Wirksamkeit Corona-Impfstoff Sputnik V - Wunderwaffe aus Russland?

In Deutschland hapert es noch an genügend Impfstoff. Da kommt die russische "Wunderwaffe" Sputnik V ins Spiel. Erste Studien zeigen, dass das Vakzin mit 91,6 Prozent hoch wirksam ist. Und Jens Spahn zeigt sich dem Impfstoff nicht abgeneigt.

Eine Krankenschwester hält eine Ampulle mit Sputnik V Impfstoff in den Händen.
Sputnik V erinnert vom Namen her an den ersten Satelliten, der 1957 ins All geschossen wurde. Bildrechte: dpa

Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V hat laut einer Studie im Fachblatt "The Lancet" eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent - auch bei älteren Menschen. Damit erreicht er ähnliche Werte wie die Impfstoffe von Biontech/Pfizer (95 Prozent) und Moderna (94,5 Prozent). 

Die Studie bezieht sich auf "Zwischenergebnisse" der Phase III, in der Freiwillige das Vakzin testen. 20.000 Probanden waren in der Gruppe. Es habe nur milde, grippeähnliche Nebenwirkungen oder Druckschmerz im Arm gegeben, heißt es.

Seit einem halben Jahr ist Sputnik V in Russland zugelassen, obwohl die Tests noch gar nicht abgeschlossen waren. Geimpft wird seit Dezember. Dieses Vorgehen war in die Kritik geraten. Ein "hochriskantes Experiment am Menschen" hatte es der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, angesichts der Eile genannt.

Sputnik V ist wie das Astrazeneca-Vakzin ein Vektor-Impfstoff. Es enthält harmlose Viren, deren Oberfläche so verändert wurde, dass sie den Bauplan für ein bestimmtes Eiweiß des SARS-CoV-2-Virus enthalten. Die Impfung gaukelt dem Körper eine Infektion vor und löst die Produktion von Antikörpern aus.

Sputnik V bald auch in Deutschland?

Da nun aber vielversprechende Daten vorliegen, scheint auch Deutschland dem vermeintlichen Wundermittel nicht mehr abgeneigt. Zumal der Mangel an Impfstoffen die deutsche Impfstrategie arg in zeitliche Bedrängnis bringt. Russland hat der EU 100 Millionen Dosen in Aussicht gestellt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen sich grundsätzlich offen für die Anwendung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V auch hierzulande. Dafür sei allerdings eine offizielle Zulassung des Mittels notwendig.

Einem Bericht des MDR zufolge wird außerdem bereits im sachsen-anhaltischen Dessau geprüft, ob Russland am Standort des Pharmaherstellers IDT Biologika produzieren könnte.

Sputnik V Impfstoff Russland
Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden in Russland schon mit dem hauseigenen Mittel geimpft. Bildrechte: dpa

Ungarn lässt Sputnik V zu

Als erstes Land in der EU hat Ungarn Sputnik V per Notfallgenehmigung zugelassen. Das Land übernimmt aber auch die Haftung für eventuelle Schäden. Ungarn hat ebenfalls bereits fünf Millionen Dosen des chinesischen Pharmariesen Sinopharm per Notzulassung bestellt.

Ministerpräsident Orban war die EU einfach zu langsam in der Beschaffung von genügend Impfstoff. Also haben die Ungarn von Moskau kurzerhand zwei Millionen Impfdosen Sputnik V geordert.

Es geht nicht, dass Menschen in Ungarn sterben, weil Brüssel bei der Beschaffung der Impfung zu langsam ist. Das ist nicht akzeptabel. Wir müssen die Impfung besorgen.

Viktor Orban tagesschau

Viktor Orban
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban Bildrechte: imago images / CTK Photo

Noch keine Zulassung in der EU

Entwickelt wurde Sputnik V vom Moskauer Gamaleya-Institut. In zahlreichen Ländern weltweit ist der Impfstoff mittlerweile im Kampf gegen Corona zugelassen. Laut Herstellermitteilung wird er in folgende Länder ausgeliefert:

  • In Europa: Russland, Belarus, Serbien, Slowakei, Ungarn, Armenien, Montenegro, San-Marino, Moldawien.
  • In Asien: Turkmenistan, Pakistan, Kasachstan, Usbekistan, Syrien, Kirgisistan, Myanmar, Syrien, Mongolei, Sri Lanka.
  • In Südamerika: Argentinien, Bolivien, Venezuela, Paraguay, Mexiko, Nicaragua, Guyana, St. Vincent und die Grenadinen, Honduras, Guatemala.
  • In Afrika: Algerien, Angola, die Republik Kongo, Dschibuti, Republik Guinea, Tunesien
  • Im nahen Osten: Vereinigte Arabische Emirate, Iran, Bahrain, Libanon, Gabun, Ägypten, Ghana.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat indes noch kein grünes Licht gegeben. Obwohl Russland bereits im Januar 2021 einen Zulassungsantrag für Sputnik V bei der EMA eingereicht hat. Die Ergebnisse der Phase III-Studie machen nun aber Hoffnung, dass Brüssel mit dem russischen Vakzin bald einen vierten Impfstoff gegen das Coronavirus zulässt.

(AFP,dpa,tagesschau,mdr,frankfurter rundschau)

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Februar 2021 | 17:15 Uhr

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