Corona-Forschung Jeder fünfte junge Corona-Patient leidet unter Spätfolgen

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus steigt - auch in Deutschland. In sogenannten Risikogebieten, wie mittlerweile ganz Berlin, sollen vor allem illegale Partys und Feiern junger Menschen dafür verantwortlich sein. Denn ihnen, so glauben viele, kann eine Corona-Infektion nichts anhaben. Das sieht Virologin Melanie Brinkmann anders. Laut aktuellen Studien soll auch bei jungen Infizierten jeder fünfte Patient mit Spätfolgen zu kämpfen haben.

Junge Leute im Treptower Park in Berlin bei einer illegalen Goa-Party
Illegale Partys und Feiern junger Menschen sollen maßgeblich zum Anstieg der Corona-Neuinfektionen beigetragen haben. Bildrechte: imago images/Travel-Stock-Image

Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn selbst wenn man nur milde Symptome zeigt, sind Spätfolgen nicht ausgeschlossen. Und die können mitunter gravierend sein.

Kurzatmigkeit und Herzrasen

Das Gerücht, dass eine Corona-Infektion vor allem jungen Menschen nichts anhaben kann, hält sich hartnäckig. Virologin Melanie Brinkmann vom "Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung" sieht das anders. Ihr liegt eine Studie vor, die besagt, dass jeder fünfte Corona-Patient aus der Altersklasse der 18- bis 34-Jährigen nach überstandener Krankheit unter Kurzatmigkeit und Herzklopfen leidet. Eine Entzündung des Herzmuskels ist im Zuge einer COVID-19-Erkrankung keine Seltenheit.

Selbst Patienten, die früher regelmäßig joggen waren, haben noch Wochen nach der Genesung Probleme beim Treppensteigen. Obgleich "gesund", ist die Mobilität von vor der Erkrankung auch bei jungen Menschen noch lange nicht wiederhergestellt.

Virologin Melanie Brinkmann steht am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung HZI.
Melanie Brinkmann ist als Virologin am "Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung" tätig und bekleidet eine Professur am Institut für Genetik der TU Braunschweig. Bildrechte: dpa

Müdigkeit und Konzentrationsstörungen

Auch Müdigkeit und Konzentrationsprobleme können lange Begleiter einer überstandenen COVID-19-Erkrankung sein. Ein Acht-Stunden-Arbeitstag wird für die eigentlich Genesenen zum Marathon und führt zur völligen Erschöpfung.

Dass es sich bei COVID-19 nicht um eine Grippe, sondern eine systemische Erkrankung handelt, ist bekannt. Welche Langzeitfolgen sie den Erkrankten darüber hinaus beschert, das können erst Langzeitstudien zeigen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Oktober 2020 | 17:15 Uhr

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