Ein Gruppenbild mit Feuerwehrkameraden vor einem Löschzug
Erinnerungsfoto: Die sächsischen Feuerwehrmänner (hellblaue Hemden) mit ihren Kollegen aus Orange City, Kalifornien. Bildrechte: EuroFire e.V.

Feuerwehren sammeln für Kameraden und Betroffene Spenden aus Sachsen für kalifornische Waldbrand-Opfer

BRISANT | 24.11.2018 | 17:10 Uhr

Gute 9.000 Kilometer Luftlinie von Sachsen haben wochenlang Feuer getobt. In Teilen Kaliforniens ist die Not groß. Feuerwehrleute mehrerer sächsischer Wehren haben Geld für die Unterstützung betroffener Anwohner und ihrer US-Kameraden gesammelt.

Ein Gruppenbild mit Feuerwehrkameraden vor einem Löschzug
Erinnerungsfoto: Die sächsischen Feuerwehrmänner (hellblaue Hemden) mit ihren Kollegen aus Orange City, Kalifornien. Bildrechte: EuroFire e.V.

In Kalifornien toben seit Wochen Waldbrände verheerenden Ausmaßes: Dutzende Tote, hunderte Vermisste sind zu verzeichnen, zehntausende Menschen sind obdachlos. Einigen Feuerwehr-Kameraden aus Leipzig, Dresden und Chemnitz gehen die Ereignisse an der Westküste der USA sehr nah. Sie kennen einige der Einsatzkräfte persönlich aus einer Feuerwehrpartnerschaft, die seit 25 Jahren besteht. Jetzt haben sie einen Spendenaufruf gestartet.

Matthias Dünkel, Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr Leipzig, vor einem Feuerwehrauto mit einem Basecap mit der Aufschrift "City of Orange - Fire Rescue"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Alle von uns waren sich einig gewesen: Wir müssen hier was tun. Es sind viele Menschen betroffen, die keine Versicherungen bekommen haben, die alles verloren haben und keine Chance haben, dass irgendetwas wieder neu aufgebaut wird. Sie campieren jetzt zu Zehntausenden auf Parkplätzen und vor Supermärkten und müssen dort das Weihnachtsfest erleben. Diesen Menschen und betroffenen Feuerwehrleuten, die verletzt worden sind, wollen wir helfen.

Matthias Dünkel Vorsitzender EuroFire e.V.

Kontodaten für die Spendenaktion Stichwort: "Hilfe für Kalifornien"
IBAN: DE18 8605 5592 1180 8274 45

Waldbrand Kalifornien
Bildrechte: IMAGO

Bis Ende November wollen die sächsischen Kameraden Geld für die Opfer der Brände sammeln. Nach Abschluss der Aktion wollen einige Feuerwehrleute nach Kalifornien fliegen. Die Spende soll auf jeden Fall noch vor Weihnachten an den amerikanischen Feuerwehrverband übergeben werden, sagt Matthias Dünkel von der Freiwilligen Feuerwehr in Leipzig.

Ziel ist es nicht, die Villen von Prominenten in Malibu wieder aufzubauen. Wir wollen den Menschen helfen, denen keiner hilft.

Matthias Dünkel Vorsitzender EuroFire e.V.

Die Nachricht von der unerwarteten Spendenaktion freut die amerikanischen Kollegen sehr. Es ist nicht das erste Mal, dass der Verein EuroFire zu einer Spendenaktion aufruft. Nach dem Terroranschlag in New York am 11. September 2001 haben die Kameraden schon einmal Gelder gesammelt. Damals kamen knapp 100.000 US-Dollar zusammen, sagt Dünkel. Er und seine Mitstreiter sind gespannt, wie viel es diesmal wird: "Ob wir diese Summe wieder erreichen, weiß ich nicht. Aber jeder Euro zählt!"

Es gibt auch Hunderttausende, die aufgrund der Feuergefahr in Kalifornien ihr Haus gar nicht versichern konnten. Das nimmt keine Versicherung an. Wenn Sie heute an der Elbe wohnen - 100 Meter vom Ufer entfernt - bekommen Sie auch nicht mehr zwingend eine Elementarschaden-Versicherung.

25 Jahre deutsch-amerikanischer Austausch

1993 hat Matthias Dünkel den Austausch zwischen deutschen und amerikanischen Feuerwehrkameraden initiiert. Anstoß für ihn war die Wiedervereinigung, die die "einmalige Chance" bot, eine Feuerwehr neu aufzubauen, erzählt der passionierte Feuerwehrmann. Dabei habe man das Rad nicht neu erfinden wollen, sondern sich in der Welt umgeschaut, was es schon gibt und die Ideen mit nach Hause genommen.

Ein Feuerwehrauto steht vor der Wache in San Francisco (Kalifornien, USA)
Während des Austauschprogramms besuchen die deutschen Kameraden mehrere Wachen in Kalifornien, unter anderem in San Francisco. Bildrechte: EuroFire e.V.
Vier Feuerwehrmänner löschen ein Auto
Gemeinsamer Einsatz: Deutsche und amerikanische Kollegen (gelbe Uniform) bei der Brandbekämpfung. Bildrechte: EuroFire e.V.

Seitdem reist regelmäßig eine Gruppe sächsischer Kameraden für rund zwei Wochen nach Kalifornien. Knapp 150 Feuerwehrmänner waren im Zuge des Austausches bereits in den USA und 75 Amerikaner haben sich in Leipzig, Dresden und Chemnitz anschauen können, wie hierzulande gearbeitet wird.

Jede der beiden Nationen ist Vorreiter auf unterschiedlichen Gebieten. So haben die deutschen Kameraden in den vergangenen Jahren viel über Einsätze in Katastrophensituationen gelernt, Löscharbeiten in Hochhäusern oder die Pressearbeit.

Löschroboter für San Francisco

Umgekehrt sind die amerikanischen Kollegen von der Technik begeistert, die deutschen Wachen zur Verfügung steht. Sie streben beispielsweise die Anschaffung eines Löschroboters an, wie es ihn in Leipzig gibt. Dieses Gerät könne bei der Brandbekämpfung in Tunneln eingesetzt werden und hat bei der Feuerwehr von San Francisco großes Interesse geweckt.

Deutsch-Amerikanischer Feuerwehraustausch Das Projekt zum internationalen Austausch wird vom Verein "EuroFire" organisiert. Jeder Feuerwehrmann kann sich auf die entsprechende Ausschreibung bewerben. In der Regel fliegen zehn bis zwölf Kameraden in die Staaten. Die Teilnehmer müssen die Kosten für das Programm selber tragen. Es wird jedoch auch von Sponsoren unterstützt. Es wird zudem versucht, die Ausgaben niedrig zu halten. Beispielsweise wird bei der Übernachtung gespart: Statt in Hotels schlafen die Kameraden auf den Wachen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. November 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2018, 18:51 Uhr

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