Seit 20 Jahren in Deutschland Die Babyklappe als letzter Ausweg

Babyklappe, Babynest, Babykörbchen: Hinter diesen Namen steckt das gleiche Prinzip. Neugeborene können seit 2000 an vielen Orten in Deutschland darin abgegeben werden. Wie das genau funktioniert und welche Alternative es gibt, erfahren Sie hier.

Ein Hinweisschild mit der Aufschrift 'Babyklappe'
Eine Babyklappe kann verzweifelten Müttern helfen. Bildrechte: dpa

Wie läuft das ab?

Sobald das Kind in der Babyklappe liegt und die Tür geschlossen ist, werden die jeweiligen Betreiber informiert. Die Klappe ist dann fest verschlossen und lässt sich von außen nicht mehr öffnen.

Ein interner Alarm beginnt und benachrichtigt das Team der Frühgeborenenstation. Die Ärzte und Schwestern nehmen das Kind mit auf Station und betreuen es. Sobald die Ärzte entscheiden, dass das Kind gut versorgt und gesund ist, wird es an das Jugendamt übergeben.

Stephan Breidt, Thüringen-Kliniken

Blick auf die Babyklappe
Blick in eine Babyklappe. (Archiv) Bildrechte: dpa

Das Jugendamt übernimmt

Das Jugendamt kümmert sich ab diesem Zeitpunkt um das Kind und sucht auch nach geeigneten Pflegeeltern. Manchmal entscheiden sich die Mütter später doch wieder um und wünschen sich ihr Kind zurück. Das wird in den Stationen unterschiedlich gehandhabt. Am Ende kann erst ein DNA-Test die Mutter richtig bestätigen.

Bei uns hat die Mutter die Möglichkeit, einen Brief mit einem Code zu entnehmen. Den hat das Kind auch. Und damit kann die Mutter über das Jugendamt mit dem Kind in Kontakt treten.

Stephan Breidt, Thüringen-Kliniken

Babyarm mit Armband
Mutter und Kind könnten über einen gemeinsamen Code später zusammengeführt werden. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Umstrittenes Verfahren

Dass solche Babyklappen überhaupt betrieben werden, ist umstritten. Da das Kind anonym abgegeben wird, sind die familiären Wurzeln vollständig abgeschnitten. Außerdem kann es während der Geburt ohne professionelle Hilfe zu Komplikationen kommen, was Mutter und Kind schadet.

Alternative: Vertrauliche Geburt

Alternativen sind sogenannte "vertrauliche Geburten". Auch die sind anonym, werden aber durch Berater begleitet. Sie unterliegen der Schweigepflicht. Die persönlichen Daten der Mutter werden in einem verschlossenen Umschlag aufbewahrt. Diese Variante nutzen die Mütter etwa doppelt so oft wie eine Babyklappe.

'Kreißsaal' steht auf der Tür in einem Krankenhaus
Vertrauliche Geburten sind eine Alternative zur Babyklappe. (Archiv) Bildrechte: dpa

Hier gibt es weitere Informationen und Hilfe

Für Fragen zum Thema gibt es eine Beratungshotline des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Telefonnummer 0800 4040020 ist rund um die Uhr besetzt, kostenfrei und anonym. Zudem können auf der Internetseite "Beratung & Geburt vertraulich" Schwangerschafts-Beratungsstellen im Umkreis gesucht werden. Zudem ist es möglich, sich per E-Mail oder Chat von Fachfrauen beraten zu lassen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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