: Präsident für Schließung - Frankreich teilweise

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte will Skigebiete angesichts der Corona-Pandemie mindestens bis zum 10. Januar geschlossen halten. "Es ist nicht möglich, einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten", sagte er dem Fernsehsender "La7".

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach sich für ein reguläres Öffnen im Januar "unter guten Bedingungen" und eine Abstimmung mit den Nachbarländern aus. Die Skigebiete könnten in den Weihnachtsferien zwar öffnen, Skilifte sollen allerdings geschlossen bleiben. Auch Restaurants und Bars in den Skigebieten bleiben wie überall in Frankreich bis mindestens zum 20. Januar geschlossen. Damit könne jeder "von der frischen Luft in unseren schönen Bergen profitieren", so Frankreichs Regierungschef Jean Castex Ende November.

Kein Skiurlaub in Schweden, Finnland und Tschechien

In Schweden und Finnland sind einige Skipisten bereits seit Oktober geöffnet. Da für beide Länder, die teilweise als Risikogebiete eingestuft sind, für deutsche Urlauber Einreisebeschränkungen gelten, sind nicht notwendige, touristische Reise ohnehin nicht gestattet.

Ähnliches gilt für Tschechien, das vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft worden ist. Auch hier sind Reisen für touristische Zwecke nicht erlaubt.

Quellen: ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Dezember 2020 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren