Tödliche Schubser-Attacke in Frankfurt Tatverdächtiger bereits seit Tagen von Schweizer Polizei gesucht

BRISANT | 30.07.2019 | 17:15 Uhr

Nach dem Tod eines achtjährigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof werden immer mehr Einzelheiten bekannt. So soll der Taverdächtige bereits seit Tagen von der Schweizer Polizei gesucht worden sein. Unterdessen nimmt die Diskussion über die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen Fahrt auf.

Tatverdächtiger seit Tagen von Schweizer Polizei gesucht

Die Ermittler im Fall der tödlichen Attacke auf einen Achtjährigen im Frankfurter Hauptbahnhof haben Details über den Tatverdächtigen veröffentlicht. Der Mann, der den Jungen am Montag (29.07.) mit einem Stoß vor einen einfahrenden ICE getötet haben soll, ist ein verheirateter Familienvater. "Er soll seit 2006 in der Schweiz leben, er soll verheiratet sein und Vater von drei Kindern sein", sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft am Dienstag (30.07.). "Er hat angegeben, er sei vor wenigen Tagen von Basel mit dem Zug nach Frankfurt gefahren." In Deutschland sei er bislang nicht polizeibekannt gewesen.

Anders in der Schweiz. Dort soll er bereits seit Tagen von der Polizei gesucht worden sein. Das gab Bundespolizei-Präsident Dieter Romann am Dienstag (30.07.) auf einer Pressekonferenz in Berlin bekannt. Demnach soll der Verdächtige am vergangenen Donnerstag (25.07.) sein Frau, die gemeinsamen drei Kinder und eine Nachbarin mit einem Messer bedroht und eingesperrt haben und danach geflüchtet sein.

Schweizer Ermittler teilten bereits zuvor via Twitter weitere Einzelheiten zum Tatverdächtigen mit. Demnach habe der 40-Jährige bis zuletzt im Kanton Zürich gelebt. Er soll eritreischer Staatsbürger und im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung sein. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Trauer am Frankfurter Hauptbahnhof
Trauerndr am Frankfurter Hauptbahnhof. Bildrechte: dpa

Ermittlungen wegen Mordverdachts

Der Verdächtige soll den Jungen und auch dessen Mutter vor einen ICE gestoßen haben. Der Junge starb noch im Gleisbett, die Mutter konnte sich retten und wurde verletzt. Beide stammen aus dem Hochtaunuskreis. Eine dritte Person, die der Mann auch attackiert hatte, konnte sich in Sicherheit bringen, ohne auf die Gleise zu stürzen. Dabei handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um eine 78-jährige Frau. Sie erlitt einen Schock und eine Schulterverletzung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Mordes und des versuchten Mordes. Der Tatverdächtige soll am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Erkenntnisse zum Tatmotiv gibt es bisher nicht: Der Verdächtige habe noch keine Angaben zum Tatgeschehen gemacht. Hinweise, dass der Mann unter Alkohol oder Drogeneinfluss gestanden habe, habe die Staatsanwaltschaft bislang nicht. Eine erste Atemkontrolle auf Alkohol nach der Tat habe 0,0 Promille ergeben, sagte die Sprecherin.

Zur Frage nach dem Gesundheitszustand des Verdächtigen sagte sie: "Die Tat spricht ja schon dafür, dass man an eine psychische Erkrankung denkt." Diesen Verdacht bestätigte die Kantonspolizei Zürich am Dienstagnachmittag. Demnach soll der Tatverdächtige seit diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung gewesen sein.

Polizisten stehen am Frankfurter Hauptbahnhof an einem Gleis
Polizisten stehen am Frankfurter Hauptbahnhof an einem Gleis. Bildrechte: dpa

Große Trauer am Tatort in Frankfurt/Main

Am Tatort herrschte auch am Dienstag noch Entsetzen. Zahlreiche Menschen legten am Bahnsteig 7 des Hauptbahnhofs Blumen, Kerzen und kleine Teddybären nieder. Am Dienstagabend soll es im Bahnhof eine öffentliche Andacht geben, an der Vertreter von katholischen und evangelischen Gemeinden teilnehmen.

Die Attacke im Hauptbahnhof hat inzwischen eine Debatte über die Sicherheit an Bahnhöfen ausgelöst. Mehr dazu gibt es hier.

red/afp/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. Juli 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2019, 18:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren